Der Trend zur aufgefrischten Idee gibt’s vor: die Neuverfilmung von „Dawn of the Dead“ ist da!
Ob das nun ein Remake, ein Redo, eine Neuinterpretation oder eine moderne Auffrischung geworden ist, steht am Ende praktisch gar nicht zur Debatte. Der gesellschaftskritische Ansatz, den Romero verbraten hat, interessiert Neo-Regisseur Zack Snyder nämlich nur am Rande und als zusätzlicher Farbtupfer.
„Dawn of the Dead“ soll spannend sein, basierend auf seiner beklemmenden Endzeitsituation, in welcher eine Gruppe von Menschen sich in einem Einkaufszentrum verbarrikadiert, um sich vor beißfreudigen lebenden Toten zu schützen.
Darauf solls ankommen und dazu ist Snyder jedes Mittel recht. Und siehe da: der Mann erweist sich als einfallsreicher und erfrischender Regisseur, der nicht den Fehler macht, seinen Film zu überladen, wie es Markus Nispel leider mit TCM versucht hat.
Ohne besonders bunt oder hip sein zu wollen, reduziert er den Fokus auf eine kleine und für den Zuschauer immer noch überschaubare Gruppe. Dabei stürzt er den Zuschauer regelrecht in die Ausweglosigkeit der Situation am Beispiel einer Krankenschwester, die die alarmierenden Vormeldung aus verständlichen Gründen (Dienstende, Müdigkeit, Suche nach Musik im Radio, Sex statt Fernsehen) nicht mitbekommt, um dann am nächsten Morgen ein blutspritzendes Ehedrama erster Güte geliefert zu bekommen, um dann während ihrer Flucht festzustellen, daß sie sich in einer Untotenapokalypse von beachtlichem Ausmaß befindet. Die sauberen amerikanischen Großstädte verwandeln sich in einen Haufen Blut und Chaos.
Wenn sich das Häufchen Protagonisten dann endlich in einer Shoppingmall eingefunden hat, geht das Drehbuch die möglichen Varianten von persönlichen Motivationen, Charakteren und das Gut/Böse-Schema der Reihe nach durch, flott gewürzt durch Untotenattacken. Dabei kommt keine abgeschmackte Langeweile auf, Snyder erweist sich als spannungstechnisch virtuoser Regisseur, der sowohl Schocks als auch subtile Kameraarbeit drauf hat. Wobei nie vergessen wird, welche Zielgruppe hier beliefert wird, denn es wird gehackt, gebissen, durchstochen, zerballert und gespritzt, daß es nur so eine Freude ist. Nicht zu wenig, nicht zu viel um selbstzweckhaft zu sein, geht der Film zur Sache. Und die ist ernst.
Ernst genug, um zwischendurch auch mal Druck abzulassen. Daß im totalen Nihilismus einer zombieüberrannten Gesellschaft der menschliche Geist nicht unterzukriegen ist, braucht der Zuschauer, um durchzuhalten. Also Scheibenschießen auf Zombies, Mall-Dach-Golf und Schach per Tafel, während der Soundtrack sich alle Mühe gibt, musikalisch das Gesehene und Geschehene entweder zu unterstützen, zu veralbern oder zu konterkarieren. Wenn also Fahrstuhlmusik erfreut zur Kenntnis genommen wird, nach einer Attacke „Don’t worry – be happy“ zu hören ist oder Johnny Cash im dicht geschnittenen Vorspann treffend „The Man comes around“ singt, dann liefert der Film atmosphärische Höhepunkte.
Wie gesagt: viel Sozialkritik ist nicht. Die Auftritte alter Romeroveteranen wie Ken Foree oder Tom Savini sind nette Gags, bringen aber dem Film nicht so viel. Das Miteinanderauskommen steht im Mittelpunkt, gleichauf mit der Blut- und Fightaction. Für Unterhaltung ist so dementsprechend gesorgt.
Aus seinem beklemmenden Hoch fällt der Film erst zum Showdown in die Niederungen der bekannten Beliebigkeit, wenn in Folge einer Fahrt zum Hafen gut zwei Drittel des Casts mehr oder minder auf die Schnelle noch den Löffel abgeben müssen. Das hat zwar Drive und ist sehr farbig gemacht, aber hier siegt die Vorhersehbarkeit plötzlich über die treibenden Aktionen. Daß man einen früh im Film eingeführten Bad Guy etwa nach seiner fast kompletten Läuterung und tapferen Einsatz durch einen unnötigen und überflüssigen Kniff doch noch in die nächste Welt befördert, wirkt dann doch den Hollywoodgesetzen zur Ehre gereicht.
Auch die Entscheidung, an ein offenes Ende während des Nachspanns noch eins dranzuhängen (obwohl manche letzteres eher als endgültig sehen), bringt den Film nicht unbedingt weiter, aber der Gesamteindruck von Snyders Film ist dem Horrorgenre mehr als würdig und wirkt geschlossener als etwa der ähnliche Vorläufer „28 Tage später“, der seine Angreifer ebenfalls entgegen den Genrekonventionen beschleunigte.
Druck, Drive, Atmosphäre, Gore und ansehnliche Schauspielerleistungen ohne schmerzhafte Klischeecharaktere (obwohl sie vorhanden sind) machen sicher einen der besten Horrorfilme des Jahres aus. Kein Klassiker, aber auch nichts, weswegen man sich schämen sollte. (8/10)