Mit einiger Verspätung hab ich nun den "neuen" Dawn of the Dead gesehen und bin erschüttert! Daß sich so ein Nichts von Film tatsächlich ungestraft auf einen Klassiker berufen darf - wobei sich das eh hauptsächlich auf den Titel und einige wenige Handlungsaspekte bezieht, sonst haben die beiden zum Glück fast nichts gemeinsam -, ist ein waschechter Skandal.
Immerhin ist er recht kurz geworden, auch wenn man bisweilen subjektiv den Eindruck hat, er dauere 2 Stunden. Remakes sind ja nicht per se eine schlechte Sache, denn jeder Film hat auch Schwächen, die man in einer Neuauflage verbessern kann (WENN man es kann!). Je hochwertiger allerdings das Original ist, desto schwieriger gestaltet sich klarerweise dieses Unterfangen und bisweilen fällt man in eine oder viele Fallen, wie eben auch hier. Vor allem, wenn man die Stärken der Vorlage als Schwäche zu erkennen meint. Gut, die Länge mancher Fassungen von Romeros Dawn ist ein Problem, aber die Geschichte ist nun mal episch angelegt und daraus einen überdimensionierten Videoclip á la Snyder zu machen, ist schon die erste Todsünde. Die "langsamen" Zombies waren zwar durchaus auch grotesk (allerdings war das beabsichtigt, damit man sie unterschätzt, bis sie einen in der Zange hatten), nur, den umgekehrter Weg zu gehen und highspeed-Untote in der Art von "28 Days Later" herumhüpfen zu lassen, ist definitiv kontraproduktiv, denn wer hat nicht schon mal über Nosferatus Zeitraffer-Kutsche in Murnaus Meisterwerk geschmunzelt. Dazu kommen viel zu hektische Kampfszenen, natürlich ausschließlich in Nahaufnahmen gedreht, damit man sich eine Choreographie erspart und langweiligste Dialoge, in denen jeder der männlichen Dumpfbacken pro Einheit mindestens 2 Pläne zum Entkommen aus dem Einkaufszentrum zum Besten gibt.
Der Blutgehalt ist in etwa so hoch wie in jeder "Scream"-Folge und während ich gleich anfüge, daß man "böse" Filme auch ohne Kaskaden von Filmblut machen kann, so sollte man wenigstens peinliche Effekte vermeiden, wenn man schon eine vermeintlich schockierende Zombiebaby-Geburtssequenz meint einbauen zu müssen und mit einem Brain Dead-ähnlichen "Buh!"-Effekt übrig bleibt, der eher für einen Lacher denn einen Grusler taugt. 6, setzen!
Naja, und dann, nach viel Getöse, dem man aufgrund der Kameraführung eh nicht folgen kann, entkommen die verbleibenden Nichtsgesichter - hatte ich die generelle Schauspielleistung schon kommentiert? Also etwa c-Sitcomniveau - mit einem Boot, wobei, zwischengeschnitten mit den Endcredits, die wahre Enthüllung über die Insel kommt, an der sie anlegen. Sorpresa, sorpresa, sie ist voller Zombies.
Und dann kriecht dieses entsetzliche Gefühl den Nacken rauf, daß man diese eineinhalb Stunden seines Lebens nicht mehr zurückbekommt.
Selbst im Vergleich zum Standard-Teenie-Slasher Remake von Texas Chainsaw Massacre stinkt dieser Videoclip mit zeitweiliger Harnverhaltung ab und als einizge Positivbuchung darf Johnny Cashs "The Man comes around" über der Titelsequenz genannt werden. Eine Genugtuung bleibt immerhin: in 10 Jahren erinnert sich keiner mehr an "Dawn of the Dead 2004", aber die DVDs von Romeros Standardwerk werden sich nach wie vor gut verkaufen.