Es gibt Filme, an denen gibt es fast nichts zu kritisieren. Einer von ihnen ist Dawn of the Dead in der Fassung von 2004.
Freunde des Originals hatten das Schlimmste befürchtet. Ein Remake eines solchen Klassikers, ausgerechnet von einem Regisseur, der bisher nur Werbung gedreht hat? Solche Experimente waren bisher eigentlich immer in die Hose gegangen. Und man fragt sich jedesmal, ob diese Leute so dumm oder eher geschmacklos sind, daß sie nicht verstehen, daß sie mit ihren Profilierungsversuchen den eingeschworenen Fans einen Keil ins Herz treiben.
Zack Snyder erklärte sich selbst zum Fan und drehte das Original neu - und das in einer Qualität, die niemand für möglich gehalten hätte. Der Zombiefilm war mit einer kleinen aber feinen Veränderung durch 28 Days Later plötzlich für das Massenkino wieder interessant geworden: Der Zombie lernte zu rennen. Zack Snyder nahm diese Vorlage dankbar an und kreierte einen Film, der kein billiger Abklatsch des Originals mehr ist und der auch mit 28 Days Later absolut nicht vergleichbar ist. Eine absolut gelungene neue Interpretation von George A. Romeros Meisterwerk.
Die Krankenschwester Anna wacht in einer Hölle auf. Eine Zombie-Epidemie ist losgebrochen und in der ganzen Stadt ist der Teufel los. Mit ein paar weiteren Überlebenden kann sie sich in einem Kaufhaus verschanzen...
Die Geschichte unterscheidet sich nicht allzusehr vom Original-Dawn. Dennoch ist der Film komplett anders, ohne das Original in meinen Augen zu beleidigen. Natürlich wird in einigen Szenen auf neumodische Schockeffekte gesetzt, die vor allem durch die schnellen Zombies möglich werden. Hauptsächlich geht es aber um die verzweifelte Lage der Überlebenden, die ihre Differenzen und gegenseitigen Vorurteile beiseite schaffen und zusammenarbeiten müssen, um irgendwie zu überleben.
Sehr gut hat Snyder die "wissenschaftliche Seite" der Zombie-Thematik bearbeitet. Zwar bekommt man keine neuen Antworten darauf, warum die Epidemie ausgebrochen ist ("Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück"). Aber es gibt neue Einblicke in das Zombie-Universum, wenn man z.B. die Folgen der Schwangerschaft einer infizierten Frau miterleben darf.
Die Brutalität kann leider mit dem Original nicht mithalten. Auf ausgiebige Szenen, in denen Gedärme gefressen werden, muß man verzichten. Vor allem die DVD enttäuscht, wurden doch 10 Minuten mehr angekündigt, auf denen dann leider nicht eine Szene brutaler als im Kino ist. Das heißt jedoch nicht, daß dieser Film harmlos wäre. Eine solch exzessive Gewalt hat man in deutschen Kinos seit Jahren nicht gesehen. Auch wenn die Fress-Szenen zurückstecken müssen, gibt es doch zahlreiche krasse Kopfschüsse, abgetrennte Glieder und einigen anderen filmischen Augenschmaus.
Der neue Dawn gibt dem nicht zu verbohrten Genre-Fan eigentlich alles: Gewalt, viel Action, toll geschminkte Zombies, Spannung, Blut und kein Happy End.
Bleibt die Frage, warum ich ihm nicht die volle Punktzahl gebe. Die hätte er bekommen, wenn er kein Remake gewesen wäre. An sich ein 10-Punkte-Film, aber den Original-Dawn finde ich doch noch ein kleines bißchen besser.