"Dieser Film präsentiert Ihnen die neuen Abenteuer des Polizisten Cruchot aus der bekannten Serie. Die kreative und professionelle Art, Alltagsprobleme lösen zu können, sind ein indirekter Tribut an ein großes Organ des Staates, dessen Ziel es ist, sich durch diese Eigenschaften den Respekt der Bevölkerung verdienen zu dürfen."
Vierter Teil der Gendarmen-Saga, hier auch zum letzten Mal mit allen uniformierten Darstellern des Originals, und auch mit einer ungewöhnlich langen Pause bis zu den zwei scheinbar verspätet nachgeschobenen Folgefilmen Louis’ unheimliche Begegnung mit den Außerirdischen (1979) und Louis und seine verrückten Politessen (1982). Der Grund für die lange Pause war nicht etwa ein kommerzieller, es war kein Abebben der Beliebtheit beim Publikum zu bemerken, im Gegenteil. Hauptdarsteller de Funès selber hatte kurz parallel zu den hiesigen, von Jean Girault gedrehten Abenteuern in Regisseur Gérard Oury einen neuen, ihn noch zu mehr Publikumskraft treibenden und mutmaßlich auch besser auf ihn abgestimmten Mann mit auch mehr Wohlwollen bei den Kritikern gefunden, die die Saint-Tropez Truppe als "Franchouillardise" abstrafte. Zudem hat sich die Gesellschaft nach den Ereignissen des Mai 1968 auch kulturell verändert, und haben mit den ausgestiegenen Darstellern Jean Lefebvre (der schon im zweiten Teil Der Gendarm vom Broadway, 1968 unzufrieden mit 'Szenendieb' de Funès war und sich zurückgestellt fühlte sowie auch mit Girault verstritt) und Christian Marin (aus eben jenen Gründen, nicht ganz so eklatant) auch bislang feste Zusätze der Filmserie ihre Absage für weiteres eingereicht:
Als die Gendarmentruppe um Jérome Gerber [ Michel Galabru ] und Ludovic Cruchot [ Louis de Funès ] in den Ruhestand geschickt und durch jüngere Polizisten ersetzt wird, herrscht große Flaute im Leben der Beteiligten. Da kommt ihnen der vermeintliche Gedächtnisverlust vom Teammitglied Lucien Fougasse [ Jean Lefebvre ] als Ausrede zum erneuten Anziehen der Uniform gerade recht, wobei sie ihren tatsächlichen Kollegen des öfters in die Quere kommen und zu guter Letzt auch auf eine Bombe stoßen.Hat man am Ende von Balduin, der Heiratsmuffel (1968) einige neue Seiten von St. Tropez, immerhin dem Handlungs- und Spannungsfeld seit der ersten Stunde entdeckt, so eröffnet die (aus finanzieller Hinsicht) logische Fortsetzung diesmal wieder mit a) altbekannten und b) zur Einführung auch recht knapp gehaltenen Bildern. Die Gendarmerie natürlich kommt ins Bild, das Haus, das gleichzeitig als Büro und Revier und auch Unterkunft der Polizisten samt ihrer Familien gilt (und nunmehr in realiter Museum ist), der Tag selber ist wie immer sonnig, gefühlt Mittagszeit, nichts aufregendes hinter und nichts Aufregendes vor sich. Möchte man meinen. Doch es kommt schlimm und eingangs auch mit Verdruss.
“Eine unbarmherzige Zeit, in der wir leben. Sie fordert das letzte von uns.“
Noch deutlicher sind die Worte 'Erschlaffung', 'Vitalität und Spannkraft lassen nach',' in ihrem Alter', die Truppe hat ausgedient, sie gehört zum alten Eisen, sie ist nur noch einsatzfähig für den Lebensabend, sie ist zu betagt. In Uniform hat man den Tag begonnen, in Zivil gehen es weiter, den Dienst muss man übergeben und verlassen, das Gebäude muss man räumen. “Wir leben in einer Zeit des ungestümen Fortschritts, einer dynamischen Zeit.“ heißt es da und heißt es weiter, als Folge dessen gibt es einen sehr lang gezogenen Witz (die Geschichte vom Rotkäppchen, die während der Reitstunde erzählt wird), viel bewegtes Minenspiel und einen selbst für die Serie wirklich brachialen Gag, Slapstick pur, mit absurden Gewaltmomenten, in der erst Cruchot von seinem Butler malträtiert wird und dann diesen und das zur Hilfe eilende Dienstmädchen als Retourkutsche ordentlich boxt, den Schwinger in den Magen, die Rechte ins Gesicht.
Nach etwa 20 Minuten krawalliger Tristesse und eher kläglichen Zeitvertreib ist der Spuk vorbei, werden im Film und vom Film Brücken der Erinnerung zu früheren Abenteuern errichtet und auch ein narratives Alibi für Rückblenden gar und ein Zusammenschluss der Rentnertruppe gebaut; läuft man alsbald zur Hochform zwischen nostalgischer Sentimentalität und lockerem Humor auf, eine Pilgerfahrt zu den Quellen, zu den Ursprüngen zurück. Speziell der Erstling Der Gendarm von St. Tropez (1964) wird reaktiviert und in großer Komödienkunst wieder erweckt, die Nudistenszene am Strand einmal nachgestellt und einmal nach den neuen, den modernen Anforderungen der hiesigen Gesellschaft modifiziert, die Nackten sind noch nackter, die verjüngte, hochgewachsene, leicht faschistisch angehauchte Polizei kommt gleich mit ganzen Hundertschaften und wie zur Feindbezwingung ins Kriegsgebiet angeschossen.
Vom Polizeifilm der ersten drei Abenteuer hier zwischendurch zum Hippie- und Nonnenfilm, vom Jäger zum Gejagten, mit Blumenkindern, mit Weltenfreude, mit Liebe und Glückseligkeit. Später müssen wieder die Stuntmen für die Lacher ran, bei horrenden Fahrkapriolen, bei denen man mehr außerhalb des Wagens hängt oder an ihm, statt in ihm, zwischendurch wird ein wenig gewandert, Schafherden mit 'Mäh'-Rufen als Fluchtwerkzeug gebraucht und die Natur erkundet. Die Gendarmen A.D. wirken dabei so harmlos und großartig deppert, wie sie letztlich auch sowieso sind, hierbei – in dieser Art vorgezogenen filmischen Abschiedsgeschenk – haben sie auch mehr Zusammenhalt als zuvor, sind tatsächlich ein Team, auch Cruchot, der sonst immer etwas außen vorstand, ist nunmehr integriert und nicht nur mittendrin, sondern eben auch dabei. Selbst Fougasse, dessen Darsteller bei Der Gendarm am Broadway wegen dem Fehlverhalten am Set leicht aus der Handlung herausgeschrieben wurde, ist hier dritter Mann im Bunde und auch das deutlich erklärte Ziel der narrativen Führung.