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Die kickende Planierraupe - Chuck spielt den Norris


Der Kassenerfolg des müden Polit-Thrillers GOOD GUYS WEAR BLACK hatte anno 1978 eines deutlich gezeigt: Kampfsport-Ass Chuck Norris konnte seine Fans nicht nur in die Wettkampfarenen, sondern auch in die Lichtspielhäuser des Landes locken. Vernichtenden und bisweilen hämischen Kritiken zum Trotz, entwickelte sich der Action-Krimi zu einem äußerst profitablen Sleeperhit, der das zwanzigfache seines allerdings geringen Budgets einspielte. Das produzierende Independent-Studio American Cinema drängte nach den ersten positiven Zahlen dann auch schnell auf die Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit.

Norris, der in aller Bescheidenheit anstrebte Amerikas nächster Actionstar zu werden, ließ sich nicht lange bitten. Wie schon beim Vorgänger durfte er bei der Stoffauswahl ein gehöriges Wörtchen mitreden und hatte bereits erkennbar aus seinen Fehlern gelernt. Als verliebter und ermittelnder Akademiker (immerhin mit Spezialkommando-Vergangenheit) war er nicht gerade in seinem Element gewesen, also kam er im Verbund mit Karate-Kumpel Pat Johnson auf die deutlich sinnigere Idee sich einfach selbst zu spielen. Soll heißen, Chuck mimte einen Karatelehrer, der eher zufällig in die Kriminalgeschichte verwickelt wird.
Ein cleverer Schachzug, so simpel wie effektiv. Gerade für Darsteller mit begrenzten mimischen Fähigkeiten war es von jeher von großem Vorteil gewesen, ihre Leinwandfiguren möglichst nahe am eigenen Vorbild zu entwicklen. Das hat nicht nur bei Chucks Kollegen und Epigonen wie Steven Seagal, Jean Claude VanDamme oder Michael Dudikoff blendend funktioniert, sondern auch weitaus größeren Stars wie John Wayne oder Clint Eastwood zu ihrem Filmruhm verholfen.

Abgesehen davon ist der Plot von A FORCE OF ONE ähnlich simpel dem des Vorgängerfilms und weist dazu auch handlungstechnisch frappierende Parallelen auf. Wieder stolpert Chuck in eine mysteriöse Mordserie, bei der eine Spezialeinheit (deren Mitglieder undercover in der örtlichen Rauschgiftszene ermitteln) sukzessive dezimiert wird. Erneut scheint der Feind in den eigenen Reihen zu lauern und letztlich nur durch Chuck besiegbar. Allerdings ist er diesmal weder unmittelbar betroffen, noch die treibende Ermittlerkraft. Er wird vielmehr vom betroffenen Polizeirevier angefordert, um die verbliebenen Rauschgiftfahnder in Karate zu unterrichten. Denn eines zumindest hat man heraus gefunden, der vermummte Killer tötet via asiatischer Kampftechniken.

An der Story-Front also nichts neues, obwohl der renommierte Autor Ernest Tidyman (u.a. SHAFT, FRENCH CONNECTION) die Entwürfe von Chucks Karatekumpel Pat Johnson noch einmal redigiert und der schließlich engagierte Regisseur Paul Aaron ebenfalls noch einmal ordentlich Hand angelegt hatte. Dennoch ist Chuck Norris unterschiedliches Rollenprofil die entscheidende Stellschraube in Richtung Qualitätssteigerung. Als Karatelehrer mit eigener Schule ist er ungleich glaubwürdiger weil authentischer. Dazu konnten seine Martial-Arts-Künste nicht nur häufiger, sondern auch homogener in die Filmhandlung integriert werden. Und schließlich erforderte der Part des Killers einen weiteren Kampfsportexperten, so dass die Norris-Fangemeinde mit der Aussicht auf einen knalligen Schlussfight zusätzlich gelockt wurde.
Bill „Superfoot“ Wallace mag für den gewöhnlichen Kinogänger ein unbeschriebenes Blatt gewesen sein, in der Kampfsportszene der späten 1970er Jahre war der mehrfache Weltmeister eine Legende. Norris selbst hatte seinen Freund für die Rolle des Handkantenmörders Sparks vorgeschlagen und damit mal wieder sein untrügliches Marketing-Gespür bewiesen. Dazu gehört auch der geniale Einfall die beiden am Ende einen Meisterschaftskampf im Ring austragen zu lassen.

Auf dem Papier sah das alles also sehr vielversprechend aus, leider konnte die praktische Umsetzung die Erwartungen nur teilweise erfüllen. Ob Regisseur Paul Aaron lediglich aufgrund der Martial-Arts-Begeisterung seines damaligen Stiefsohnes Keanu Reeves (er war für ein halbes Jahr mit dessen Mutter verheiratet gewesen) für das Projekt begeistert werden konnte ist spekulativ, seine völlige Unerfahrenheit mit Actioninszenierungen dagegen eine Tatsache. Die Rasanz und Wucht späterer Leinwandfights sucht man in A FORCE OF ONE jedenfalls vergeblich, alles wirkt angesichts des ausgewiesenen Fähigkeiten von Norris und Wallace zu behäbig und gestellt. Chucks jüngerer Bruder und Stuntdouble Aaron war als Kampfchoreograph ebenfalls noch in der Lernphase und sollte später deutlich hochwertigere Arbeit abliefern.

Auf Darstellerseite bekam Norris wieder gestandenes Personal (u.a. TV-Urgestein Clu Gallagher und Blaxploitation-Sternchen Ron O`Neal) an die Seite gestellt, angesichts der nicht sonderlich tierschürfend entwickelten Charaktere trägt das aber kaum zur Aufwertung des Films bei. Aus dem Cast kann lediglich Jennifer O`Neill als findige Polizisten Mandy Rust ein paar Akzente setzen, immerhin treibt sie die Lösung des Falles entscheidend voran. Insgesamt sollte dem nach wie vor unsicheren Norris so wohl wieder mimischer Halt gegeben werden, was auch ganz gut klappt, sieht man von einer Szene ab, in der er einen schlimmen persönlichen Verlust bewältigen muss. Hier nimmt er jedenfalls schon mal die Spezialität eines seiner Nachfolger vorweg, Steven Seagals Allzweck-Blick ins Leere.

DER BULLDOZER hat also auch seine Schwächen und wirkt vor allem aus heutiger Sicht wie ein typischer TV-Film der späten 70er Jahre. Im ganz speziellen Norris-Kanon sind die Fortschritte aber dennoch deutlich. Die den Star lähmende Geschwätzigkeit und Politisiererei weicht einem vergleichsweise straff erzählten Krimiplot. Der ist zwar weder sonderlich originell noch spektakulär, lässt aber auch kaum Langeweile aufkommen und vor allem Raum für den hoch gefahrenen Action-Anteil. Dieser wiederum ist viel mehr auf Chucks Kampfsport-Fähigkeiten zugeschnitten, was ihm erkennbar mehr Sicherheit gibt und damit souveräner wirken lässt. Das gilt auch ganz allgemein für den Filmcharakter Matt Logan, der explizit und augenscheinlich als Norris Alter Ego entworfen worden war. Was aber noch viel wichtiger war, erneut übertraf das Box Office die kühnsten Erwartungen (Über $20 Millionen bei einem $2,5 Millionen Budget) und untermauerte so Norris Anspruch auf eine erfolgreiche Filmkarriere. Wenig überraschend sicherte sich American Cinema dann auch seine Dienste für ein drittes gemeinsames Action-Vehikel mit dem kryptischen Titel THE OCTAGAON.

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