Beim Mobben ist jeder der Erste
Wenn "River's End" auf "Deliverance" und "Stand By Me" trifft, dann kommt dabei im besten Fall so etwas wie "Mean Creak" heraus. Mittlerweile feiert das Indie-Drama mit Kevins kleinem Bruder fast sein 15-Jähriges und noch immer kennt ihn kaum eine Sau. Wie traurig! Das packende Drama handelt von einer Clique Jugendlicher, die einen dicken, seltsamen und oft aggressiven Mitschüler auf einen Bootsausflug einladen, weil sie sich mit einem bösen Streich an ihm rächen wollen. Doch als die Sache schief läuft, wird die bunt gemischte Truppe zu erwachsenen Entscheidungen gedrängt, die ihr Leben für immer verändern könnten... Da bekommt ihr kurz zuvor gespieltes "Wahrheit oder Pflicht" eine ganz neue Bedeutung!
"Mean Creek" hat mit Beginn des Vorspanns eine fast zum Schneiden dicke Atmosphäre. Nebelig, melancholisch, trügerisch. Der düstere Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein. Das junge Ensemble spielt nicht nur durch die Bank stark, ihre Figuren wirken vor allem wie echte Kinder bzw. Jugendliche, ohne jegliche Schwarz-Weiß-Malerei oder Klischees. Der realistische Thriller überlässt uns das Denken, Entscheiden und bombardiert einen niemals mit predigenden, vorgepflasterten Wegen. Sicher etwas berechenbar und nicht neu - oft werden Erinnerungen an Coppolas "The Outsiders" wach - jedoch überraschend kraftvoll und ehrlich und reif. Wie erbarmungslos hier das Thema Schuld und Verantwortung an die Kinder herantritt, spürt man ganz selten in einem Film. Herausragend sind unter vielen starken Kinderdarstellern nochmal Rory Culkin und Josh Peck. Letzterer spielt den zutiefst gestörten, verletzten und abgehängten dicken Jungen, der "Opfer" und "Täter" gleichermaßen ist. Ein hörenswerter Früh-2000er-OST rundet die wirkungsvolle Bootsfahrt ab.
Fazit: "Stand By Me"'s düsterer Cousin ist eine tiefschürfende und sträflich unbekannte Coming-Of-Age-Charakterstudie über Schuld, Rache & Verantwortung, die in ihrer Stille und Genauigkeit noch lange nachwirkt. Unbedingter Geheimtipp!