Wie entstellt und nicht abgeholt…
„The Oblong Box“ prahlt mit Poe, Lee und Price, doch strenggenommen gibt’s recht wenig von all dem… Vor allem mit der ursprünglichen Poe-Geschichte gibt’s nur noch sporadische Übereinstimmungen. Die beiden Megastars des Genres haben kaum Screentime zusammen. Und alles braucht gehörig Anlaufzeit. Ein solider Gothic-Grusler ist’s trotzdem über Umwege und irgendwie geworden… „The Oblong Box“ erzählt von zwei adeligen und reichen Brüdern, die nach einem geheimnisvollen Afrikaaufenthalt in ihre Heimat und auf ihr riesiges Anwesen zurückkehren. Doch einer wurde scheinbar durch Voodoomagie entstellt und wird von nun an versteckt und angekettet auf dem Dachboden gehalten… bis er verschwindet! Und mit einer (zugeben sehr cool und ikonisch aussehenden) roten Maske wieder auftaucht und auf Rache sinnt!
Keine Henkersmahlzeit
Kein Hammer-Film - im doppelten Sinne. Da hatte ich mir doch etwas mehr von versprochen, der stand schon seit frühesten DVD-Zeiten auf meiner Wunschliste. Nunja, jetzt konnte ich ihn streamen und genießen passend zu nächtlicher Stund' - und er hat meine Müdigkeit jetzt nicht gerade spektakulär abgewendet, um es milde zu formulieren, so ehrlich muss ich sein. Von Price gibt’s noch am meisten. Lee und „Poe“ geben sich wie gesagt lediglich flüchtig die Klinke in die Hand. Die meiste Zeit wird in düsteren Innenräumen gequatscht, bis die rote Maske und der Hauch von Horror auftauchen dauert's deutlich. Wenn man den klischeehaften bis rassistischen Mumbojumbo-Kern und wahren (Kolonial-)Horror mal außer Acht lässt. Dennoch kommen Geschichte und Setting mit der Zeit in ihren Flow und der Grusler, sein Ambiente und seine unterschwelligen, exotischen und alptraumhaften Vibes schwellen immer weiter an. Ein Grower. Daher ist das Gesamtpaket in Ordnung. Es reißt aber keine Bäume und gräbt keine Särge aus…
Rot steht dir gut
Fazit: wenig Poe, aber einigermaßen genug Stars, Stil und Voodooschmoodoo… diese rote Maske kann so manch eine Geisterstunde verschönern, verzögern, verlängern. Gotisch und neurotisch. Kein Hexer, kein Wixer, kein Sechser, ein Hickser. Castle Freaks Elefantenmensch-Bruder. Mit Kolonialismuskritik und winzigen Gorelights.