Review

~~ Fakten ~~Originaltitel: DAWN OF THE DEAD (USA 2004)
Produktion: RICHARD P. RUBINSTEIN, MARC ABRAHAM, ERIC NEWMAN
Regie: ZACK SNYDER
Darsteller: SARAH POLLEY, VING RHAMES, JAKE WEBER, ...
Genre: HORROR
Länge: CA. 105 MINUTEN(DIRECTOR'S CUT)
FSK: FREIGEGEBEN AB 18 JAHRENOriginal: ZOMBIE (1978)
Prequel: DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968)
Sequels: ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL (1985), LAND OF THE DEAD (2005)Kinovorstellung (Deutschland): APRIL 2004
DVD-Veröffentlichung: FEBRUAR 2005
Free-TV Premiere: OKTOBER 2006~~ Inhaltsangabe ~~

Mysteriöse Umstände lassen Tote in den U.S.A. wieder auferstehen. Diese machen dann, getrieben durch die Lust auf Frischfleisch, Jagd auf die restlichen Lebenden. Überall bricht das Chaos aus und die Zahl der lebenden Menschen verringert sich. In einer Kleinstadt verschanzen sich eine Handvoll Menschen in einem Einkaufszentrum und nehmen den gefährlichen Kampf ums Überleben gegen die gierigen Monster auf.

~~ Vorwort ~~

Ich persönlich halte nicht viel von Zombiefilmen. Aus diesem Grund habe ich auch die Originale von George A. Romero nicht gesehen. Schließlich sind diese ja auch nicht in jedem Kaufhaus ungekürzt zu bekommen. Das bedeutet also, dass ich an dieser Stelle die Bezüge zu den Vorgängern nur selten aufnehmen werde und den Film ohne meine Einstellung gegenüber diesem Genre bewerte.
"Dawn of the Dead" ist nämlich, wenn man genauer hinsieht, anspruchsvolle Unterhaltung mit einem hohen Grad an Brutalität.

~~ Story ~~

Sicherlich braucht man für einen Zombiefilm keine großen Sprünge für eine tolle Story zu machen. Die Zombies sind da, einige Überlebende tun sich zusammen und verschanzen sich in einem großen Gebäude und der Rest ist ein Überlebenskampf mit all seinen Tücken. Fertig ist das Rezept für einen guten Zombiefilm. Besonders große Wendungen oder Überraschungen darf der Zuschauer nicht erwarten. Ins negative Licht fällt die Story insofern nicht, weil der Film sowieso seine Schwerpunkte auf ganz andere Aspekte setzt.


~~ Bilder ~~Kommen wir zu dem ersten großen, gelungenen Aspekt des Films. Die Bilder wirkten auf mich sehr beeindruckend und kamen hervorragend rüber. Vor allem sind sehr viele Schattenspiele, verschwommene Aufnahmen oder tolle Kameraperspektiven zu finden. Hier kommt eine tolle, starke Atmosphäre zustande und die Spannung bekommt noch einen großen zusätzlichen Schub. Regisseur Zack Snyder schafft es, seinen Bildern den kraftvollen, im Gedächtnis bleibenden Ausdruck zu verleihen.

Viele andere Zombiefilme schafften dieses in keiner Weise.


~~ Spannung ~~"Dawn of the Dead" ist ein Horrorfilm. Und dann darf selbstverständlich die Spannung nicht fehlen. Während bei vielen 08/15 Zombiestreifen nicht mal der Ansatz von Spannung zu erkennen war und der Betrachter schnell zur Langeweile eingeladen wurde, bringt dieses Remake durch viele Umstände sehr viel Spannung rüber. Zum einen wäre da die aussichtslose Lage der Akteure. Isoliert in einem Einkaufszentrum in einer Kleinstadt wehren sie die ständigen Angriffe der Untoten ab. Dabei bekommt der Zuschauer immer wieder den Eindruck, dass in diesem riesigen Gebäude überall jene fleischgierigen Monster lauern könnten. Und durch die gewählten Kameraeinstellungen, den Ausdruck der Bilder und den eindrucksvollen Licht- und Schattenspielen bekommt dann diese Angst noch ihre große Verstärkung. Die Macher wählen ihre technischen Möglichkeiten (viele sind es ja nun nicht, aber die vorhandenen werden optimal ausgenutzt) zum Vorteil der aufkommenden, unerträglichen Spannung aus.

Natürlich wirkt dieses Konzept dann am besten, wenn man nachts zu zweit oder auch alleine im Wohnzimmer sitzt, alle Lichter ausschaltet und die DVD einschiebt. Denn dann entfalten sich diese Horrorelemente am besten und die Spannung erlebt seine vielen Höhepunkte.

~~ Darsteller ~~

In diesem Film spielen die vermeintlichen Zombies natürlich die Hauptrollen und sind eindeutig in der Überzahl. Aber dennoch findet man hier und dort tolle und ambitionierte Darsteller.

Allen voran erleben wir Ving Rhames ("Mission: Impossible") als den coolen, gefassten und führenden Sheriff Kenneth. Gleich von Anfang an übernimmt er die Führung der kleinen Truppe im Einkaufszentrum. Obwohl er innerlich nichts mit seinen Kameraden zu tun haben will und stets seine eigenen Pläne hat, macht ihm doch seine aktuelle Situation deutlich, dass er das gleiche Schicksal mit den restlichen Überlebenden teilt. Also akzeptiert er mit der Zeit die Führungsrolle und kämpft zusammen ihnen gegen die Feinde. Aber was rede ich so lange hier? Selbstredend schafft es Ving Rhames, voll in dieser Rolle aufzugehen. Überraschend war für mich nur, dass die lustigen One-Liner, die typisch für seine Rollen bisher waren, diesmal weggelassen wurden. Aber das verstärkt nur seinen ernsten, coolen Charakter.
Auch überzeugt hat mich die Rolle der Ana (Sarah Polley, "eXistenZ - Du bist das Spiel"). Anfangs nur verwirrt und sich der Lage nicht richtig bewusst, entwickelt sie sich mit der Zeit immer mehr zur toughen Kämpferin und hilft mit ihrem Einsatz ungemein der Menschengruppe. Schön finde ich vor allem, dass man hier kein allzu sehr bekanntes Hollywood-Gesicht genommen hat, sondern die unauffällige Sarah Polley.
Außer den beiden genannten Figuren tummeln sich hauptsächlich noch Jake Weber (Michael) und Mekhi Phifer (Andre) im Vordergrund. Letzterer muss mitten im Unglück noch mit persönlichen Problemen kämpfen.Auch wenn keines der Charaktere bis die Tiefen durchleuchtet wird und die restlichen Darstellerleistungen im akzeptablen Bereich bleiben, hat mich die Auswahl der Rollen und ihre dazugehörigen Darsteller überzeugt, zumal ich von vornherein keine großen Erwartungen hatte.

~~ Action/Gewalt ~~

Eine Warnung vorneweg: Wenn jemand bei dem Begriff "Zombie" an schleichende, langsame Untote denkt, der liegt in diesem Falle falsch. Schon bei "28 Days Later" hätten die Zombies leicht alle Weltrekorde im Dauersprinten geknackt. Und auch hier gehören sie zu den Superläufern und wirken somit noch gefährlicher. Dadurch kommt deutlich mehr Fahrt auf, da ja die Protagonisten im Film in ihren Aktionen und bei der Durchführung ihrer Pläne nicht mehr genügend Zeit haben. Als Ergebnis sieht der Zuschauer dann Verfolgungsjagden durch die Straßen, schnelle Shoot-Outs am Einkaufszentrum und Massenvernichtungen von Zombies, wobei mit Blut nicht gerade sparsam umgegangen wird.
Ihren Höhepunkt erreicht die Brutalität in meinen Augen kurz vorm Ende des Films, als hunderte von Untoten mit allen möglichen Waffen oder Gegenständen, die zu Waffen gemacht worden sind, nieder geschlachtet werden. Das ist nicht jedermanns Sache, gehört aber nun mal in jeden Splatterfilm. Wem das zuviel ist, sollte von Anfang an (denn zwischendurch gibt es auch viele Innereien oder dergleichen zu erblicken) nicht zusehen.
~~ Atmosphäre ~~Wow. Die Atmosphäre hat mich umgehauen. Mit andauernd bösen Bildern, mit sehr fiesen Zombies und einer total pessimistischen Handlung kommt eine passende Atmosphäre rüber. Vor allem die Zombies wirken total widerlich und grauenvoll. Seinen Senf hierzu gibt noch die Musik, die stetig im Wechsel ist und hauptsächlich aus rockigen Tönen besteht.
Auch haben die Macher an viele kleine Details gedacht (z. B. Abspann), um den Film mit Bosheit und Aussichtslosigkeit zu überhäufen. Das gelingt ihnen sehr gut, zumal sie auch dadurch eine beklemmende Atmosphäre schaffen.~~ Gesellschaftskritik ~~

Wenn ich Kritiken oder Interpretationen über die Originalfilme von George A. Romero lese, dann fallen in dem Zusammenhang stets Wörter wie Gesellschaftskritik. Ich selbst kann das, wie schon anfangs gesagt, nicht beurteilen.
Aber in "Dawn of the Dead" sehe ich diese Gesellschaftskritik nur in Ansätzen sehr schwer. Es werden die Umstände, warum es zu so einem Szenario gekommen ist, nur kurz umrissen. Der Zuschauer (und auch die Überlebenden im Film) erfährt nur bruchstückhaft in den TV-Sendern im EKZ, welches die Gründe für solch ein Höllenszenario ist. Das böse Ende des Films macht es auch nicht deutlich.
Vielmehr sehe ich in "Dawn of the Dead" die psychologischen Verhaltensweisen von Menschen in Ausnahmesituationen und ohne Aussicht auf eine baldige Rettung. Es ist interessant zu sehen, welche Vorkehrungen getroffen werden, um so lange wie möglich im EKZ zu überleben und die Monster fernzuhalten. Die Beziehungen, wer mit wem was macht und wer zu wem welche Einstellung hat, werden schön deutlich gezeichnet.
Viele Fragen kamen für mich da auf.
Z. B. wie ich mich verhalten würde, wenn eine Person, die mir sehr nahe ist, gebissen worden ist und sich in einen Untoten verwandelt?
Oder: Wage ich das Risiko und suche in der Umgebung Hilfe oder vegetiere ich so lange im EKZ, bis alle Vorräte aufgebraucht worden sind?

Wie ich finde, liefert dieser Film genügend Anspruch, um über solche Fragen nachzudenken.

~~ Fazit ~~

Man kann sagen, dass Zombiefilme hirnlos sind. In Fällen wie "Resident Evil" trifft das auch vielleicht zu. Aber "Dawn of the Dead" (genauso wie "28 Days Later") schafft es tatsächlich, seine Protagonisten in solch schwierige und böse Situationen zu bringen, dass Anspruch entsteht und die Zuschauer was zum diskutieren haben. Dabei vergisst der Film nie, dass er mit flotter Action, einer unerträglichen Spannung und Atmosphäre, vielen Horrorelementen und tollen, frischen Darstellern, den Zuschauer zu unterhalten. Und die Zombies sind mehr als gelungen.

5/5 oder 9/10 Punkten.

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