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Ey, weissu, hat mein Onkel voll die fett krasse Döner-Bude, weissu?

Nein, keine Angst… im Falle von „Kebab Connection“ handelt es sich keineswegs um eine 08/15-Banalitäten-Comedy, die die gängigsten Stereotype im Stile von „Erkan & Stefan“ bedient; nein, Anno Saul ist mit dieser Mischung aus Coming-of-Age- und Culture-Clash-Comedy eine überaus intelligente, spritzige Komödie gelungen, die zu jedem Zeitpunkt Spaß macht, und das obwohl die Story eigentlich nichts haarsträubend Neues bietet:

Der Türke Ibo (Denis Moschitto) träumt schon lange davon, den ersten deutschen Kung-Fu-Film zu drehen. Doch bis es soweit ist, muss er sich damit begnügen, Kino-Werbespots für die Dönerbude seines Onkels, den „King of Kebab“, zu drehen. Mitten in seine durch die gelungenen Spots steigende Popularität platzt die Aussage seiner Freundin Titzi (Nora Tschirner), sie sei schwanger. Und schon gibt es den ersten handfesten Streit: während sie nicht daran denkt, ihre Schauspielausbildung aufzugeben, weigert er sich, sich mit dem Gedanken an volle Windeln und den Kinderwagen anzufreunden. Doch um Titzis Herz wieder zurück zu erobern, muss Ibo nun alles daran setzen, seine Fähigkeiten in der Vaterrolle unter Beweis zu stellen…

Auch wenn dieser neuerliche Abklatsch des Coming-of-Age-Themas auf den ersten Blick nicht gerade ein wohliges Kribbeln der Vorfreude erzeugen kann: ich muss anerkennen, dass es Regisseur Anno Saul gelungen ist, dieses Rahmengerüst so toll auszufüllen und das Gesamte so herrlich zu inszenieren, dass man über die gesamte Spielzeit des Filmes vergisst, dass man das alles schon einmal so oder so ähnlich gesehen hat: Weder die Geschichte des jungen Mannes, der zur Wiedereroberung seiner Geliebten so manche physische und psychische Hürde überwinden muss noch das Aufeinanderprallen von verschiedenen Kulturen wirkt innovativ. Und dennoch ist es erfrischend amüsant, Sauls Umsetzung dieser Mixtur zuzusehen. Türken, Griechen und Deutsche prallen hier ein ums andere Mal aufeinander, das alles in so minimal überspitzter Form, dass es urkomisch und dennoch bodenständig und real wirkt. Zudem sei hier die wundervolle Inszenierung von Ibos Werbespots hervorzuheben, augenzwinkernde, optisch ansprechende Hommagen, die Filmen wie „Hero“ oder auch dem klassischen Film Noir gelten. Der vermeintliche Urheber dieser Werbespots, Ibo, wird von Denis Moschitto exakt so gespielt, wie es für eine solche Komödie nur zuträglich sein kann: mit gekonntem Witz, einigen netten Slapstick-Einlagen und dabei immer so überaus sympathisch, dass man ihm selbst den größten Fehler noch jederzeit verzeihen kann… und Fehler begeht Ibo in diesem Film zur Genüge…

Mit Scharf???

Ja, bitte! Für die richtig dosierte Schärfe sorgt schließlich Nora Tschirner, die hier unter Beweis stellen kann, dass sie im Schauspielfach durchaus berechtigte Ambitionen hat. Die Schärfe bereitet sie dabei nicht nur durch ihr optisches Erscheinungsbild, sondern auch durch herrliche Spitzen, die sie entweder mittels eindringlicher Blicke oder durch ihr (sympathisch) loses Mundwerk auf ihren gebeutelten Ibo loslässt. Für seine Hauptrollen hat Anno Saul in Nora Tschirner und Denis Moschitto auf jeden Fall die Idealbesetzung gefunden, die durch durchweg gute Nebendarsteller perfekt ergänzt wird.

„Kebab Connection“ ist also nicht nur für Freunde des Döner-Verzehrs zu empfehlen, sondern eigentlich jedem, der temporeiche, intelligente Komödien mag. 8/10

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