So. Nun ist es da, das lang erwartete Remake des phänomenalen „Zombie – Dawn of the Dead“ von 1978. Ein Remake? Nein. Ein Remake ist es nicht. Einzig die Mall und das darin Verschanzen ist den beiden Plots gleich. Dieser Film ist ein eigenständiger moderner, zeitloser Zombiehorrorfilm geworden,.. der mich auf ganzer Linie überzeugt!
Gleich in den ersten 15 Minuten des Films merkt der kundige Kinobesucher, dass er gerade nicht Alltägliches vorgesetzt bekommt. Hier wird ein exzellent inszeniertes, pechschwarzes Szenario aufgebaut, dass man so noch nicht gesehen hat: Den Untergang eines Vorstadtviertels in der Zombieapokalypse, teils in Vogelperspektive. Da zerfetzen sich die Nachbarn in den Vorgärten, werden von Ambulanzwägen über den Haufen gefahren und da rasen LKW auf den Hauptstraßen mit Höchstgeschwindigkeit in PKW. Spannung pur!
Diese Sequenz hätte übrigens gerne länger sein können.
Gewalt ist in diesem Film zuhauf vorhanden und ich muss ehrlich sagen: Klasse, Mister Snyder. So etwas im Kino präsentiert zu bekommen, ist für den echten Horrorfan ein Geschenk. Kein Vergleich zu einem jugendfreien, völlig harmlosen „Resident Evil“- Spektakel, dass sich um jegliche Brutalität geradezu disneymäßig herumdrückt (..dabei finde ich letzteren Film nicht mal schlecht gelungen!). Auch die Handlung revolutioniert selbstverständlich nicht das Genre neu, beinhaltet aber alle wichtigen Ingredenzien eines guten Zombiefilms: Flucht, Verbarrikadierung, das Nacheinanderausmerzen sämtlicher Protagonisten, Kopfschüsse, Bissszenen, Fressszenen, Kettensägen etc.. Nein, massenkompatibles Hollywoodkino sieht definitv anders aus! Derartiges hat man seit den Überfilmen Romeros nicht mehr gesehen, wobei der hier vorhandene enorme finanzielle Hintergrund den Film zu einem besonderen Vergnügen werden lässt. Musste George A. Romero noch viele seiner Ideen v.a. im „Day of the Dead“ aufgrund finanzieller Engpässe im Skript liegen lassen, wird hier endlich das geboten, was sich Fans dieser Art Film wünschen – die globale Apokalypse, den Untergang der Welt – in Fernsehbildern. Besonders das stockfinstere Ende macht überdeutlich: Es handelt sich hier um den jüngsten Tag, dem man sich als Sterblicher nicht entziehen kann. Hoffnung gibt es nicht, noch viel weniger als in jedem Romero Film!
Wie so oft erwähnt muss auch ich sagen: „28 days later“ stand in vielerlei Hinsicht bei diesem Film Pate. Und das ist verdammt gut so! Überzeugte mich bereits Danny Boyles Film in fast jeder Beziehung, so toppt der neue Dawn diesen noch bei weitem. Die im 28 days fehlende Gewalt ist hier nämlich nun endlich vorhanden.
Allerdings scheinen die flinken Untoten einige Romerofans zu stören, mich sicher nicht. (Und ich bin auch einer!) Die Situation wirkt so um ein Vielfaches bedrohlicher,.. und realistischer! Eine Epidemie wie im 78er „Zombie“ würde de facto nie so um sich greifen, da die Überträger nur vor sich hin torkeln und die bereits Infizierten ganze 2-3 Tage zum Sterben brauchen. Hier verhält es sich konträr dazu viel gefährlicher. Die Toten rennen unbarmherzig schnell und die Infizierten / frisch Gebissenen brauchen teils keine 5 Sekunden um wieder auf den Beinen zu sein. Klar, diese Art des Inszenesetzens eines Zombiefilms divergiert stark von den „Originalen“, überzeugt mich aber dennoch voll. So macht das weltweite Umsichgreifen der Seuche zumindest Sinn.
Sollten die Informationen über eine unrated DVD Edition dieses Films keine Enten sein und er ungekürzt noch heftiger zur Sache gehen, dann wäre endlich eine hervorragende Idee zum Tragen gekommen, nämlich die Kombination aus Geldeinnehmen an den Kinokassen und der völligen Befriedigung der Fans solcher Filme, die nun nicht mehr wegen Konzessionen an die Massentauglichkeit um ihre wohlverdiente Freude am Film betrogen werden. Mit einer solchen Lösung wäre jedem gedient, der Filmfirma und dem Zuschauer! Eine solche Edition des Films stünde übrigens einem „Day of the Dead“ nun wirklich in nichts mehr nach, weder in der Professionalität des Regisseurs noch in punkto Gewalt!
Fazit: Dieser Film ist im „Mainstreamkino“ etwas außergewöhnliches und raucht dort übliche kindgerechte Pseudohorrorfilmchen wie „Jeepers Creepers“ oder “Der Fluch von Darkness Falls“ mühelos in der Pfeife! Überhaupt kein Vergleich. Hier wurde endlich ein Film mit Geschmack und wirklicher Liebe zum Genre inszeniert, der – sollten die Gerüchte um die unrated DVD stimmen – noch dazu in die obere Liga der nicht nur wirklich guten, sondern auch sehr brutalen Horrorfilme gehört!
So gut wie „Zombie – Dawn of the Dead“ ist er nicht! Aber seien wir mal ehrlich, das kann er ja schließlich auch gar nicht sein!
Ich vergebe wirklich äußerst ungern 10 Punkte, aber das wirklich honorable Bemühen Zack Snyders um einen kompromisslosen Zombiefilm, der sich auch im Resultat vor keinem anderen Film aus diesem Genre verstecken braucht, verdient diese Bewertung!
Schön, dass es endlich einen weiteren Topfilm aus diesem Genre gibt. Hoffentlich dient er als Anstoß dazu, den modernen Hollywoodhorrorfilmen etwas mehr Niveau zu verleihen!
10 / 10 Punkte