Laura Newton ist verschwunden. Die Tochter eines politischen Repräsentanten, dessen potenzielle Wiederwahl ansteht, ist einer Entführung zum Opfer gefallen und soll schleunigst zurückgeholt werden. Dafür muss der richtige Mann her, der auch die unangenehmen Jobs übernimmt. Scott (Kilmer) ist ein versierter Soldat und einer, den man zu Rate zieht, wenn es problematisch wird. Scott legt sich ins Zeug, um Lauras (Bell) Spur aufzunehmen. Es gelingt sogar, ihre letzten Schritte zu verfolgen, was zu ihrer baldigen Rettung führen könnte. Doch plötzlich entwickelt sich alles zu Scheiße. Die Spur wird kalt und man gibt die Suche auf. Kurz darauf werden Meldungen publik, nach denen Laura auf einem Segeltörn ums Leben gekommen sei. Der Fall scheint somit geklärt und Scott geht auf Heimaturlaub. Doch sein jüngst rekrutierter Partner (Luke) sucht ihn auf und bittet ihn bei einer inoffiziellen Suche um Hilfe, da er glaubt, eine neue Spur gefunden zu haben. Nach einigem Zögern willigt Scott ein und die Suche beginnt erneut.
Wie macht man aus einem Krimi ein Abenteuer?
Viele Zuschauer verzeihen „Spartan“ nicht, dass er, gemessen an der Prämisse und seinem Hauptdarsteller, so wenige Schauwerte zu bieten hat. Es gibt keine großartigen Verfolgungsjagden, keine wilden Schießereien und bis auf ein paar Einschüsse auch keinen nennenswerten Härtegrad. Dabei hat der Film weit Interessanteres zu bieten. Was sich wie ein waschechter Film nach Art des Popcorn-Kinos anhört, ist kein Streifen, den man aus einer 'Hollywood von der Stange'-Produktion sehen könnte. Es ist vielmehr eine ruhige Erzählung um einen alten Hasen, der in ein schmutziges Spiel hineingezogen wird und plötzlich einen Risikofaktor darstellt.
Der Film lebt von einer dauerhaft schwelenden Spannung, die sich um die Suche nach dem verschwundenen Mädchen herum aufbaut. Nur ganz selten wird das für sich sehr flott laufende Schauspiel von Action durchbrochen. Diese stellt sich, sofern sie an den wenigen Stellen im Film denn ausbricht, mehr realistisch und gesetzt dar. Sie gibt die richtigen Akzente im Film, ohne dem Film seinen Sinn zu verleihen. Scott und sein Partner schalten ihre Gegner schnell, präzise und professionell aus. Dies geschieht in sehr ruhigen Einstellungen, ohne viele Effekte und schnelle Schnitte.
Wie macht man aus einem Abenteuer ein Drama?
„Spartan“ stammt aus der Feder von einem der bekanntesten kontemporären Autoren Amerikas, David Mamet. Der Name Mamet ist bekannt von Screenplays, die er vorlegte (z.B. Wag the Dog, Hannibal), eigenen Theaterstücken, die es mit einer Verfilmung auf die Leinwand schafften (z.B. Glengarry Glen Ross), sowie selbst umgesetzte Titel (z.B. Heist, Redbelt). „Spartan“ stammt aus seiner Feder und wurde auch von ihm inszeniert. Von David Mamet wird man, rückblickend auf die eben genannten Titel, keinen belanglosen Popcornfilm erwarten können und glücklicherweise verkommt die facettenreiche Geschichte von „Spartan“ auch nicht zu einem solchen. Sondern man bekommt interessantes und intelligentes Kino geboten, das man irgendwie auch durchschauen muss, um es richtig genießen zu können.
Der Film befasst sich mit einem taktischen Ränkespiel, um eine Wiederwahl eines Politikers, dessen verschwundene Tochter in Form eines Mitleidswahlkampfes missbraucht werden soll. Diese Geschichte spielt sich hintergründig ab und die einzigen Personen, die man aus dieser Verschwörung zu sehen bekommt, sind die Schergen, die das Töchterchen gerne weiterhin verschwunden sehen möchten, um ihrem Chef den Wahlsieg zu sichern. Gleichermaßen wird vom Film weder erklärt, um was für eine Position es sich bei dem Wahlkampf dreht, noch wird die Figur des Politikers näher charakterisiert. Der politische Kram ist der Hintergrund, vor dem sich die eigentliche Story abspielt, was aus „Spartan“ einen sehr doppelbödigen Film werden lässt.
Zentral ist der Charakter des Helden Scott, dem man eigentlich direkt zutrauen würde, kaltblütig seiner Aufgabe zu folgen. Doch genau ihm verlangt man eine persönliche Entwicklung ab, die dem Film einen ganz eigenen Bogen verleiht. Die Charakterentwicklung des Helden ist, vor dem Hintergrund des politbezogenen Themas, sehr spannend gestaltet und der eigentliche Kern des gesamten Spiels um eine Entführung und eine ausstehende Wahl.
Wie macht man aus einem Drama einen Thriller?
Im Verlauf der Geschichte wird nämlich deutlich, dass er gar nicht der harte Bursche ist, der er zu sein scheint. Sind ihm eine Strategie und Handlungsanweisungen von seinen Vorgesetzten vorgegeben, so führt er taktische Operationen ohne Widerworte durch und geht dabei über Leichen. Ab dem Zeitpunkt jedoch, wo er ohne Führung operiert, ist er auf sich gestellt. Er verhält sich orientierungslos, gibt sich in Gefahrensituationen nicht so selbstsicher und unfehlbar, wie er sonst seine Aufträge ausführen würde. Selbst dieser kalte Elite-Soldat muss sich also erst mal mit seiner neuen Situation vertraut machen und selbst Strategien entwickeln.
Diese Facette verleiht dem Film eine unfassbare Tiefe bezüglich der Entwicklung von Scotts Charakter. Freilich verläuft diese Entwicklung nicht explizit, aber Kilmer spielt diese zwei Seiten seines Charakters plastisch und versetzt den Zuschauer in diese zwei – ja – Aggregatszustände der Ermittlungstätigkeit. Der Charakter Scott braucht eine ganze Weile, um seine eigentlichen Fähigkeiten, die er bei seinen früheren Operationen an den Tag legte, auch kreativ und improvisiert umzusetzen. Aber seine universellen Kenntnisse machen ihn zu einem veritablen ‚Spartaner’.
Was von Laura übrig blieb
„Spartan“ ist beeindruckendes Kino. Ein Film mit einer grundsätzlichen Spannung, wie man sie selten zu sehen bekommt. Eine fast simple Story rund um eine Entführung, mit einer gehörigen Portion Politthematik, wird gerade durch die Entwicklung der Figuren interessant. Ein paar wenige, mehr realistisch gehaltene Schusswechsel und eine schöne Kameraführung machen diesen Film von David Mamet zu einem seiner besten Titel. Sehr viel Freude machen auch die Schauspieler, allen voran Kilmer, der hier seine beste Performance seit einigen Jahren abliefert. Und es ist eine Rolle aus einer Kategorie, die er schon seit längerer Zeit nicht mehr spielen durfte. Und nicht zuletzt überzeugt der kurze aber zentrale Auftritt von Kristen Bell, die in dem intriganten Spiel die tragische Wendung verkörpert. Zusätzlich gibt die einzigartig geratene Musik von Mark Isham dem Film eine charakteristische Untermalung.
Der hier vorliegende Film ist etwas für die Gourmets des dramatischen Kinos mit einem Faible für Polit- und Thrillerthematik. Der allgemeinen Wahrnehmung nach zu urteilen, gibt es viele, die sich ob der Prämisse, die eigentlich viel Action und Schießereien verspricht, enttäuscht sehen und dann auch nicht mehr bereit sind, der Story und der gesamten Entwicklung 100%ig zu folgen. Jedoch entgeht genau diesen Zuschauern ein sehr spannender Streifen.
Großartig!