Pfui bah, bei einem Titel wie „Embryo des Bösen“ erwarte ich ja sofort einen schleimtriefenden Abtreibungshorror aus der Hongkong Kategorie III, wenn man aber mal zum Original rüberkarawaniert, wird’s noch bizarrer: „And now the screaming starts“ – was auf gut Ruhrpott heißt: Und nu könnt ihr brüllen!
Hat man dieses Amicus-Produkt dann aber gesehen, liegen die Deutschen doch näher dran, obwohl auch ganz zünftig rumgekreischt wird, zufriedenstellend ist aber keine Titelauswahl.
Amicus war ja schon immer die billige Hammer-Variante, aber hier haben sie mal einen hübschen Gruselfilm zusammengeschustert, der dann auch mal zu ungewöhnlicher Zeit, nämlich so kurz vor 1800 spielen darf.
Das bedeutet: alte Kostüme, alte Flüche, alte Gebäude.
Und ja, das ist alles sorgfältig, hübsch und solide gemacht, die Ausstattung ist recht ordentlich und die Story – die ist die eigentliche Überraschung, denn hier geht es nicht um Vampire oder ähnlich Greif- und Vernichtbares, sondern um eine Art Reinkarnationsfluch, dargeboten in Form einer filmischen Gothic Novel (die Zeit stimmt da hervorragend), nur eben ein wenig graphischer.
Los geht alles mit der Ankunft der unverwüstlichen Stephanie Beachum, die schon bei Old Dracula Mini-Mädels dabei war und sich von Brando in „The Nightcomers“ an die Liegestatt fesseln lassen durfte. Die ist die neue Herrin auf Schloß Montechristo oder wie auch immer und ihr Männe ist ein fröhlich-fescher Kerl. In der Familie liegt aber einiges im Argen, denn aus Großvaterns Portrait kracht ihr bei erstem Rundgang ein blutiges Händsche entgegen. Time for „Kreisch!“.
Der Böse hatte sich vor arg was zuschulden kommen lassen, was das ist, erfahren wir aber erst auf der Schlußgeraden, solange ergeht sich das unwillige Personal im Hosenflattern oder Vor-sich-Hinknurren, aber die andauernde Erscheinung eines augenlosen Typen, dem auch noch ein Griffel fehlt und dem Holzfäller von hinterm Forst verblüffend ähnlich sieht, läßt Böses ahnen.
Bis wir endlich aufgeklärt werden, müssen aber noch einige dran glauben, nämlich alle, die mal gepflegt plaudern wollen, inclusive des Familienarztes und einer hilfreichen Angestellten, die dank eines innerhäusischen Hurricane Katrinas die Treppe rückwärts nimmt. Die Teppiche wehen, die Fenster knarren und viele düstere Anzeichen mehren sich....hoho!
Der flapsige Ton soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß ich schon wesentlich fadere Kostümstücke gesehen habe und auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, daß Bodennebel nur genau auf dem etwa 100qm großen Familienfriedhof zwischen den Gräbern herrscht und nicht in Wald und Wiese rundrum, hält einen der Film meistens bei der Stange.
Auf den großen Peter Cushing muß man allerdings ein Weilchen warten, der als Frühpsychologe erst nach der Halbzeit eingewechselt wird und grimmig aufs Therapiesofa lädt, um dann doch den Detektiv raushängen zu lassen (und daran interessanterweise nicht stirbt). Sobald es schließlich zur aufklärenden Rückblende kommt, gibt’s dann doch ein Juwelchen: Herbert Lom als schmieriger Vorfahr läßt es mit seinem Anrecht als Gutsherr auf die erste Nacht mit der Braut des Angestellten so richtig krachen und die Hose auch noch runter. Inspektor Dreyfuss ist so richtig von der Kette und das macht dann auch mehr los, als die eher berechenbare Pointe, die wir uns mal bei Tante Rosemary und ihrem Nachwuchs ausgeliehen haben, schröcklich ist die Vorstellung trotzdem.
Besondere Anerkennung möchte ich dafür aussprechen, daß der Film mit einem Bibelzitat und ohne Happy End ausläuft, hier rächt sich der Unterprivilegierte (der mit der Axt, beruflich gesprochen) festlich am Adeligen, der seinen Familienfluch ja nie so recht wahr haben wollte.
Insgesamt ein schön grimmiger Film, in dem die Beacham immer mal wieder ihr Lungenvolumen erweitert und die gute Kameraarbeit das 18.Jahrhundert durchaus noch mal aufleben läßt.
Wer diese Kostümhorrorfilme Marke Hammer mag, ist hier besser aufgehoben, als in manchem mäßig geplotteten Anthologiefilm. (6/10)