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Val Kilmers Karriere in Hollywood ist ein ständiges auf und ab.
Auf fabelhafte Rollen in Glanzstücken wie „Heat“ oder „Kiss Kiss Bang Bang“ folgen katastrophale Leistungen in Kostümstreifen wie „Batman Forever“ und „Alexander“ und Auftritte in Hollywoodfilmen wie „Red Planet“ und „Deja Vu“, die, ob ihrer Durchschnittlichkeit, schneller in der Bedeutungslosigkeit versinken als die Casting-gurke Brosis.
Zu Filmen letzterer Kategorie zählt sicherlich auch „Spartan“, ein ambitionierter, aber nicht ganz einheitlicher und etwas zähflüssiger Politthriller von David Mamet, der vor kurzem in den heimischen Videotheken angelangt ist.  

Der Filmtitel „Spartan“ bezieht sich auf Leonidas, seines Zeichens legendärer König von Sparta und unter anderem Titelfigur in Frank Millers „300“, der angeblich immer nur einen Soldaten schickte, wenn er von Verbündeten um Hilfe gebeten wurde. 

David Mamet, der sich sowohl für das Skript als auch für die Regie von „Spartan“ verantwortlich zeichnet, schrieb schon die Drehbücher zu Filmen wie „Ronin“ (unter dem Pseudonym Richard Weisz) und „Die Unbestechlichen“ und führte unter anderem bei „Heist –Der letzte Coup“ Regie. An diesen drei Beispielen ist schon sehr leicht  zu erkennen, dass seine Drehbucharbeiten im Normalfall deutlich besser sind als seine Werke, als Regisseur. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch bei Spartan das Drehbuch, obwohl es einige Schwächen und Logiklöcher aufweist und nicht einmal annähernd an jenes von „Die Unbestechlichen“ heran reicht, über die Regie triumphiert. Die durchwegs interessante und gut geschriebene Geschichte wird von Mamet nämlich langatmig, kühl und umständlich zu Tode inszeniert.  

Bei einem Budget von 19,25 Millionen Dollar spielte Spartan weltweit lediglich 8 Millionen im Kino ein, kam aber im, heutzutage immer wichtiger werdenden, DVD Verleih auf satte 26 Millionen Dollar und kann somit durchaus als rentabler Erfolg bezeichnet werden. 

Robert Scott (Val Kilmer) ist ein Secret Service-Agent, dessen Tätigkeitsfeld nicht genauer erläutert wird. Mal ist er der Mann fürs Grobe, mal ein Ausbilder und dann wieder ein Spion (Anscheinend wusste der verehrte Herr Regisseur selbst nicht genau in welche Richtung sich Kilmers Charakter entwickeln sollte). Als die Tochter (Kristen Bell aus „Pulse“ in einer Minirolle) eines hochrangigen Regierungsmitglieds spurlos verschwindet, wird Scott auf die Entführer angesetzt. Unterstützt wird er bei seiner Suche nach dem Mädchen von einem frisch ausgebildeten Rekruten namens Curtis (Derek Luke aus „Bikerboyz“). Im Laufe ihrer Recherchen kommen die beiden einem internationalen Mädchenhändlerring auf die Schliche, dessen Spur sie nach Dubai führt. Am Höhepunkt der Untersuchungen werden Scott und Curtis jedoch zurückgepfiffen und das entführte Mädchen wird für Tod erklärt.
Da einige Hinweise in Richtung einer groß angelegten Vertuschungsaktion gehen, setzen Scott und Curtis ihre Untersuchungen gegen den Willen ihrer Vorgesetzten fort und geraten ins Zielfernrohr eines hochrangigen US Geheimdienstes, der das Mädchen unter allen Umständen aus dem Weg haben will.

Was auf den ersten Blick wie der äußerst reizvolle Plot zu einem brisanten Politthriller wirkt, ist in Wirklichkeit eine uninspirierte Aneinanderreihung von nicht kompatiblen Storyelementen.
Bereits nach halber Laufzeit fragt man sich als (mitdenkender) Zuschauer nämlich unweigerlich, was Mamet mit seinem Film ausdrücken beziehungsweise bewirken wollte.
Zwar rückt die Entführungsgeschichte (mit laufender Spielzeit) immer mehr in den Hintergrund und die Desillusionierung von Scott, einem bis dahin pflichtbewussten amerikanischen Mustersoldaten, wird immer wichtiger (In einer Szene am Ende des Films dient ihm sogar ein Zettel, auf dem die „Rules Of War“ aufgelistet sind, als Zigarettenpapier), aber dieser durchaus interessante Aspekt des Films wird emotionsarm, schwammig und unglaubwürdig inszeniert.
Trotzdem gehören diese Szenen, in denen Scott an seinen Motiven zu zweifeln beginnt, zu den besten von "Spartan". Leider blitzen sie aber zu selten im Nebel der Einfallslosigkeit (bei der Umsetzung) und dem Einheitsbrei (bei der Charakterisierung) auf.
Somit mutiert „Spartan“ ungewollt von einem (zwar durchschnittlichen, aber unterhaltsamen) Actionthriller zu einem überambitionierten und phasenweise schlecht umgesetzten Politthriller.

Die Nebendarsteller sind alle schon aus der ein oder anderen Serie bzw. dem ein oder anderen B-Filmchen bekannt und spulen ihre Rollen routiniert herunter.
Derek Luke kennt Man(n) aus „Bikerboyz“, Kristen Bell durfte schon in „Pulse“ und „Veronica Mars“ ihr Talent beweisen, William H. Macy (in „Spartan“ etwas gegen den Strich besetzt) spielte schon in „Nicht auflegen“ und „The Cooler“ mit und Ryan O’Neil ist hauptsächlich als nörgelnder Familienvater der „Schrecklich netten Familie“ bekannt. 

Hauptdarsteller Val Kilmer ist eine gute Wahl für den abgebrühten, pflichtbewussten Agent Scott und überzeugt durchaus mit seiner minimalistischen, harten Performance. Trotzdem kann er in dem Film seine Klasse nicht voll ausspielen und wird von der langatmigen und konstruierten Inszenierung zu kühlen (oft etwas unpassenden) Onelinern gedrängt. 

Um nicht nur Negatives über diesen durchaus soliden Vertreter der in Amerika sehr beliebten Verschwörungsfilmchen zu schreiben, noch einige positive Punkte (zusätzlich zu Kilmers Leistung und einigen guten Szenen).
Die Kameraführung ist angenehm ruhig, der Schnitt nostalgisch, gemütlich und weit entfernt von MTV nahen Bourne ähnlichen Actionfilmen und die Kulissen und Sets (gedreht wurde in den USA und UK) sind ansprechend, passend gewählt und originalgetreu. 

Leider beweist David Mamet mit „Spartan“ wenig Mut zu Neuem und beruft sich auch nicht eindeutig auf alte Werte, sondern versucht unentschlossen einen Mittelweg zu beschreiten.
Lediglich mit dem sehr harten Schluss beweist er etwas Courage und kümmert sich nicht darum, dass er die Zuschauer, ob des durchaus realistischen Endes unbefriedigt zurück lässt. Das hochrangige Regierungsmitglied gewinnt durch eine Mischung aus geschickter Promotion und Vertuschung Stimmen und Sympathie, obwohl er indirekt seine Tochter liquidieren lassen wollte und (direkt) seine Frau betrügt. Dies kann man ohne weiteres als unterschwellige Kritik werten. 

Diese, sich durch den Film ziehende und ab und an aufblitzende Kritik, hat mich schlussendlich dazu veranlasst den Film überdurchschnittlich gut zu bewerten. 

Fazit:
„Spartan“ ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht überwältigend, kann aber durch eine innovative Grundidee fesseln.
Der Streifen beginnt spannend, kann diese Spannung aber nur über rund ein Drittel des Films retten.
Die Figuren bleiben eindimensional und die Storyelemente wirken in etlichen Passagen scheinbar wahllos aneinander gereiht.

Ein Film aus dem man wieder einmal deutlich mehr machen hätte können, denn es gehört (bekanntlich) mehr zu einem guten Film als ein paar mäßig bekannte und bemühte Darsteller durch einen teilweise spannenden Plot hampeln zu lassen.

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