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Rendezvous mit Satan Schweiger
Der Große Bagarozy


Herrjehmineh, höre ich meinen Donnerstagnacht-Bekannten Christian Rahbari aufstöhnen. Der Til Schweiger. Und auch noch als der Leibhaftige persönlich. Natürlich nimmt ihm das niemand ab. Am Allerwenigsten die Psychoklempnerin Cora Dulz (Corinna Harfouch), in deren Praxis der junge Mann eines Tages sitzt, um ihr von seinen Begegnungen mit der Operndiva Maria Callas zu berichten. Im Park, bei Nacht. Sie im wallenden, weißen Kleid. Eine engelsgleiche Erscheinung, die mit jedem Schritt, den er auf sie zu tut, immer mehr verblaßt und sich schließlich in grausames Nichts auflöst. Wen wunderts? Ist die Callas doch schon mehr als zwei Jahrzehnte unter der Erde - weil nämlich tot, kapierschte?! Der Til hingegen, der in der Praxis von Frau Dulz als ein gewisser Stanislaus Nagy vorstellig wird, klammert sich an seine idealisierten Visionen der toten Sängerin, hat ein obsessives Band zu der Verschiedenen geknüpft und will sie einfach nicht sterben lassen. Ganz klar meschugge, attestiert die von ihrem Lieben und Leben recht angeödete Psychiaterin. Doch je mehr Sitzungen sie sich ihrem vermeintlichen Patienten widmet, je mehr Zeit sie ihm sogar von ihrer Freizeit opfert, desto mehr webt er sie in seine Geschichte, ergreift Besitz von ihr, ihren Gedanken, ihren Wünschen. Und überrascht sie immer wieder mit Details aus ihrem Leben, an die sie sich selbst nur vage erinnert. Wer ist dieser Mann wirklich? Welches Spiel treibt er mit ihr? Eines nur wird ihr allmählich klar. Wenigstens genau so wie er von der Callas besessen scheint, hat er auch eine Obsession für die Psychiaterin entwickelt. Eine Erkenntnis, die sofort eine neue Frage diktiert. Ist der Typ gefährlich?
Wenige Sitzungen, einige obskure Zufälle später, klärt er diese Frage auf: Ich bin der Teufel.
Nicht länger in der Lage, die dunkle Bedrohung, die von diesem Stanislaus Nagy ausgeht, weiter zu ignorieren, geht sie auf Distanz. Kann sie ihre Ehe mit Robert (Thomas Heinze) vielleicht doch noch retten. In den letzten Wochen hat sie es stärker den je angezweifelt. Seit sie Nagy kennt. Auch Robert hat nach seinem Herzinfarkt eine neue Obsession gefunden. Nur ist das nicht seine Ehefrau, sondern das Sammeln obskurer Todesmeldungen. Wieviel interessanter ist da doch dieser Beautiful Stranger: Sie hat die Warnungen gehört, doch entziehen kann sie sich ihm nicht. Und wenn er wirklich der Teufel ist, dann sind alle weiteren Versuche ohnehin hoffnungslos. Im Verführen hat er Erfahrung seit Menschengedenken.
Bernd Eichinger, der als Produzent und Drehbuchautor für einige der erfolgreichsten deutschen Streifen der letzten Jahre verantwortlich zeichnet ( Der Bewegte Mann, Der Campus, Das Superweib) und als einer der wenigen auf internationalem Parkett erfolgreichen Produzenten auch seine Hände an „Der Name der Rose“, „Das Geisterhaus“ , „Salz auf unserer Haut“ und anderen mit Kritikerlob und Publikumszuspruch bedachten Filmen hatte, bringt nun mit „Der große Bagarozy“ seinen ersten selbstinszenierten Streifen in die Kinos. Der geht über weite Strecken als okay durch, verstrickt sich einige Male jedoch so tief in der Kischeehölle, daß man das Dunkel des Kinos mit einem lauten Schmerzensschrei zerreißen möchte. Wieviel dabei auf Kosten der Romanvorlage von Helmut Kraussner geht und wieviel die um ein Drittel ausgebaute Story der Drehbuchversion von Eichinger selbst reingedrückt hat, läßt sich in Unkenntnis des Kraussnerbuches freilich schwer beurteilen, doch Altbekanntes wird im Film ohne Unterlaß zitiert: sei es „Faust“ natürlich, sei es „Maria und der Zauberer“ oder gar „The Devil’s Advocate“. Seuffz. Ein Al Pacino für tausend Schweigers. Corinna Harfouch beweist sich erneut als eine der flexibelsten Schauspielerin dieses Landes, auch wenn sie eindeutig Besseres verdient hat, als diese Klischeerolle einer sich zum mordwilligen Vamp wandelnden grauen Psychiatermaus. Und Til Schweiger als Teufel - wie gesagt - DER Teufel, sinngekriselt, prffzzz... Ich krieg mich immer noch nicht ein.

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