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Was wurde vor dem eigentlichem Release nicht alle geschrieben, über die Unnötigkeit eines Remakes von George A. Romeros Horrorklassiker, darüber, dass der Film zum Scheitern verurteilt ist und darüber, dass rennende Zombies eigentlich keine richtigen Zombies sind. Zugegeben, ich bin wahrscheinlich nicht der größte Romero Fan auf diesem Planeten, ich habe das Original immer als apokalyptische Robinson Crusoe Variante gesehen, das vor allem durch bissige Sozialkritik zu überzeugen wusste. Aber war Romeros Dawn of the Dead ein guter Horrorfilm? Meiner Meinung nach nicht, dafür mangelte es einfach an Tempo, Spannung und Überraschungen.

Als reinrassiger Horrorfilm weis das Remake aber um so mehr zu überzeugen. Zack Snyders Dawn of the Dead Version ist zwar weniger ein Remake, als eine Neuinterpretation, aber auf alle Fälle ist sie einer der besten Horrorthriller die ich in den letzten Jahren im Kino bewundern durfte. Es handelt sich um einen zeitgemäßen Film, der nicht mit modischem MTV Schnickschnack zugemüllt ist. Der Film nimmt mit fortschreitender Handlung Tempo auf, und die Inszenierung passt sich in der Geschwindigkeit an. Die finalen Actionszenen sind schon sehr rasant geschnitten, aber man wird langsam an daran herangeführt. Die Kameraarbeit fällt im ganzen Film positiv auf, von den Luftaufnahmen bei Annies Flucht, über die Ansichten vom Dach der Mall bis hin zu den Massenszenen, bei denen man trotz des Tempos noch genügend Gelegenheit bekommt das fantastische Make-up der Untoten zu bewundern.

Was den Film auch positiv von der Masse schlechter Horrorfilme äußerst positiv abhebt sind die realistischen Charaktere. Es gibt so gut wie nie Szenen in denen man sich an den Kopf greift und fragt „Wie blöd muss man eigentlich sein?“ Die Handlungen entsprechen immer den charakteristischen Eigenschaften der Figuren und sind innerhalb der extremen Situation glaubwürdig. Die Hauptdarsteller (Polly, Weber, Rhames) liefern klasse Leistungen, die restlichen Darsteller hauchen ihren Figuren Leben ein, haben aber recht wenig Freiraum. Ein paar Personen weniger wären hier vielleicht mehr gewesen.

Die Musikuntermalung ist recht eigenwillig, passt aber besser zu den gezeigten Bildern, das gilt sowohl für Titel und Endsequenz, als auch für den eigentlichen Film. Gorehounds kommen hier voll auf ihre Kosten, unzählige Kopfschüsse, über zugerichtete Zombies und der effektvollste Kettensägeneinsatz der Filmgeschichte, dürfen bestaunt werden. Neben Blut überzeugt Dawn of the Dead aber vor allem durch echte Spannung, vor allem die Szenen in der man nur über ein Funkgerät die Ereignisse in einem entferntem Gebäude hört, ist ein an Spannung kaum zu überbieten.

Bevor ich zum Fazit komme noch ein paar Worte zur Directors Cut Version. Es gibt ein paar neue Charakterszenen, welche aber nicht genügen um den Nebenrollen genügend Freiraum zur Entfaltung zu geben. Die neuen Actionszenen passen zwar logisch gut in die Handlung, scheinen aber qualitativ hinten den Effekten, die schon in der Kinofassung zu sehen waren zurück zu stehen. Der DC ist weder besser noch schlechter als die Kinofassung, er ist wirklich nur neun Minuten länger.

Fazit: Zack Snyder hat mich mit Dawn of the Dead schwer überzeugt. Ein zeitgemäßer Film, ohne übermodern zu wirken. Ein blutiger, actiongeladener Film ohne dumm zu wirken. Ein rasanter Film, ohne die menschliche Seite zu vernachlässigen. Der Film erlaubt sich weder im Drehbuch noch in der Inszenierung auffallende Schwächen. Vielleicht ein paar Figuren weniger, ein paar Berichte von den globalen Geschehnissen mehr oder die A-Team Musik beim umbauen der Trucks hätten noch was verbessern können. Aber so und nicht anders hat ein Horrorthriller 2004 auszusehen, das muss George A. Romero erst mal überbieten.

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