Dawn of the Dead (2004)
Regie: Zack Snyder
Dass man diesen Film gesehen haben muss, um sich ein Urteil bilden zu müssen, ist ganz klar. Dass Dawn 2004 dem Vergleich mit Romeros Original nicht standhält, hat sich auch ganz schnell abgezeichnet.
Was für den Film spricht, ist, dass er sich einerseits dem Splatter-Genre auf eine unterhaltsame Weise zumindest annähert und einige ganz nette Make-Up-Effekte bietet. Hier auch mehr als Horrorfilm denn als reines Splatterwerk: da gibt es eine Menge Kopfschüsse mit Blutspritzereien, im Finale Kettensägeneinsatz und zumindest zum Auftakt eine recht eindringliche Biss-Szene. Zumindest ist auch der Versuch von Zack Snyder positiv zu werten, die Handlungsabläufe gegenüber Dawn 1978 abzuändern und die Charaktere neu zu entwerfen. Das war’s dann aber auch schon. Als „Versuch“, wie gesagt, nicht schlecht.
Hier nun die Punkte, die meiner Meinung nach ganz klar gegen den Film als „Remake“ von Dawn of the Dead sprechen:
1. Story/Charaktere: Die Dialoge sind platt, dumm und oberflächlich. Die Darsteller, die von anderen Rezensenten hier schon abgewertet wurden, steigen bzw. fallen in ihrer Schauspielleistung mit den Vorlagen von Drehbuch und Regieanweisungen. Und da kann der Film nicht überzeugen. Die Schwarz-Weiß-Malerei zwischen „Guten“ und „Bösen“ (die Zombies mal ausgenommen) ist hier zu klischeehaft angesetzt worden (z.B. die Safety Guards im Kaufhaus, die der Besuchergruppe gegenüber so abgeneigt sind). Hier entstehen kaum vernünftige Sympathien bei dem Zuschauer. Der Humoranteil passt sich an den restlichen Anspruch des Films an und ist noch vertretbar. Für das lieblose Drehbuch, das keinerlei tieferen Charaktere zeichnet: 4/10
2. Atmosphäre/Spannung: Die klaustrophobische Atmosphäre hatte im 78er Original ja ihr übriges dazu beigetragen, dass man mit den Helden mitzitterte. Die schnelle Kameraführung und die hollywood-typisch total überakzentuierten Sound-Effekte in der Neuverfilmung erfüllen hier jedoch scheinbar nur einen Selbstzweck, um die Spannung künstlich anzuregen. Gerade zum Finale hin erinnern das gedämpfte Licht und die schnelle Schnittfolge bei den Zombiebewegungen, sodass man diese kaum noch vernünftig erkennen kann, eindeutig an den brillant umgesetzten Film „28 Days Later“ von Danny Boyle. War dies bei Boyle noch ein meiner Meinung nach originelles Stilmittel lediglich in einer Versatzart und Neuinterpretation des Zombie-Genres, hat Snyder hier einfach den Stil kopiert und für sein Dawn-Remake benutzt. Boyle ist es gelungen, das Thema auf seine Art und Weise als nicht so offensichtliche Huldigung an Romero neu zu konstruieren, Snyder versagt hier leider fast auf ganzer Linie. Dass sich die Zombies so schnell bewegen, mag ja Unsitte sein, ist aber seit „28 Days Later“ nichts Neues oder gar Bahnbrechendes mehr. Für diesen Part: 5/10
3. Horrorsequenzen: da aus Hollywood fast nur noch massenkompatible Filme im MTV-Style kommen, bildet dieser Film eine unterhaltsame Ausnahme zu dem übrigen Teenie-Slasherhorror, der ja eher etwas zu seicht daherkommt. Da war der eine oder andere Goregehalt bei Dawn 2004 doch mal erholsam direkter. Da auch weitgehend auf Computeranimation verzichtet wurde und das gute alte Kunstblut seinen Zweck erfüllen durfte, gibt’s für einen ansonsten handwerklich vertretbaren Horrorfilm einen Bonus von 7/10 – denn diese Szenen tragen nicht unerheblich zum einen oder anderen spannenderen Moment bei (Kettensägen, Biss-Szene, Menge Blutspritzer...etc.)
Fazit: Betrachtet man Dawn von Zack Snyder als eigenständigen Horror-Film, so ist er erträglich und an einigen Stellen auch unterhaltsam, büßt allerdings Spannung wegen der fehlenden Atmosphäre und dem lieblosen Plot ein. Als Splatterfilm im Sinne des klassischen Begriffs kommt er jedenfalls nicht ganz durch (28 Days Later ja auch nicht, aber da steckte ja auch eine etwas andere Absicht hinter).
Die Gastauftritte von Ken Foree und Tom Savini sind nur Mittel zum Zweck einer etwas zu aufdringlichen Hommage an Romero, die im Nachhinein auch nicht wirklich gelungen ist (wie könnte es auch anders sein). Dass dazu noch bei 28 Days Later geklaut worden ist, macht das Ganze auch nicht origineller, sondern eher etwas abgekupfert. Auf den DVD-Unrated-Cut zu warten, ist für mich Verbraucherverarsche und kommerzielle Berechenbarkeit, denn man muss den Film so werten, wie er uns nun serviert wurde:
4/10 (Story) , 5/10 (Spannung/Atmo), 7/10 (Horror-Bonus) = 16 Punkte : 3 =
5,3 von 10 Punkten.
PS: Man darf durchaus darauf gespannt sein, was Zack Snyder uns noch so vorsetzt. Kommerziell gesehen hat er ja mit diesem „Remake“ eine Hollywood-Eintrittskarte ergattert, die auf Besseres hoffen lässt.