Als 1986 die Actionpropaganda Delta Force erst auf der Leinwand und später mit aller Kraft und Herrschaft in den Videotheken zur Zweit- und Massenverwertung erschien, zog der Film nicht nur ein direktes Sequel und einen offiziellen Dritten Teil, sondern auch Namens- und Gesinnungsvetter und andere Vertreter der schlagenden Zunft vielfach nach sich. Mit am offenkundigsten, aber vom Bekanntheitsgrad gering und unbeachtet verschollen ist dabei der auch unter dem Alternativtitel Colt: Flight 802 erschienene Hostage, der die gleiche Geschichte wie beim Chuck Norris im Grunde einfach noch einmal wieder und nicht etwa neu oder anders erzählt:
Als der schwer niereninsuffiziente Sohn von Nicole Newman { Nancy Locke ] zur Therapie von Nairobi aus nach New York geflogen werden soll, geraten sie während der Überreise in die Geiselnahme einer radikalen PLO – Splittergruppe, die „Heilige Freiheitspartei Allahs“ genannt und geleitet von Hussein [ Marcel van Heerden ] und Raoul [ At Botha ] die Freilassung eines ihrer inhaftierten Rädelsführer erpressen wollen. Dabei haben die Halunken in Turban auch beste Chancen, dies Ziel zu erreichen, befinden sie sich sowohl im geographischen Niemandsland als auch politischen, da sich die USA selber komplett aus dem Debakel heraushalten will. Und besitzen sie mit dem Friedensstifter Zenrin Kushu [ Limpie Basson ] samt mehreren Nonnen im Gefolge, und Nicole selber als Tochter des einflussreichen Politikers Colonel Tim Shaw [ Kevin McCarthy ] gleich mehrere Trümpfe in der Hand. Blöd ist nur, dass Nicoles Gspusi Major Sam Striker [ Wings Hauser ] nicht so begeistert von der Gefangennahme seiner Familie ist.
Die Idee und die Herkunft dessen ist dabei klar und deutlich und wird auch nicht etwa verschleiert oder 'mit einem Handtuch um den Kopf' als Tarnung, sondern als schlichtes rip-off, mit vielen Peinlichkeiten und etwas Köstlichkeiten, derer aber zu wenig dargereicht. Die beiden anwesenden Regisseure Hanro Möhr, ein ehemaliger Kameramann, der hiermit seinen Debüt erstellt, und der etwas erfahrene Percival Rubens, den man vielleicht noch am Ehesten durch tolle Titel wie Killer-Kommandos greifen an, 1994 – Nur die Starken überleben oder Die Mördergrube kennen will, aber nicht wirklich kennt, haben weder das Talent und auch nicht die sichere Finanzierung wie beim wesentlich größeren, wesentlich mehr die Massen unter den Zuschauern ansprechenden Produkt. Kein Einfluss, kein Nutzen und kein Schaden in Sicht, trotz einiger politischer Unkorrektheiten, die heutzutage nicht mehr wirklich gefragt bzw. auch gar nicht erlaubt und im Nachhinein fast so etwas wie das Scham- oder auch das 'Gütesiegel', je nach Betrachtung der speziellen Zeit der späten Achtziger sind.
So hätte man hier gerne jedem Araber von vornherein das Fliegen an sich verboten, was dann leider doch (noch) nicht geht, werden allerlei rassistische Aussagen oder auch die dümmsten Klischee voll Ressentiments gestreut und geschürt. Die blanke Hetze gegen die Terroristen ist also vorhanden, die allerdings auch wirklich die Schmierlappen schlechthin und die Übergreifer von eigentlich nur alten Herren, wehrlosen Frauen und – noch schlimmer – kranken Kindern oder vielbeschworenen Pazifisten sind. Keine wirklichen Gegner, die sich die Gotteskrieger hier suchen und denen sie im Ernstfall, beim Eintreffen der Stimmungsbombe Striker nämlich, auch gar nicht gewachsen und kein Deut ebenbürtig sind.
Bis die Ein-Mann-Armee namens Striker eintrifft, und den Halunken mit Filmblut bestückt den Garaus macht und nebenher, wenn schon dabei, auch gleich ein paar Geiseln im Massaker als Kollateralschaden über den Jordan schickt, vergeht allerdings etwas und wertvolle (Vorlauf)Zeit. Knallen und Rumsen im Sinne von größeren Aktionsszenen ist bis dato nicht aufzufinden; dafür reicht das Budget der beiden No Names hinter der Kamera und der Bekanntheitsgrad und Marktwert des Halbstars des Todesschwadron im Scheinwerferlicht, des glorreichen Wings Hauser doch nicht. So wird sich erst etwas die Füße im Lande vertreten, die Personen vorgestellt, die Flora und Fauna der Wildnis ruft hier präsentiert und die weiße Vorherrschaft im Bonga-Bonga-Land inszeniert. Der Führer der Truppe, in politischer Hinsicht jedenfalls, ist mit Kevin McCarthy als zitternder, vor Wut bebender und mit strammen Seitenscheitel ausstaffierter Kevin McCarthy optisch korrekt gespielt; der Rest der Einheit und seiner Stimme und den Befehlen treu besteht aus einer besseren Söldnermannschaft – inklusive den "Soldier of Fortune" - Gründer und National Rifle Association Director Robert K. Brown sowie dem Zuträger John Donovan, die hier wie als Maskottchen tatsächlich sich selber und ihren Pro-Militarismus auf der Leinwand spielen – die schon in Vietnam zugegen waren und denen dort schon von der Obrigkeit daheim in Amerika, den Bürokraten also übel mitgespielt wurde und denen man am besten mit der Sprache der Waffen Kontra gibt.
McCarthy ist der eine Star neben Hauser, Karen Black, die hier ganz furchtbar, quasi wie selber aus der Wiege des Schreckens entflohen aussieht, ist die andere Person, mit dessen Ruf und Namen man wuchert; was angesichts der Dramaturgie von Drehbuch und Regie und im Grunde auch ihrer schauspielerischen Einfältigkeit leider ganz schlimm danebengeht. Sowieso ist das Drama in der engen Flugzeugkabine, dem bald wie zu geschweißten und von Ausdünstungen und (Platz)Angst und Qualm stinkenden Sarg, ein ganz entnervendes Desaster aus Gefühl und Sentimentalität, dass in dieser Hinsicht das große und auch nicht zahme Vorbild von Menahem Golan in seiner Unangenehmheit wenigstens dabei übertrifft.