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Zu den vielen Kinorätseln in Deutschland zählt sicherlich die Entscheidung des Verleihs, nach einem Jahr des dauerhaften Terminverschiebens den Film „Ella Enchanted“ irgendwann still und heimlich auf DVD zu verramschen.
Natürlich, der Film galt in seinem Heimatland bei nur 22 Mio. USD Einspiel eher als Flop, aber wenn man bedenkt, welchen Erfolg die „ProSieben Märchenstunde“ oder ein Film wie „Ritter aus Leidenschaft“ hatten, ist man doch etwas verblüfft, daß man hier eventuell die Zielgruppe vermißte.

Die besteht nämlich hauptsächlich aus Teenagern und jungen Erwachsenen, die eine Fantasy- oder Märchenparodie im Wesentlichen zu goutieren wissen, allerdings gern von den Verleihen mit Billig-Titten-Komödien oder flachen Horrorprodukten abgespeist werden.
Dabei hat der Film durchaus seinen ganz eigenen Witz, streift im Vorbeigehen einige Klassiker der Märchengenres, zititert fröhlich moderne Zustände oder Produkte, bewahrt sich aber trotz allem seinen eigenen Charme.

Am ehesten ist es natürlich immer noch eine Cinderella-Story, das hübsche, aber scheinbar unscheinbare Töchterlein, daß mit der Gabe (dem Fluch?) beladen ist, Anweisungen unbedingten Gehorsam leisten zu müssen, was von den mißgünstigen Familienmitgliedern (Mutter, zwei Schwestern) natürlich fieserweise ausgenutzt wird, bis sie Freunde findet und sich ihren Prince Charming (Charmont, in diesem Fall) greift.

Bis dahin gibt es mancherlei Fantasyzitate, Slapstick (meistens aufgrund ihrer Gabe), ZAZ-Humor (besser angewandt als in Scary-Movie-Filmen) und gnadenloses Understatement-Overacting irgendwo zwischen der „Braut des Prinzen“ und Mel Brooks.
Aufgerüscht wurde das dann noch mit ein paar modernen Rocksongs, die man aber nicht wie bei „A Knights Tale“ über die mittelalterlichen Bilder gelegt hat, sondern sie auf fantasyhafte Weise von den damaligen Instrumenten neu intonieren lassen. „Walking on Sunshine“, „Somebody to Love“ (in einer Riesen-Karaoke-Bar gesungen) oder finale „Don’t go breaking my heart“ machen Spaß und sind eben nur so bedingt albern, wie es die Situation und der an sich charmante, nie grobschlächtige Humor zulassen.

Zwar sind die Tricks nicht immer absolut sattelfest (die Riesen-Szenen hat man schon besser gesehen), aber wenn die Oger mit den blauen Gesichtern wie jeanstragende (tiefsitzend, mit Arschspalte) Rüpel daherkommen, Elfen zum Singen und Tanzen verdammt sind und Cary Elwes als finsterer Thronjägeronkel hemmungslos a la „Männer in Strumpfhosen“ chargiert und overacted, macht die Sache als flotter, kleiner Film einfach Spaß, weil er eben nicht direkt an etwas Bekanntes angelehnt ist.

An der Besetzung kann es jedenfalls nicht gelegen haben, Anne Hathaway ist nicht nur hübsch und patent, sondern auch für jeden Scheiß zu haben, während in Nebenrollen Minnie Driver, Vivica Fox, Eric Idle, Steve Coogan und Joanna Lumley sichtlich ihren Spaß hatten. Dazu ist das natürlich alles noch geschmacklich einwandfrei (bis auf einen Furzgag!), familienfreundlich inszeniert und pointiert auf die Spitze getrieben, auch wenn das Finale gegen den Restfilm einen Tick abfällt, bzw. man da für die Fluchlösung eine cleverere Lösung hätte finden können.

Während also „Ritter aus Leidenschaft“ außer dem Lechzen nach Heath Ledger kaum nennenswerte Qualitäten hatte, ist das einer der Fantasyparodien, die man für ihren Feinstrich und Humor loben muß und die auch beim zweiten oder dritten Sehen noch etliche Insiderjokes bereit hält. Feine Sache! (7,5/10)

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