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Das Hyborische Zeitalter. Es sind archaische Zeiten, in denen Conan aufwächst. Er muss mitansehen, wie der Sektenführer Thulsa Doom seine Eltern sowie sein Dorf niederstrecken und führt ein Leben in Gefangenschaft. Unter harter Arbeit stählt er seinen Körper, wächst zu einem Krieger heran und verfolgt sein Ziel – Rache an dem, der ihm damals alles genommen hat.

Inszeniert von John Milius, der zusammen mit Oliver Stone das Drehbuch nach Motiven aus den Werken von Robert E. Howard verfasste, ist dieses Fantasyabenteuer ein kleines Juwel aus dem Subgenre des Barbarenfilms. Und dabei nicht so tumb wie man ob des Sujets annehmen könnte. Zumindest mag man zu dieser Erkenntnis gelangen, wenn man diesem Szenario etwas abgewinnen kann. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, wenn man das Ganze albern und uninteressant findet. Mich kriegt es aber immer wieder, die Gründe dafür sind mannigfaltig.

Die Geschichte ist zwar wenig anspruchsvoll, doch wird sie eben so gekonnt wie möglich aufgebaut und erzählt. So beginnt Milius mit einer Episode in Conans Kindheit und setzt hier gleich mal den stilistischen Ton. „Conan“ sieht trotz seines Trashfaktors auf dem Papier hochwertig aus, wenn er es braucht und ebenso roh, wenn es eben angebracht ist. Präsentiert in feinstem Cinemascope bekommt er direkt eine gewissen Größe spendiert, wie hier eben alles eine Nummer größer ist mit seinem wagnerianischen Pathos und gleichartiger Dramatik.
Conan verliert seine Eltern, wächst heran und begibt sich auf die Reise. Auf dem Weg trifft der wortkarge Hüne Gefährten in Form der Diebe Subotai und Valeria, das Trio schlägt sich weiter durch das Abenteuer. Hier mischt Milius in kleinen Mengen Buddymovie, Roadmovie und Romanze mit ein. Letztere überdauert einiges an Spielzeit, wirkt aber nie zu kitschig und stört das testoronisierte Szenario nicht.
Dieses führt durch allerlei Landschaften, durch alte Städte und manche tempelartige Anlage. Dabei geht es auch immer wieder um Mythologie, das Einbringen dieser ist dann noch einmal das Salz in der Suppe. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Gelingen hat auch die Ausstattung. Alles wirkt greifbar und wertig, das Design der Stätten, insbesondere der Interieurs, ist ansprechend und fügt sich passend in diese Welt ein. Diese ist auch staubig und blutig, durchzogen von Feuer und auch etwas Magie. Die Effekte sind dabei ebenso gelungen, da fließt auch mal der rote Saft, riesige Schlangenkreaturen greifen an und ein paar visuelle Spielereien gibt es obendrauf.

Darstellerisch steht natürlich Arnold Schwarzenegger im Mittelpunkt. Wie die meisten Figuren ist er eher wortkarg und definiert sich oft über die Physis, die er zweifelsohne einbringt. Sein Spiel ist noch etwas unbeholfen, für diese Rolle reicht das aber allemal und sein Charisma ist die halbe Miete. Man nimmt ihm die Figur ab und er spielt sie auch nicht ohne eine gewisse Gewitztheit. Sandahl Bergman als Valeria und Gerry Lopez als Subotai sind gute Sidekicks, wobei der Nebenplot zwischen Conan und Valeria angenehm integriert ist. Hinzu kommt, dass sie eine starke Figur ist, selbstbestimmt und wehrhaft. Sogar ein Max von Sydow hat eine Szene als König Osric, den stärksten Part neben Arnie hat aber James Earl Jones.
Als Antagonist Thulsa Doom versprüht er (trotz seiner bescheuerten Frisur) ein Charisma, durch das man schneiden kann. Seine Ausstrahlung, sein Auftreten, seine Stimme. Jones bereichert den Film und hebt ihn mit jeder Szene aus dem ihm innewohnenden Pulp heraus.

Was „Conan the Barbarian“ aber eben zu so einem Erlebnis macht und über seine bis jetzt schon guten Eigenschaften hinauswachsen lässt, sind zwei Dinge.
Zum einen ist es die Kameraarbeit von Duke Callaghan. Sein Auge für Bildausschnitte, das Einbringen von wunderschönen Panoramen (gedreht wurde in Spanien) und die angenehm ruhige Art machen den Film zu einem Fest für die Augen. Alles wirkt hochwertig, visuell ist das hier einfach gelungen.
Zum anderen, und für mich eigentlich das Highlight des Streifens, ist die Arbeit von Basil Poledouris. Sein Score ist von der ersten bis zur letzten Note ein Meisterwerk. Die archaische Instrumentalisierung beherrscht er ebenso wie emotionale Melodiebögen und den Wechsel dazwischen. Seine Musik ist ob der oft fehlenden Dialoge allgegenwärtig, ein Teil der Erzählung und immer ein Genuss. Sie geht nicht mehr aus dem Kopf und lädt zum wiederholten Hören ein. Für mich einer der ganz großen Soundtracks, genreübergreifend, der zur dichten Atmosphäre des Werks einen unschätzbaren Beitrag leistet.

John Milius' „Conan“ ist ein großartig-archaisches Fantasyabenteuer. Mit Schwarzenegger und Jones passend besetzt bietet er viele gelungene Bilder und eine einfache, aber ansprechend gestaltete Geschichte. Und über allem schwebt die meisterhafte Musik von Basil Poledouris. Darstellerisch und überhaupt ist das hier Pulp verpackt in Hochglanz. Und genau so macht das auch richtig Spaß und besticht  mit seiner Atmosphäre, der Ausstattung und der Rohheit. Barbarenherz, was willst du mehr? Schade nur, dass man wohl nie die am Ende angedeutete Geschichte eines gealterten Conan mit Arnie sehen wird.
„Conan the Barbarian“ ist immer noch der Klassenprimus in seinem Subgenre, ein stimmiges Gesamtwerk, ein Klassiker.

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