In knapp 4 Minuten befasst sich "Reds Traum" mit der Gedankenwelt eines Einrades. Ähnlich wie im direkten Vorgänger "Die kleine Lampe" erweckt Pixar ein nichtorganisches Objekt zum Leben und verleiht ihm menschliche Züge. Die Charakterisierung wirkt stimmig. Durch einen Prolog und weniger sympathische Figuren als im direkten Vorgängerkurzfilm wirkt dieser hier allerdings langwierig.
Die verregneten Stadtaufnahmen zu Beginn verleihen dem Kurzfilm eine melancholische Stimmung, die sich durchgehend wiederfindet. Zu schwermütigen Jazz-Klängen wandert die Kamera in ein Fahrradgeschäft, wo in einer Ecke der preislich reduzierte Protagonist steht. Die Gedanken werden sichtbar. Das Einrad träumt von einem Leben im Zirkus, wo es von einem Clown zunächst befahren wird, dann aber selbstständig zu jonglieren beginnt. Eine einfache Handlung, die zu einem bittersüßen Ende führt.
Von den Regen- und Wassereffekten abgesehen ist die reale Welt leblos animiert. In der Traumwelt des Protagonisten entfallen dann auch noch sämtliche Hintergründe. Dem Clown mangelt es ebenso an einer lebendigen Animation. Steif und blass suggeriert er seine künstliche Herkunft. Wunderbar dagegen sind die Bewegungen des Einrades, die dessen Stimmung sofort sichtbar machen.
Für die Verhältnisse von 1987 sicherlich wegweisend, aus heutiger Sicht allerdings veraltet, hat "Reds Traum" eher nostalgischen Charme. Durch den fehlenden Witz und dem eingeschränkten Handlungsraum obliegt es einzig der Moral, dem schwermütigen Kurzfilm eine Daseinsberechtigung zu verleihen.
3 / 10