Review

Als die Neuauflage von Dawn of the Dead im Kino erschien, war ich zunächst äußerst misstrauisch. Das in Hollywood zur Zeit grassierende Fieber, Klassiker des Horrorfilms, seien es moderne oder die älteren Semesters, nachmachen und verschlimmbessern zu wollen, ging mir gehörig auf den Sack. Meist kommen dabei ja doch wieder nur im wahrsten Sinne des Wortes blutarme Teenieslasherfilmchen dabei heraus, die man mit Gehirn auf Durchzug und zehn Litern Pils im Kreislauf halbwegs aushalten kann, solange der Ton aus ist und man nicht auf den Bildschirm achten muss. Das knallharte Zombiegenre war jedenfalls lange Jahre tot und fand erst durch den eher mäßigen 28 Days Later von Danny Boyle wieder ernsthafte Beachtung.
Nun hat sich mal wieder ein junger Regisseur an das Genre gewagt, und als Vorlage gleich den zentralen Meilenstein des modernen Zombie- und auch Splatterfilms zur Brust genommen: Dawn of the Dead von unserem allseits geliebten George A. Romero.
Und eine Sache hat Mr. Zack Snyder, so sein Name, gleich richtig gemacht: er hat gar nicht erst versucht, den Film komplett zu kopieren und damit Vergleiche zur schlurfigen, meterdicken Atmosphäre des Originals aufkommen zu lassen. Stattdessen setzt er auf einzelne Motive, die dem Fan von damals (und heute natürlich auch noch) bekannt vorkommen und strikt daraus eine apokalyptische, rasend schnelle Story, die einem oft (un)angenehm ins Gesicht schlägt, vor allem, wenn man bedenkt, mit wieviel PG-13 Möchtegernhorrofilmchen im CGI-Rausch man so seit der Erfindung des C64 gefoltert wurde.
Snyder setzt auf einen partykompatiblen, MTV-artig geschnittenen Splatterspaß, in dem er dem Zuschauer trotzdem genug Zeit gibt, um in dem unwirklichen Szenario zu schwelgen. Und er verleiht dem ganzen sogar ein Quentchen Glaubwürdigkeit, indem er den Plot mit immer hoffnungsloser wirkenden TV-Spots untermalt, denen die Überlebenden über die Hintergründe der Katastrophe mutmaßen (das habe ich erstens im Original schon geliebt, und zweitens hat Multitalent Tom Savini hier einen Gastauftritt als Sheriff).
Aber gerade da sich der Film, vor allem wegen des Titels, an den Ergüssen Romeros messen lassen will / muss / kann, schleichen sich dann doch einige Wermutstropfen ein. So schafft es Snyder gerade in den Spannungssequenzen fast nie, tatsächliche Spannung aufkommen zu lassen, viel zu vorhersehbar und ausgelutscht sind hier die Schockeffekte. Auch der eben erwähnte hektische Schnitt trägt in seiner Unausgewogenheit dazu bei. Ums einfach auszudrücken: bei Romero war Kopp ab = Kopp ab, bei Snyder muss man in Zeitlupe mit Ultrazoom hinschauen, um wirklich mitzukriegen, was da grad alles passiert. Zumindest relativ oft, denn manchmal lässt sich der Regisseur denn doch zu halbwegs expliziten Szenen hinreißen. Und dann wären da noch die eher platten Charaktere, auch hier Vorhersehbarkeit at its best, ohne viel Hintergrund oder Entwicklung.
Naja, sei's drum, aus den Achtzigern sind mir viele Filme bekannt, in denen Romero wesentlich beschissener kopiert und das Angucken echt zur Qual wurde. Um mal wieder einen "richtigen" Zombiefilm zu sehen, mit so einem herrlich langsamen Pace wie der originale Dawn of the Dead, muss man wahrscheinlich eh auf das neue Werk von Romeroschorsch warten, und so lange sind mir die zähnefletschenden Hektikuntoten Snyders immer noch lieber als gar keine....

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