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Ein Kampf, der alles bietet: Gnadenlose Action. Unglaublichen Schwertkampf. Feinstes Kung-Fu. Zwei Typen geben sich gewaltig auf die Glocke. Denn es geht um Ehre, Respekt und... den letzten Döner.

Kampfsportfilm-Fan Ibo dreht für den Döner-Imbiss "King of Kebab" im Hamburger Schanzenviertel, der seinem Onkel gehört, Kinospots mit reichlich Keile. Zuviel Keile, findet dieser, und flugs wird Ibo entonkelt. Man könne den Kunden doch nicht den Appetit verderben. Aber sowas ist für Ibo nur das geringste Problem, denn Onkel- und vaterlos ist er alle paar Tage, wenn er mal wieder Schande über die Familie gebracht hat. Viel schwerwiegender ist es doch, dass seine Freundin, die zu allem Überfluss auch noch deutsch ist, ein Kind von ihm erwartet...

Ein Film wie ein großer Döner, vollgestopft bis obenhin mit lauter leckeren Sachen: Mehr oder minder coole Typen,
verrückte Verwandte, ernste Themen, und das ganze gewürzt mit völlig abgedrehtem Humor. Solche Komödien braucht das Land!

Denn obwohl es sich hier um eine geradezu klassische coming-of-age-Geschichte handelt, in der die Hauptfigur diverse Dinge über sich und seine Verantwortung den Mitmenschen gegenüber zu lernen hat, vergisst der Film zu keiner Zeit seine komödiantische Pflicht. Und die heisst Unterhaltung. Da wird mit Dönermessern und Servietten eine Hommage an HERO zelebriert, Ibo darf an einem "Hechelkurs" für werdende Mütter teilnehmen, und Erleuchtung kommt in Form von Bruce Lee direkt aus dem Kühlschrank. Gedankenschwere ade, es geht auch leichter; Slapstick allerorten, der Film fährt ein enormes Tempo, gleitet aber glücklicherweise nie in HARTE JUNGS - Gefilde ab. Pipi- und Popowitze findet man hier nicht.

Dass dem so ist, ist natürlich auch dem fantastisch aufspielenden Ensemble zu verdanken, allen voran Denis Moschitto und Nora Tschirner, die ihre Figuren im allgemeinen Chaos nie der Lächerlichkeit preisgeben und so stets das Interesse an den Problemen von Ibo und Patricia aufrechterhalten. Das erhält dem Film sein Zentrum, das er aufgrund des hohen Tempos auch benötigt.

Ein weiterer dicker Pluspunkt bekommt der Film für sein gut eingefangenes Hamburger Multi-Kulti-Flair. Imbiss-Battles zwischen Türken und Griechen werden ebenso abgehandelt wie die deutsch-türkischen Beziehungen, illustriert durch das Handlungsdreieck von Ibo, Patricia und Ibos Vater. Alles immer ein wenig überzogen, aber immer nah an der Wahrheit. Komödie halt. Gut, als Hamburger (wie meinereiner) wundert man sich schon gelegentlich über einige kuriose Lokalitäten (Vorsprechen fürs Theater finden im Rathaus statt?), aber selbst so etwas passt irgendwie zum schrägen Ton des Ganzen.

Also, mein fedder Respekt geht an Anno Saul, Fatih Akin und alle anderen Beteiligten für eine Komödie mit Tempo, Hirn und viel Hamburch. Hiermit verleihe ich den Ehrenbörek. In Gold.

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