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ACHTUNG ! SPOILER !

YANKEE PASHA ist Hollywood-Technicolor-Kitsch allererster Kajüte!
Die Handlung des Films basiert auf dem Romanbestseller „Yankee Pasha - The Adventures of Jason Starbuck" des Autors Edison Marshall, der erstmals 1947 publiziert wurde.

Der Film erzählt mal wieder die alte Geschichte, die Hollywood bis zum erbrechen variierte: Junge findet Mädchen, junge verliert Mädchen, junge findet Mädchen wieder. Die Story dreht sich um den Trapper Jason Starbuck (Jeff Chandler), der im Jahre 1800 als Pelzhändler in der Wildnis von Massachusetts unterwegs ist und sich unversehens in die schöne und temperamentvolle Roxana Reil (Rhonda Flemimg) verliebt und sie sich in ihn. Roxana ist aber bereits mit dem wohlhabenden Dick Bailey (Harry Lauter) verlobt und so scheint es für die Verliebten keine Zukunft zu geben. Als Roxanas Vater (Forbes Murray) aber erkennt, dass seine Tochter einen anderen liebt, gibt er ihr die Erlaubnis, die Verlobung zu lösen. Ohne dies zu wissen, kehrt Jason zu seinem einsamen Leben in die Wildnis zurück. Roxanas fürsorglicher Vater tritt mit seiner enttäuschten Tochter unterdessen eine Reise nach Marseille an. Doch das Schiff, mit dem sie unterwegs sind, wird von Piraten überfallen. Roxanans Vater wird getötet und Roxana selbst nach Marokko verschleppt und als Sklavin an Omar Id-Din (Bart Roberts), einem Feind des herrschenden Sultans, verkauft. Als Jason davon erfährt, macht er sich sofort auf den Weg nach Marokko, erwirbt das Vertrauen des Sultans (Lee J. Cobb) und nach schier endlosem Hin und Her gelingt es Ihm schließlich, Id-Din im Zweikampf zu töten und Roxana aus dessen Harem zu befreien.

Die Rolle des Jason Starbuck spielt Jeff Chandler, ein veritabler und in den 50er Jahren bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1961 sehr beliebter Darsteller von Heldenfiguren in Western- und Abenteuerfilmen, die er bevorzugt für die Universal-Studios drehte. Hier mimt er einen aufrechten Trapper wie aus dem Bilderbuch, mit Fransenanzug, Fellmütze und einwandfreiem Leumund. Sein Love-Interest wird von der, im Oktober 2020 im biblischem Alter von 97 Jahren verstorbenen, rothaarigen Schönheit Rhonda Fleming, der „Queen of Technicolor" verkörpert (im wahrsten Sinne des Wortes). Regisseur Pevney setzt Flemings physische Vorzüge durchaus bewusst und gezielt als Attraktion ein, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers wach zu halten. In dem über jeden Verdacht der Schlüpfrigkeit erhabenen YANKEE PASHA zeigt Fleming in einigen Szenen, was sie zu bieten hat und sticht dabei unter den sie umgebenden Schönheitsköniginnen aus aller Welt deutlich hervor. Kay Weniger charakterisiert Fleming als „attraktive, jedoch eher begrenzt talentierte Schauspielerin, [einen] Star durchschnittlicher Unterhaltungs-Produktionen der 50er Jahre." * Neben den Stars Chandler und Fleming hat der Film aber noch weitere interessante Darsteller zu bieten. Bereits an dritter Stelle in den Credits taucht das spätere B-Film-Sternchen Mamie van Doren in einer ihrer ersten Rollen auf, im Film selbst allerdings erst nach 40 Minuten. Als Harems-Mädchen Lilith hat sie zwar nur einen kleinen, aber für den Fortgang der Handlung durchaus wichtigen Part. Noch zeigt „shapely Mamie" aber nichts von ihrem in späteren Filmen entwickelten Typus als „blonde bombshell". Sie bleibt als von Chandler verschmähtes Harems-Mädchen ziemlich unscheinbar und verzichtet weitgehend auf den Einsatz ihrer Reize. Der Rest des Harems ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern, tummeln sich hier doch, wie bereits angesprochen, diverse Schönheitsköniginnen aus aller Welt. Da hat man sich bei Universal nicht Lumpen lassen. Neben Christiane Martell (Miss Universe) sind zu sehen: Myrna Hansen (Miss United States), Kinuko Ito (Miss Japan), Emita Arosemena (Miss Panama), Synove Gulbrandsen (Miss Norway), Alicia Ibanetz (Miss Uruguay), Ingrid Mills (Miss South Africa) und Maxine Morgan (Miss Australia). Außerdem finden sich im Harem auch noch die B-Film-Queens Mara Corday (in einer kleinen Sprechrolle) und Marla English.

In einer größeren Rolle als orientalischer Märchenprinz wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann, ist zudem der B-Film erprobte Rex Reason dabei, der sich hier allerdings wohlweislich hinter dem Pseudonym „Bart Roberts" verschanzt. Roberts legt seine Rolle trotz seiner glamourösen Kostümierung eher zurückhaltend, um nicht zu sagen: gelangweilt, an und macht dabei die ganze Zeit ein grimmiges Gesicht. Unter den weiteren männlichen Darstellern bleibt auch Lee J. Cobb in der Rolle des „Sultan" unter seinen Möglichkeiten. Cobb erlebte nach seiner Karriere in Hollywood (On the Waterfront) in den 70er Jahren einen zweiten Frühling im italienischen Polizei- und Gangsterfilm.
Schließlich hat auch noch der unverwüstliche Mel „Mr.Mushnik" Wells einen ganz kurzen Auftritt als „Servant".

Der Regisseur des Films, Joseph Pevney (1911 - 2008), begann seine Karriere als Schauspieler und drehte seit Anfang der 50er Jahre „with certain flair many simpleminded Universal action and adventure pictures along with some more ambitious productions."**  1957 inszenierte er u.a. „Man of a Thousand Faces", die Lebensgeschichte von Lon Chaney, mit James Cagney in der Titelrolle. Seit den 60er Jahren arbeitete er vorwiegend für das Fernsehen.

Mit einem Film wie YANKEE PASHA machte Hollywood seinem Ruf als „Traumfabrik" wirklich alle Ehre. Das ist Big-Budget-Trash reinsten Wassers und eigentlich nicht zu ertragen. Allein die Besetzung und die Absurdität des ganzen Werkes entschädigen ein wenig für das Durchhaltevermögen.

Uraufgeführt wurde der Film in den USA im März 1954.
In Deutschland wurde der Film erstmals am 03.12.1954 unter dem Titel „In den Kerkern von Marokko" im Kino aufgeführt und ist im April 2020 unter diesem Titel auch bei „Pidax" als DVD erschienen.

* Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001
** E. Katz: The Macmillan International Film Encyclopedia, Macmillan, London 1998

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