Anna, ihres Zeichens Krankenschwester, wacht eines Morgens neben ihrem Mann auf und erlebt ein Höllenszenario. Das kleine Mädchen von nebenan ist zum Zombie mutiert und springt ihrem Gatten an die Gurgel. Anna gelingt die Flut und sie muß sich nun mit ihrem Auto durch eine Stadt voller kannibalischer Zombies kämpfen. Nur durch Zufall trifft sie auf weitere Überlebende, mit denen sie sich in einem Einkaufszentrum verbarrikadiert. Bald ist das Gebäude von Zombies umstellt und es gibt keinen Ausweg für die Überlebenden. Dennoch fassen sie einen tollkühnen Plan...
Bei dieser Story handelt es sich zumindest noch grob um ein Remake des splattrigen Originals von George A. Romeros "Dawn of the Dead", dem gefeierten Inbegriff aller Zombiefilme aus dem Jahr 1978. Wer auf eine 1:1 Umsetzung des Stoffes hofft, wird allerdings enttäuscht. Zack Snyders Neuverfilmung verfolgt eine andere Storyline, stellt neue Charaktere vor, präsentiert völlig neue Handlungsstränge und verschluckt einen Großteil des Originals. Fans der 78er-Version müssen auf die Spezialeinheiten, den Kampf mit der Motorradgang und allgemein auf Fressorgien und mit Zombies überfüllte Supermarktgänge verzichten. Auch das Ende inszenierte Snyder komplett anders als es Romero im Original tat. Soviel sei gesagt: diesesmal kommt keine Rettung aus der Luft.
Leider fehlt etwas die Substanz des Originals, was sich auch auf die Spannung auswirkt. Das Remake ist nicht mehr ganz so düster, klaustrophobisch und apokalyptisch inszeniert wie das '78er Original. Die gewaltigen Zombiemassen, die unsere Hauptprotagonisten umzingeln, wirken bei Romero im Gesamtbild dann schon um einiges bedrohlicher. Die kürzere Laufzeit des Remakes hat allerdings auch seine Vorteile. Die Langatmigkeit, die einige Versionen des Originals jagt wie eine Katze die Maus, fällt unter den Tisch. Man wird in den circa 90 Minuten gut unterhalten ohne dabei über irgendwelche Längen zu stolpern. Bei der Story konzentierte man sich wirklich nur auf das Wichtigste, was dankbar zu begrüßen ist.
Leichte Probleme hat der Film beim Aufbau eines gewissen Spannungsbogens. Man kann dem Streifen nicht nachsagen, dass er keine fröstelnden oder atmosphärisch gut gelungenen Sequenzen beinhaltet, aber manchmal ist die Spannung zu schnell raus. Dennoch, besonders am Anfang, darf der Zuschauer mit den Figuren bangen und zittern. Am Herz liegen dürfte hier besonders das Schicksal von unserer Krankenschwester Anna. Figuren wie den Cops trauert man dann eher weniger hinterher, wenn sie als Mittagessen für komische Gestalten dienen müssen. So richtig Gänsehaut und Herzrasen mag nicht aufkommen, aber so mau wie gewisse Teenieslasher ist die Nacht der Zombies zum Glück nie.
Positiv zu bemerken ist auch der relativ geringe Einsatz von Klischees. Ab und zu kommt das obligatorische Kleinvieh, sprich ein Hund, anstelle eines Zombies um die Ecke, und alle Afroamerikaner im Streifen sind natürlich wieder toughe Schweinehunde, aber ansonsten hält sich die Sache in Grenzen und ist ertragbar. Auch die Logik und der Realismus der Geschichte (sofern es den bei Zombiefilmen gibt) bleiben im Gesamtbild erhalten, auch wenn einzelne Szenen wie immer als Ausnahmen die Regel bestätigen. Glücklicherweise sind die, wie eigentlich alle Schattenseiten des Films, vernachläßigbar und fallen nicht ins Gewicht.
Der makabere Humor des Films ist erfreulich und überraschend gut ausgefallen. Keine dümmlichen "Yeah, got that fucker"-Oneliner beim Abkratzen der Zombies, aber dafür subtile und fiese Sticheleien zwischen den Hauptdarstellern. Die Gageinlagen sind durchwegs gut und mit einem Hang zur Selbstironie gestaltet. Verraten möchte ich an dieser Stelle nicht zuviel, aber der Prominenten-Zombieshootout ist ein wahres Highlight. Szenen wie das Zombiebaby frisch aus dem Leib der Zombiemutter hingegen wirken eher dumm als lustig...hätte man sich ruhig verkneifen können und für die freigewordenen 5 Minuten etwas Anständiges in den Film schneiden können.
Was absolut gelungen ist, ist der Gore im Film. Nach enttäuschenden R-Werken wie "Resident Evil", die eigentlich auch als FSK 12-Filmchen durchgehen hätten können, scheut sich das neue "Dawn of the Dead" nicht, ordentlich Blut spritzen zu lassen und verdient endlich mal wieder wirklich die Bezeichnung "Zombiefilm". Menschen und Zombies müssen Kettensägenoperationen über sich ergehen lassen oder stehen plötzlich effektvoll in Flammen. Headshots gibt's wie nach bester Romero-Tradition natürlich en masse und auch sonst darf so einiges durch die weichen Zombiekörper gejagt werden. So krass wie das Original ist das Remake dennoch nicht - Zombiefressorgien werden uns zum Beispiel hier nicht präsentiert. Das liegt wohl auch an der Kürzung für's amerikanische R-Rating, so dass man auf die Unrated DVD Fassung gespannt sein darf, für die jetzt schon 5 Minuten zusätzlicher Gore eingeplant sind. Am Ende darf man sich dann über einen Regen bunter Effekte freuen, vorallem wenn das Blut nur so aus jedem Winkel des Bildschirms gespritzt kommt. Was etwas albern und typisch Hollywood-like wirkt, sind die übertriebenen Megaexplosionen - aber sei's drum! Der Schluss ist nämlich teilweise recht krass und krank und weiß zu überraschen. Die kurzen Clips, die immer wieder zwischen die Bilder des Abspanns eingeblendet werden, vervollständigen die Geschichte unserer Gruppe Überlebender bröckchenweise. Sehr gut gelungen und mal wieder ein Grund auch während der Credits sitzen zu bleiben.
Die Darsteller gehen für ihre Horror-Minimalrollen sicherlich in Ordnung. Gefallen kann auf jeden Fall Anna-Darstellerin Sarah Polley, mit der man endlich einmal eine Frau für einen Gorefilm gecastet hat, die neben gut aussehen auch schauspielern kann. Leider hat sie viel zuwenig Szenen im Film, was etwas ärgert. Der Rest der Schauspielsippe vollbringt sicher keine Meisterleistungen, aber sie bewegen sich im Bereich des guten Durchschnitts. Das obligatorisch toughe Rumgehansel von Charakteren wie die eines Mekhi Phifers hingegen beginnen schon etwas zu nerven, denn der ist leider ähnlich schwach wie bei seiner Performance in "Ich weiß noch immer was du letzten Sommer getan hast". Leider fallen auch die klischeebeladenen Cops negativ ins Bild. Allgemein ist keiner der Charaktere besonders tiefsinnig oder emotional - einige sind Puppen, andere hingegen besitzen immerhin ein Stück Eigenleben. Irgendetwas Großartiges sollte man nicht erwarten, besonders enttäuscht dürfte man allerdings auch nicht sein.
Technisch sieht man dem Film kaum an, dass er eine Low Budget-Produktion ist. Die Kulissen und Schauplätze sind gut gewählt und ausgestattet worden, das Zombie Make-Up vorzeigbar und die Effekte allererste Sahne. Regie und Kamera sind nicht außergewöhnlich, aber dennoch sehr ordentlich. Auch der Schnitt kann sich sehen lassen, vorallem wenn das Tempo der Szenen rapide ansteigt. Rasant und blitzschnell ergänzen und verbinden sich die einzelnen Einstellungen miteinander, und zwar ohne dass das Ganze in Parkinson-Rüttelanfällen wie bei "28 Days Later" endet. Die Details bleiben einem so auch nicht verwährt.
Wie immer gilt das obligatorische Remake-Fazit: "Wer mit zuviel Erwartungshaltung an die Sache rangeht, könnte eventuell schnell enttäuscht werden". Im Falle von "Dawn of The Dead" muss das aber nicht sein, denn im Gegensatz zu Pseudo-Zombiegurken wie "Resident Evil" oder "28 Days Later", die viel Wind um nichts machten, gelingt es der Nacht der Zombies wirklich zu punkten. Der atmosphärische Streifen kann mit ein paar durchaus vorzeigbaren Schockmomenten, nettem Make-Up, brauchbaren Gags und einer starken Sarah Polley aufwarten. Wie auch schon das Remake vom "Texas Chainsaw Massacre", wird die Neuverfilmung von Romeros Zombieschreck die Fans spalten. Die einen berufen sich auf das viel bessere Original, während die anderen einen kurzweilig nettgemachten Zombiefilm genießen. Seperat gesehen recht ordentlich, wenn auch nicht großartig innovativ.