Review

Ich war 12 Jahre alt, als ich mich in ein Berliner Bezirkskino setzte, um mir diesen gerade mit der goldenen Leinwand ausgezeichneten und in aller Munde befindlichen Horrorschocker mit den damals noch seltsam obskuren Titel ZOMBIE anzuschauen. Die Besitzerin ( Gott habe sie seelig ! ) ignorierte wie gewöhnlich die Altersfreigabe und aus der Erwachsenenvorstellung wurde eine Jugendvorstellung der Extraklasse. Mein bester Kumpel und ich fühlten uns abgehärtet durch das in den 70ern so beliebte Tier Horror Genre. Neugierig aber äußerlich cool lutschten wir unser Langnese Eis ( glaube es war ein Dolomiti und n' Brauner Bär ). Als sich die Leinwand öffnete und die Musik von GOBLIN erklang, veränderte dieser Film mein Leben !

Das war 1979. Im Herbst 2003 hörte ich das erste Mal, daß mein absoluter Lieblingsfilm wieder verfilmt wird. Wie unschön. Aber man sollte sich nichts vormachen, als Filmfreund ist ja trotzdem eine gewisse Neugier vorhanden. Auch ich bin nicht frei davon.Ok, Trailer im Internet gesehen, irgendwie Scheiße, aber ich wurde doch heiß auf das Teil. Dann kam die Möglichkeit sich den Film frühzeitig im Nacht der Schreie Tripple Feature anzuschauen. Der 3. Film war übrigens der neue Argento, ein weiterer Grund der es rechtfertigte sich die Nacht um die Ohren zu kloppen. Ich bin voreingenommen in den neuen DAWN gegangen. Ich wollte diesen Film scheiße finden und er hat es geschafft. Dieser Film ist so mies und überflüssig, schlimmer geht es ( fast ) nicht. Wäre der Film als was weiß ich, sagen wir ZOMBIE 2000 oder TWILIGHT OF THE DEAD erschienen, könnte ich gnädig sagen, na ja mal wieder ein nettes Zombie Filmchen. Aber die Verantwortlichen nennen ihr Machwerk DAWN OF THE DEAD und berufen sich auf George a. Romeros bahnbrechendes Masterpiece von 1978. Einen Low Budget Genre Film der die Welt eroberte. Wenn man so ein Projekt versaut, muß man auch dementsprechend abgestraft werden. Was ich diesen Film nicht verzeien kann ist so einiges. Nach dem zugegeben wirklich guten Beginn ( spannend, blutig, apokalyptisch ) wird es mit den Kredits schon richtig mies. Ein Johnny Cash Song begleitet das hektische Geschehen auf der Leinwand. Was soll denn das ? Warum nicht der neue Hit von R. Kelly oder Britney Spears. Um das mal klar zu stellen. Ich habe ein Dutzend Alben von King Cash, aber dieses " Stilmittel" fand ich völlig daneben. Im Verlauf des Films werden wir noch so manchen deplazierten Song hören, der normale Score ist leider total Belanglos. Wie der Film weitergeht weiß sowiso jeder. Eine Gruppe von Durchschnittsamis flüchtet und verbarrikadiert sich in einem Einkaufszentrum und schirmt sich dort von der Außenwelt und der "Draußen" immer furchtbarer werdenden Zombieseuche ab. So jetzt sind wa also im Kaufhaus. Unter Videoten hieß das Original übrigens immer "ZOMBIES IM KAUFHAUS" ! In DAWN 78 verschanzen sich 4 total unterschiedliche Charaktere. Jeder einzelne ( bis heute vollkommen Unbekannte )Schauspieler überzeugt zu 100 Prozent. Man interessiert sich für diese Menschen, ja identifiziert sich mit ihnen. In Dawn 2004 befinden sich über ein Dutzend Figuren im Kaufhaus. Außer VING RHAMES der gut wie immer agiert und wohl so etwas wie die Rolle von KEN FOREE aus den DAWN 78 darstellen soll ( schwarzer überlegener Cop ), floppen die weiteren unterirdischen Flitzpiepen gnadenlos. Selten solche erbärmlichen Schießbudenfiguren erlebt und man ist ja vom US Kino so einiges gewohnt. Als ob man diese beim GUTE ZEITEN SCHLECHTE ZEITEN Casting entdeckt hat = ARGHHH. Ob diese Nullen zerfleischt werden, oder beim Kacken ins Klo fallen, who cares ? Da ist z. B. ein total unsymphatischer Obersturmbandführer vom Wachdienst, der Fiesling hoch drei. Ohne ersichtlichen Grund wird der vom Saulus zum Paulus und stirbt den Heldentod. Der Film ist auch trotz seiner ( im Kino ) kurzen Laufzeit langweilig. Es gibt keine schönen neuen Ideen des Drehbuchs. Die einzige gute neue Idee ist der arme Andy, der ca. 200 Meter vom Shopping Center einen kleinen Waffenladen hat. Den Hungertod nicht mehr fern, freundet er sich über auf Schrifttafeln gekritzelte Mitteilungen mit VING an. So spielt man Schach, oder vertreibt sich die Zeit mit erfrischenden Zielübungen auf prominent aussehende Untote. Warum nicht mehr von solchen Szenen. Ist denn jede Innovation wirklich zu viel verfangt ? Wenn der Drehbuchautor davor SCOOBIE DU ( oder so ähnlich ) geschrieben hat, warscheinlich schon. Wie man einen Zombie Klassiker sehr wohl toll wieder verfilmen kann, hat ja TOM SAVINI mit seiner NIGHT OF THE LIVING DEAD Version bewiesen. Im Gegensatz zum Original fliehen die beschriebenen Chaoten mit zwei schnell zusammen geschusterten MAD MAX 2 Endzeit Mobilen. Ein paar Hirnis kratzen ab, andere wieder besteigen ein Boot mit dem man ins geheiligte Land fliehen möchte. Zur Hardcore Mucke von SLAYER Drummer Dave Lombardo, müssen unsere restlichen Helden in der schlechtesten Abspannsequenz der letzten Jahre erkennen, daß es kein Entkommen gibt. Der in den Arm gebissene am Srand zurück gebliebene Symphatie Snob macht in den Sonnenuntergang winke winke. Im Kino war ich nur angeödet. Aber jetzt, wo dieses faule Ei auch noch die besten Kritiken abbekommt, mußte ich mal reagieren. Leute was ist nur mit euch los. Rennende hyperaktive Zombies. Passierte so etwas in einem Italienischen Film, z.B. Umberto Lenzis ökologischen NIGHTMARE CITY, habt ihr Euch aufgeregt, hier wird das abgefeiert. Und überhaupt, was waren das für großartige Zeiten, als Spanier und Italiener den Welterfolg DAWN zwar kopierten, aber auf abstrackt europäische Art und Weise. Jeder neue FULCI war ein Grund zum feiern. Dieses DAWN Rip Off ist ein Grund zum heulen. Ach ja, der Directors Cut. Den konnte ich neulich genießen, der gleiche Schrott. Erstaunlich nur, daß bei den DVD Specials zwei wirklich gelungene Schmankerl dabei waren. Zuerst habe ich das filmische Tagebuch vom bemitleidenswerten Andy angewählt. Dufte Idee. Richtig klasse fand ich die Nachrichtensendung in der ein beunruhigter Afroamerikanischer Ulrich Wickert Verschnitt nichts ahnend die Zombieepidemie moderieren muß und alle Facetten von erster Beunruhigung, Hysterie und Resiegnation mit seinen bescheidenen schauspielerischen Talent darstellen darf. Der arme Kerl muß sich Beiträge reinziehen, die eigentlich schockieren doch zugleich saukomisch sind. TOM SAVINIS Bombenszene als Bulle sei hier erwähnt ( Er wird interviewt , zeigt geistesabwesend auf ein erlegte Zombie Dame und murmelt : ich glaube die Braut habe ich mal gevögelt). Wie das Thema Lebende Tote höchst intelligent im Jahre 2000 verbraten werden kann, haben erstaunlicher Weise die Briten mit DEAD CREATURES bewiesen. Der einzige postive Aspekt ist wohl der, daß GEORGE A. ROMERO durch den Erfog von DAWN 2004 Investoren gefunden hat um endlich wieder das zu tun wozu er berufen wurde. Er dreht seit kurzem seinen vierten Zombie Film LAND OF THE DEAD. Obwohl Onkel George seit DAY OF THE DEAD ausschießlich Müll fabrizierte, freue ich mich doch sehr über diese Nachricht.

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