Schon viele Jahre grassierten Gerüchte im Net, die der Horrorfilmgemeinde einen Schauer über den Rücken laufen liessen: es wird Remakes von "TCM" und "Dawn of the Dead" geben. Jetzt, wo die Filme laufen, kann man sich entspannt zurücklehnen und wirkliche Remake - Gurken, wie z.B. der klägliche Versuch "Psycho" neu zu verfilmen vergessen. Diese modernen Pedanten erreichen zwar nicht die Klasse ihrer Originale, können dennoch überzeugen.
Bereits vor Kinostart gab es die ersten 10 Minuten des Filmes im Netz zu sehen; viele waren aufgrund des Tempos und der Atmosphäre positiv überrascht. Können die restlichen 80 Minuten das halten? Ja, das und noch mehr...
Anders als der moderne "TCM" entfernt sich "Die Nacht der Zombies" noch weiter vom Original und läßt eigentlich nur die Grundidee von der "Mall" bestehen; samt mehr oder weniger den Freiwilligen, die sich in dieser verbarrikadieren. Auch hier: Keiner weiss warum die Toten wieder da sind, sie sind es einfach. Die Beibehaltung dieser Grundidee ist gut; so kann zügig die Story erzählt werden, ohne das auf Vermutungen wie die kaputte Ozonschicht oder ähnliches zurückgegriffen wird, was den Zuschauer eh kaum interessiert. Natürlich wäre es falsch dem Horrorfilmfreund einen Mangel an Intelligenz zu unterstellen und ihn als den sabbernden, blutgierigen Freak abzustempeln. Doch auch ohne viel tiefergehende Handlung oder Erklärungsversuchen ist "Die Nacht der Zombies" mehr als ein blutbefrachteter Splatterfilm. Vielmehr darf er als actionreicher Horrorfilm mit gehäuften Splattereinlagen angesehen werden.
Die Splattereffekte sind, wie es sich für einen Zombiefilm gehört, hart und kompromisslos umgesetzt wurden. Das meiste davon ist handgemacht, nur selten sind CGI zu sehen. Gedärmewühlereien gibt es ohnehin (noch) nicht, die Vielzahl der Effekte beschränken sich auf deftige Kopfschüsse. Aber auch mit anderen Gerätschaften ausser Pistolen und Gewehren wird den Zombies Paroli geboten, unter anderem darf die obligatorische Kettensäge ein wenig walten. Doch sind diese "echten" Splatterszenen über den Film verteilt, der ansonsten mit einem hohen Spannungsbogen und Tempo aufwarten kann.
Langweilig wird es fast nie; die Darsteller haben eigentlich kaum Pause sich tiefergründig zu unterhalten. Identifikationsfiguren gibt es auch nur wenige, dennoch machen die Darsteller allesamt einen guten Eindruck. Die meisten sind unbekannt, bekannte Gesichter gibt es nur in Kleinstrollen: F/X - Guru Tom Savini als Sherrif und Ken Forree als Pastor, der verkündet: "Wenn es in der Hölle keinen Platz mehr gibt, dann kommen die Toten auf die Erde zurück".
Und wie sie kommen - flink wie Wiesel und aggressiv wie ihre Verwandten aus "28 days later", mit dem der Film auch einige Gemeinsamkeiten hat. Dies wird vor allem im Intro deutlich, wo verzerrte Fernsehkameras grobkörnige Bilder von Krawallen, Kriegen, etc zeigen. Aber auch gegen Ende merkt man das beim "Plagiat" abgekupfert wurde - denn in der letzten halben Stunde fährt die Kamera stakkatoartig, mit schnellen Zooms und Schnitten wird pulstreibend die Story erzählt.
Das hier alles lauter, schneller, wilder herkommt, als es noch anno 78 der Fall war, macht nichts. Es macht sogar Spass, kann man sich mit den modernen "XTC - Zombies" anfreunden. Gut geschminkte Verwesung weicht dem "Schlumpflook".
Dennoch wurde neben der "Mall" noch einiges anderes beibehalten. Der romerosche leicht ironische Grundton. Wo damals zu Kaufhausmusik die tumben Zombies sich in Eishockynetzen verfingen, so werden heute massiv übergewichtige Milchladenverkäuferinnen durchbohrt und Zombies mit Schneebesen von den Beinen geputzt. Zwischendrin immer wieder swingende Musik, die den schwarzen Humor unterstreichen.
Schön und gut das Teile (ich vermeide mal das Wort Sequenzen) aus dem Original übernommen wurden, die heute möglichen CGI die apokalyptische Weltuntergangsstimmung (samt Zombiemassenszenen) deutlicher rüberbringen können, Kritik darf man dennoch üben. Die neue "Mall" ist leider nur ein schwaches Abbild, man merkt leider das nicht das gesamte Gebäude benutzt wurden durfte, die Atmosphäre dieses riesigen Kaufhauses wich kleineren Räumen. Auch agieren manche Personen etwas unlogisch, aber wer weiss schon, wie ER in Extremsituationen reagiert?!
Fazit: Kein richtiges Remake, sondern ein Zombie - Film der neuen Generation mit Einflüssen der "alten Ära". Der Zombie - Film ist tot, lang lebe der Zombie - Film.