Review

Tommy Heath: "That feels great... very soothing."
Dr. Paul Carruthers: "I don't think you'll ever use anything else."


Konnte sich der unvergessene Bela Lugosi in seiner Paraderolle als blutsaugender Graf in Tod Brownings Vampirklassiker Dracula (1931) noch selbst in eine Fledermaus verwandeln, so züchtet er als finsterer Wissenschaftler im neun Jahre später entstandenen The Devil Bat diese süßen Tierchen, um mit ihrer Hilfe eine perfide Rache zu vollziehen. Dr. Paul Carruthers (Lugosi) fühlt sich nämlich hintergangen. Vor Jahren hat er einige geniale Formeln für Parfüme und Rasierwasser entwickelt, doch anstatt sich am aufstrebenden Unternehmen zu beteiligen, ließ er sich mit schlappen zehntausend Dollar abspeisen, während seine Kumpane Martin Heath (Edmund Mortimer) und Henry Morton (Guy Usher) ein Vermögen scheffelten. Daß er sich damals selbst für das schnelle Geld entschieden hatte, ist nun natürlich sekundär. Schuld sind halt immer die anderen. Und deshalb will der von Rachegelüsten überwältigte Mann alle tot sehen, Heath, Morton, deren Söhne (Gene O'Donnell, Alan Baldwin, John Ellis) bzw. Töchter (Suzanne Kaaren). Der Plan ist so genial wie einfach: Er bringt seine potentiellen Opfer dazu, sein ganz spezielles, eigens zu diesem Zwecke entwickelte Rasierwasser aufzutragen, nur um wenig später seine scharfzahnige Riesenfledermaus ("Tonight you have work to do!") loszulassen. Die fliegt nämlich auf den Geruch, stürzt sich auf die ahnungslosen Menschen und zerbeißt ihnen die Halsschlagader. Ein wunderbar ausgeklügelter Plan, so realitätsnah, daß er nur in billigen Filmen wie diesem hier funktioniert.

Jean Yarbroughs The Devil Bat ist einer dieser drolligen Mad-Scientist-Heuler, wie es sie in den 1940er- und 1950er-Jahren zuhauf gab. Die gefällige Mischung aus Krimiplot, Rachethematik, Science-Fiction-Mumpitz und (Tier-)Horror erinnert so stark an die kultigen Silber Grusel-Krimi-Heftromane, daß es mich nicht überrascht hätte, wenn sich der Held der Geschichte, der lässige Zeitungsreporter Johnny Layton (Dave O'Brien), am Ende als Larry Brent herausgestellt hätte. Lustigerweise bekam es der von Jürgen Grasmück - unter seinem Pseudonym Dan Shocker - erfundene PSA-Agent in seinem legendären ersten Fall Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus (erschienen im August 1968, als Nr. 747 der Reihe Silber-Krimi) ebenfalls mit einer großgezüchteten Riesenfledermaus zu tun. Allerdings waren die Hintergründe für das blutige Wirken des Tieres andere. Hier geht es einzig und allein um Vergeltung. Die Attacken des Viehs sind wenig spektakulär. Man sieht, wie die Fledermauspuppe in einer schönen Kurve durch die Luft pflügt, es erfolgt ein Gegenschnitt auf das ahnungslose Opfer, dann saust das Biest auch schon in die Arme des Schauspielers, der es geschickt fängt und es so aussehen läßt, als würde ihm das Tier an die Gurgel gehen und er sich verzweifelt dagegen wehren, bevor er schließlich leblos zu Boden sinkt und die teuflische Fledermaus zum Onkel Doktor zurückkehrt. Die Angriffe sind kein bißchen realistisch, aber sie sind zumindest nett anzuschauen und sie haben Charme.

Außerdem hat die Devil Bat zwei Gesichter. In den Totalen ist die Kreatur eine wenig bewegliche, aber herzallerliebste Attrappe, bei den Nahaufnahmen verwandelt sie sich dann plötzlich in ein niedliches, quicklebendiges Tierchen. Die Attraktion des angestaubten Filmes ist jedoch nicht das titelgebende Monster, sondern der irre Wissenschaftler, der es für seine üblen Zwecke mißbraucht, genial verkörpert von Bela Lugosi. Der war einmal mehr enthusiastisch bei der Sache und verleiht seiner Figur einen diabolischen Charme, ohne allzu dick aufzutragen. Sein Dr. Carruthers ist ein charismatischer Schurke, hinter dessen sanfter und freundlicher Fassade sich wahnhafte und mörderische Abgründe auftun. Seine verschlagenen Blicke, sein hinterlistiges Grinsen und seine süffisanten Wortspenden ("Your brain is too feeble to conceive what I have accomplished in the realm of science!") sind Gold wert. Eine sehr launige Performance des Kultschauspielers. Der Rest der Cast kommt gegen seine gewaltige Präsenz nicht an. Donald Kerr, Laytons Photograph, ist die undankbare (und nervende) Aufgabe zugefallen, für etwas Comic Relief zu sorgen, und die hübschen Frauen sind kaum mehr als schmückendes Beiwerk. Der formelhafte, arg vorhersehbare Film plätschert spannungslos dahin, bis es dann kommt, wie es einfach kommen muß: Die ausgenutzte Kreatur wendet sich gegen ihren Schöpfer. Könnte man sich ein passenderes Ende für diesen herrlich abstrusen, comichaft-schundigen Schlocker vorstellen?

Details
Ähnliche Filme