Vorweg, das Original kenne ich nicht, daher kann ich dementsprechend auch nicht sagen welcher Film nun besser ist.
Der Film beginnt ohne Vorgeschichte und liefert auch keine Erklärung für die Rückkehr der Toten.
Die Krankenschwester Ana (Sarah Polley), eine der Hauptfiguren des Films, möchte nach einem langen Arbeitstag nur noch nach Hause und entspannen. Sie ignoriert die Nachrichten und hört lieber Musik oder vergnügt sich mit ihrem Freund. Dadurch verpasst sie die Meldungen über die unerklärlichen Vorfälle und erlebt am nächsten Tag ein Böses erwachen, denn sie befindet sich plötzlich mitten in der Apokalypse. Vorweg, die Szenen die Snyder uns nun zeigt sind die spannendsten und besten des ganzen Films, was nicht heißen soll, das der Rest Käse wäre.
Wenige Filmminuten früher wurde dem Zuseher noch aus der Vogelperspektive ein friedlicher Vorort gezeigt und nun herrscht dort ein grausames Chaos. Untote jagen Menschen und fressen sie, Krankenwagen mähen alles um, was ihnen in den Weg kommt und blutüberströmte Menschen versuchen zu fliehen.
Sofort ist der Zuschauer gefesselt und schockiert von diesen beängstigenden Bildern.
Ana kann aus dem Vorort fliehen und versucht zu einer, durch die Nachrichten genannten Fluchtstädte zu gelagen, doch unterwegs wird der Zuschauer Zeuge, dass für viele (übrigens auch für Ana) in diesem Chaos nur das eigene Überleben zählt, wodurch Ana mit ihrem Auto verunglückt. Wie gesagt diese Szenen sind Atemberaubend und höllisch gut inszeniert. Selbiges gilt für die Anfangscredits die mit Nachrichtenbildern gespickt sind, die noch einmal die Ausweglosigkeit der Situation klar machen. Dazu läuft Johnny Cash. Besser geht es kaum.
Anschließend geht es wieder weiter mit Ana, die nicht lange alleine bleibt und unter anderem auf Polizist Kenneth (Ving Rhames) trifft. Gemeinsam flüchten sie in ein Kaufhaus, das natürlich erst mal "gesäubert" werden muss. Snyder kann dabei die bedrückende Stimmung aufrecht erhalten und sorgt durch geschickte Kameraeinstellungen für gehörig Spannung. Zwar kündigen sich die Untotenangriffe meist vorher an, doch Snyder zögert den Angriff oft ziemlich lange raus, sodass der Schockmoment dann doch wieder überraschent passiert.
Auch hier ist die Musikuntermahlung wieder mehr als genial und recht makaber: Die Überlebenden streifen auf Zombiejagd durchs Kaufhaus, draußen ist die Hölle ausgebrochen und während dessen läuft im Kaufhaus "Don't worry, be Happy" in einer Kaufhausdudel Fassung. Ideen muss man haben. ;)
Den Spannungspegel kann der Film aber leider nicht halten und irgendwann stellt sich auch ein wenig Leerlauf ein. Um den zu füllen, zeigt der Film im Schnelldurchlauf wie die Überlebenen den Tag verbringen oder es wird auf schwarzen Humor gesezt. Die Sniperszene z.B. ist auf der einen Seite zwar zum Brüllen komisch, zerstört aber andererseits etwas die Atmosphäre. Natürlich gibt es zwischendurch immer mal wieder Zombieattacken, z.b. wenn eine Handvoll Menschen in einem LKW zum Einkaufszentrum fahren, im Gepäck auch infizierte Leute, oder wenn sich ein Trupp mutiger zum Stromgenerator in der Tiefgarage aufmacht. In diesen Szenen schafft Snyder es sofort wieder Spannung aufzubauen.
Am Schluss steht dann die obligatorische Flucht aus dem Kaufhaus an. Hier mutiert der Film dann zu einer Action- Splatter- Orgie, die eigentlich nur noch auf simple Unterhaltung und nicht mehr auf Spannung setzt. Hier muss noch mal ein erheblicher Teil der Gruppe dran glauben, was einen aber aufgrund der Tatsache, dass man kaum etwas über die einzelnen Charaktere erfährt, kaum kümmert. Auch die Beziehungen zwischen den Überlebenden werden nicht richtig deutlich, bzw. der Film nimmt sich dafür keine Zeit, wodurch die angedeutete Liebe zwischen einzelnen Leuten nicht wirklich nachzuvollziehen sind. Die Darrsteller haben dem entsprechend auch nicht viel zu tun. Ving Rhames und Sarah Polley stechen mit ihren Leistungen heraus, aber auch der restliche Cast agiert überzeugent ohne sich groß anstrengen zu müssen.
Genre- like geht es in diesem Film sehr blutig zu: Kopfschüsse, abgetrennte Körperteile, hässliche Bisswunden etc. Statt wegzuschneiden, wird mit der Kamera draufgehalten und die Make up Effekte können absolut überzeugen. So etwas blutiges hat man schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen. Sehr schön... ;)
Fazit: Spannender, zum Schluß hin Actionreicher Horrorfilm, der mich voll überzeugen konnte. Gelungenes Regiedebüt. (9/10)