Mit "Somewhere Over The Rainbow" aus der Spieldose und Maria Callas Elogien beginnt ein Stück Deutscher Film, der im Ansatz gute Ideen hat, diese aber leider nicht umsetzen kann.
Ein reichlich seltsamer Zeitgenosse hat da seinen Weg zu Cora gefunden, einer attraktiven Psychotherapeutin, die selbst zwar die starke Frau spielt, aber eigentlich doch unsicher ist - sowohl in ihrer Beziehung zu Nodz wie auch zu ihrem Mann. Ihre "Spaghetti-Fress-Szene" mit der Frage "willst Du nachher Sex mit mir haben?" ist schon ein erstes Highlight, ebenso zahlreiche Filmsequenzen, die stark komödiantischen Charakter vorgaukeln. Zunächst baut der Film solide die Beziehungsebenen von Cora zu Stanislaus auf, zeigt das ernüchternde Eheleben der Psychotherapeutin und öffnet ihr die Möglichkeit mit ihrem Patienten dem zu entfliehen.
Hier stellt sich schnell die Frage nach dem eigentlichen Patienten, ist es wirklich Nodz oder ist es die Therapeutin selbst, die sich in dieser Rolle durchaus zu gefallen scheint. Gerade als alles sich zu stabilisieren scheint, zerbricht die mühsam aufgebaute Scheinwelt: Nodz ist kein Detektiv sondern der leibhaftige Teufel. Und rasant beginnt der Film an Fahrt zu gewinnen, Spannung baut sich auf, durchaus interessant und unterhaltsam, wie "der Teufel" den Krieg, Callas und seine eigene "Sinnkrise" darstellt.
Harfouch überzeugt als blondes Gift, Heinze einmal mehr mit der spießigen Ehegattennullnummer und Schweiger darf ganz in gewohnter Machomanier Muskeln und Ego präsentieren. In Nebenrollen glänzen Christoph Wackernagel als väterlicher Freund des gehörnten Ehegatten und Detlev Buck als Vermittler zwischen zwei Welten. Achja, nicht zu vergessen der Charme Christine Neubauers, der sich durchaus apart in ausladend und reichlich gefülltem Dekollete entladen darf.
Ein von Maria Callas besessener Teufel mit Hang zu Depressionen, Midlife-Crise und dem Wunsch dem allem zu entfliehen durch Menschwerdung - das ist durchaus neu und lässt reichlich Spielraum für interessante Handlungsstränge, Dialoge und Ereignisse zu. Leider setzt der Film die gute Grundidee nur rudimentär um, Eichinger verpasst die Chance gründlich eine außergewöhnliche Produktion hinzulegen. Für Genrefreunde des deutschen Filmes ist der Streifen natürlich passabel anzusehen, einige durchaus unterhaltsame Einlagen erheitern das Gemüt (legendär: Heinzes Fressszene bei gleichzeitigem Monolog über Kannibalismus und anschließend herzhaftem Rülpser). Dem unbedarften Rezipient vermag "der große Bagarozy" leider kein mitreißendes Interesse zu vermitteln, einige Schwächen und Längen bleiben nervenzehrend in Erinnerung.
Richtig enttäuschend und des Themas unwürdig allerdings dann das Ende des Films, mit dem die letzte Hoffnung auf eine gelungene Geschichte begraben wird. Aus dem Thema hätte man viel mehr machen können und einen Film erschaffen, über den man lange und gerne diskutiert - doch die Frage nach dem "wie war es denn nun wirklich?" stellt sich so nun leider nicht mehr, ein offenes Ende hätte dem Film gut getan, anstelle einer miserablen Actioneinlage Harfouchs, die unpassend und deplaziert wirkt und den Geist des Films zerstört. Da hilft auch das Wiedersehen mit dem großen Unbekannten nicht weiter, hier wurde der Phantasie der notwendige Raum genommen - schade.
(5/10)