Es ist schon erstaunlich, wie sich Val Kilmer nach seinem Karriereknick erholt hat: Egal ob in dem Geheimtipp „The Salton Sea“, Shane Blacks genialem „Kiss Kiss, Bang Bang“ oder David Mamets hierzulande erst spät veröffentlichtem „Spartan“.
Robert Scott (Val Kilmer) ist Spezialagent der Regierung, gerade mit der Ausbildung neuer Rekruten betraut. Scott ist ein Agent der „24“-Generation: Hart, zynisch, etwas skrupellos und nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Schon bei der Ausbildung macht den Rekruten klar, dass er nicht ihr Kumpel ist und auch Schleimen nichts bringt.
Scott wird jedoch urplötzlich abberufen: Man hat die Tochter eines hochrangigen US-Politikers gekidnappt und das Opfer soll zurückgeholt werden, ehe die Medien es spitzkriegen. Scott macht sich an die Arbeit…
Man merkt „Spartan“ an, dass Regisseur und Drehbuchautor David Mamet Gehirnschmalz in das Projekt investiert hat und dabei auch nicht mit Hieben gegen US-Politik spart. Der Geheimdienst geht nach dem Motto vor, dass der Zweck die Mittel heilige, und einige Politiker haben quasi eigene Geheimdienstler, die sich zur Not auch gegen Kollegen erheben, wenn es ihrem Boss nützt.
Gerade die erste Hälfte des Films ist eine ziemlich temporeiche Angelegenheit: Scott hetzt hinter Hinweisen her, schüchtert Zeugen zur Not ein und tarnt sich gar als Tankstellenräuber. Der Zeitdruck ist spürbar und die Situation wird gerade dadurch brisant, dass die Entführer, Menschenhändler, gar nicht wissen, wen sie da haben, sondern denken es sei nur ein weiteres junges Mädchen unter vielen.
Mit der Halbzeitmarke gibt „Spartan“ dann leider etwas nach. Aufgrund verschiedener Umstände muss Scott allein weitermachen, gibt die Hatz auf das nach Dubai verschleppte Opfer aber nicht auf. Bis zum Finale, das mit einigen bissigen Überraschungen punkten kann, ist „Spartan“ dann aber etwas formelhaft geraten. Scott findet einen Hinweis, gerät dann in eine Schießerei, obsiegt und geht zur nächsten Station vor, wo sich das Spielchen wiederholt. Das im Kontext eines derartigen Thrillers leider etwas wenig, denn Actionfilm will „Spartan“ nie sein.
Was nicht bedeuten soll, dass die Actionszenen schlecht sind. Ähnlich realistisch gehalten wie „24“, nicht ganz so spektakulär, aber doch sehenswert, wird hier gekämpft und geschossen. Wie schon bei „Training Day“ oder den Filmen Michael Manns sind die Waffengeräusche des Realismus wegen sehr laut gehalten, die Kontrahenten gehen mit militärischen Taktiken vor, was den kurzen Auseinandersetzungen hohen Unterhaltungswert beschert.
Ganz so großartig wie in „The Salton Sea“ und „Kiss Kiss, Bang Bang“ ist Val Kilmer hier nicht, liefert aber trotzdem eine wirklich hervorragende Vorstellung als Spezialagent mit wenig Skrupeln ab. Kristen Bell als Entführungsopfer hat nur eine kleine Rolle, überzeugt aber ebenso wie Ed O’Neill als Scotts Vorgesetzter. Derek Luke als Scotts späterer Partner kann noch herausragen. Einen Miniauftritt hat auch Kampfchoreograph J.J. Perry, der hier allerdings nicht für die Action verantwortlich ist, sondern nur seinen Cameo absolviert. In einer für ihn nicht ganz gewöhnlichen Rolle spielt auch William H. Macy mit – und das überzeugend.
„Spartan“ ist flottes, spannendes Thrillerkino mit wenigen, aber gut inszenierten Actionszenen. In der zweiten Hälfte wird es leider bisweilen etwas formelhaft und simpel, doch dank des hohen Tempos gibt es gute 7,5 Punkte von mir.