Review

Eine Legende im Spiegelkabinett

Terry Gilliam liebt man oder man kann so gut wie gar nichts mit ihm anfangen. Und seine „Abenteuer von Baron Münchhausen“ sind eben Terry Gilliam auf Anschlag gedreht - überdreht, comichaft, oft gefühlt etwas ziellos, nie berechenbar oder normal. Einer seiner underrateteren Filme, würde ich mal behaupten. Ich mag ihn sehr! Gesehen ausnahmsweise mal auf der PlayStation, da er dort für PlayStation Plus-Mitglieder im Abo in prachtvollstem 4K „gratis“ dabei war. Über den wahrhaftigen berühmten (Lügen?-)Baron, der dem baffen Publikum während eines Theaterstücks (das wiederum während einer kriegerischen Belagerung der Stadt stattfindet) von seinen sagenumwobenen Freunden, Abenteuern und Begegnungen erzählt…

Goerges Méliès wäre stolz

Die Ausstattung ist genussvoll, goldig und gigantisch. Im Grunde ist’s auch etwas ein Episodenfilm. Ein Abenteuerfilm. Ein Kinderfilm. Ein Fantasyfilm. Ein purer Gilliam eben. Von 1001 Nacht bis zu Begegnungen mit Göttern, vom Bühnenstück bis zum Kopfkino, eine exzessive Explosion der Kreativität. Und der ultimative „Münchhausenfilm“. Gilliam ist hier voll in seinem Element und war definitiv der richtige Mann für den Job. Überdreht, sinnlich, süffisant. Ein Theaterstück in einem Theaterstück. Freaky, geeky, cheeky. Metaphern. Träume. Lügen. Magie. Kino. Legende. Mythos. Liegt alles sehr nah beisammen. Und „Die Abenteuer von Baron Münchhausen“ packt all das in einen bunten Kirmesblumenstrauss. Zwischen Kakophonie und Geniestreich. Und ich tendiere massive zu Letzterem. Quirlig, knuffig und bizarr fast wie ein JRPG. Voller toller Haptik und Textur, voller Bauten und Sets, voller Charakterfressen und kreativen Ergüssen. Für jeden und eventuell doch niemanden, wenn man sich seine Zielgruppe und seinen Misserfolg anguckt. Ein bisschen silly, ein bisschen kindisch, ein bisschen banal. Und im Endeffekt doch das Gegenteil davon. Geschichten eines Lügenbarons waren nie unterhaltsamer, besonderer und im Kern wahrhafter. Und nochmal: der neue 4K-Transfer lässt die Pracht dieses Werkes erstrahlen wie nie zuvor. Da muss wohl früher oder später noch die Criterion Collection her. Eine Vorzeigerestauration nahe Referenzniveau! 

Ein Ritt auf der Kanonenkugel… und Rasierklinge! 

Fazit: Konfus, kreativ, chaotisch, kongenial… Terry Gilliam macht Kinderfilme für Erwachsene! 

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