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Wir Deutsche haben einen schlechten Ruf. Und damit meine ich nun nicht unsere dunklen Stellen in der Vergangenheit, die uns wohl für immer angelastet werden, sondern unser Verhalten im Ausland. Denn (leider nicht nur) angeblich benehmen wir uns woanders so, wie wir es uns in Deutschland nie und nimmer erlauben würden. Sprich wie die letzte Sau! Und nachdem wir aus dem spanischen Mallorca fast ein 17 Bundesland gemacht haben und es dort langsam langweilig wird, ist nun schon seit einiger Zeit Ibiza das Urlaubsziel Nr. 1, unter dem partygeilen Feier-Volk der Deutschen. Und Regisseur Gernot Roll, der uns schon beim Mallorca-Urlaub abgefilmt hat und die Klischees im unterirdischen "Ballermann 6" hochleben lies, zeigt nun auch Ibiza von seiner unerträglichsten Seite: "Pura Vida Ibiza", Humor zum Kübeln!

"Pura Vida Ibiza" ist die Geschichte von drei Volldeppen, die sich auf der Party-Insel als Animateure abgeben. Doch die strenge Chefin und die eigenen Beziehungskisten, machen es den Dreien nicht leicht. Mehr Storyelemente gibt es nicht zufinden, da sie einfach nicht vorhanden sind. Anstatt einer lustigen Urlaubs-Komödie, liefert man uns hier eine Klischeereiche und durch und durch unterirdische Geschichte ab, die jedem gut gesitteten Komödien-Freak schnell zum Halse raushängt. Hier wurde so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur hätte falsch machen können.

Ganz schlimm sind dabei die Figuren des Streifens, die Klischeedurchtränkter und platter kaum sein können. Da hätten wir einen Sex-geilen Allesstecher, der jedes Mädel vögelt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Einen schüchternen Streber, dem jedes Mal die Brille anläuft, wenn ihm ein Mädchen über den Weg läuft. Und einen verknallten Superloser, dem auch so gar nichts gelingen will und dann am Ende doch als Held hinaus geht. Dazu das typische Party-Volk, für die Benehmen in jeder Hinsicht ein Fremdwort ist. Sprich wer hier eine tiefgehende oder wenigstens sympathische Figur findet, der darf sicher sein, dass er genauso IQ-frei ist, wie ein jeder in diesem Streifen!

Dazu Gags aus der untersten Grotte deutschem Fäkalo-Humors, bei dem man die Schmunzler an einer Hand abzählen kann. Hier kriegen die Hauptfiguren unter anderem den frisch "gemixten" Inhalt einer Klospühlung auf den Kopf, Penis-Pumpen werden an Pimmel festgeklebt, Protagonisten wird ins Gesicht gefurzt, Lebensmittel werden sowohl vollgespuckt als auch vollgeniest und mit Klofingern bearbeitet, bevor sie von der Kundschaft verspeist werden und vieles mehr. Ein Ekel-Gag jagt den Nächsten, so dass einem bald nur richtig schlecht zu werden vermag. Oder man schläft kurz davor ein, denn bei so wenig Abwechslung, ist auch ein erholendes Wegnicken nicht ganz auszuschließen.

Und wäre das nicht schon alles schlimm genug, so ist auch noch die Inszenierung mehr als billig ausgefallen. Kameraarbeit, Schnitt und eine sorgfältige Regiearbeit sind hier größtenteils ein Fremdwort. Wer genau aufpasst, kann hier einen Schusselfehler nach dem anderen entdecken. So sieht man in einer Szene zum Beispiel eindeutig den Schatten eines Crew-Mitglieds groß im Bild. Stümperhaft und fast schon amateurreif!

Die einzigen zwei Sachen, die dieses Machwerk ein wenig retten mögen, ist die stimmige Musikauswahl und die Kulissen der Insel ansich, die aber auch nur ab und an einmal aufzublitzen. Die Mucke hat es doch durchaus drauf Stimmung zu verbreiten, und das die Insel Ibiza dann vielleicht doch noch ein paar schicke Flecken zu bieten hat, macht einem jedenfalls auf Urlaub schmackhaft, wenn auch nicht in der Hauptseason.

Darstellerisch stimmt sich dagegen natürlich jeder Schauspieler auf den miesen Filminhalt ein. Die drei Hauptspacken möchte man am liebsten in den nächsten Teenie-Slasher schicken, damit einem schnell ein Massenmörder, von dem qualvollen Anblick ihres "Können", erlösen möge. Katja Flint verkauft sich, als strenge Club-Chefin, hier eindeutig unter Wert und die Proll-Freunde Hilmi Sölzer und Tom Gerhardt hätten sich ihren jeweiligen Kurz-Auftritt auch ersparen können. Und was in all dem Treiben "Schultze"-Darsteller Horst Krause zu suchen hat, ist mir eh ein Rätsel.

Fazit: Auch Rolls zweiter Versuch, aus dem klischeebelastetem Verhalten der Deutschen im Ausland, eine gute Komödie zu machen, scheitert. Ein hohles, kaum vorhandenes Skript, klischeehafte Figuren der unsympathischsten Art und Weise, unlustige Ekel- und Fäkalgags am laufenden Band und eine sorgfaltslose Inszenierung, ergeben einen Film, der mal wieder ideal für all jene geschaffen wurde, die für unseren schlechten Ruf im Ausland verantwortlich zu machen sind. Alle anderen sollten von diesem stinkenden Haufen Filmdreck die Finger lassen oder sich voll und ganz auf die Musik und die (leider nur selten zu sehenen) schönen Inselkulissen konzentrieren.

Mal wieder ein unglaublicher Tiefpunkt in Sachen "deutscher Film", den man nur schnell vergessen sollte!

Wertung: 2,5/10 Punkte

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