Mit DEVOT erschein 2003 ein deutscher Film auf den Leinwänden, der sich weit fernab der hierzulande allseits geliebten, üblichen 08/15-Beziehungskomödchen bewegt.
Igor Zaritzki hat sich mit seinem Regiedebüt eine schwer zugängliche Geschichte ausgesucht, das sich als Gratwanderung zwischen oberflächlicher Charakterstudie und abgründigem Psycho-Drama präsentiert. Kein leichtes Spiel für den Zuschauer, verarbeitet er das wendungsreiche Geschehen doch weitestgehend aus Rückblenden und gedanklichen Reflektionen, die Freiraum für hinreichend Interpretationen lassen.
Dabei lebt der Streifen gänzlich und allein von seinen beiden Protagonisten: Annett Renneberg („DONNA LEON“) spielt die lebendmüde Anja voller Hingabe und ohne jegliches Schamgefühl. Ihr gegenüber spielt Simon Boer („ELEMENTARTEILCHEN“) den selbstverliebten Künstler Henry, der gleichermaßen fasziniert und abgestoßen von der verletzlichen Anja besessen ist, was in einer emotionalen und sehr temperamentvollen Sex-Szene (Tipp: Ungeschnittene Szene in den DVD-Extras anschauen!) ihren Höhepunkt findet.
Dennoch lässt Zaritzki den Zuschauer bisweilen unbefriedigt zurück: Viele Fragen bleiben ungeklärt, Interpretations-Ansätze bleiben auf der Strecke und der plötzliche Schluss kommt meiner Meinung auch zu früh, als dass man zufrieden den Abspann betrachten könnte. Schade um die Chance, einen eher dem französischen Kino zugeordnete Thematik auch in einer deutschen Produktion konsequent auf die Leinwand zu bringen.
Trotzdem mag das dialoglastige Kammerspiel, das Elemente der Genres Psychothriller, Erotikthriller, Horrorfilm und Drama aufgreift, zu Gefallen, was zum einen der ungewöhnlichen Story und andererseits der erwähnten schauspielerischen Präsenz zu verdanken ist. Somit ist es sicherlich nicht das Schlechteste, wenn man als anspruchsvoller Filmfreund den seltsamen Geschehnissen dieser halben Nacht knappe anderthalb Stunden opfert – spannende Unterhaltung ist allemal garantiert!
(6 / 10)