Beachtlich, was für ein Team sich zusammengefunden hat, um die neueste Stephen King – Adaption auf die Leinwand zu bringen. Neben Johnny Depp, der spätestens seit „Fluch der Karibik“ zu den gefragtesten Schauspielern Hollywoods gehört, hat Regisseur David Koepp John Turturro verpflichtet, der den Gegenpart des erstgenannten verkörpert. Für die Musik zeichnete zudem kein geringerer, als Minimal Music – Spezialist Philip Glass verantwortlich. Alle Zeichen stehen auf Erfolg? Leider nicht, doch zuerst zur Handlung.
Der Schriftsteller Morton Rainey lebt nach der Trennung von seiner Frau zurückgezogen in einer schlichten Hütte in der Wildnis. Eines Tages taucht unvermittelt ein Fremder beim ihm auf, der sich als John Shooter ausgibt und Rainey beschuldigt, die Kurzgeschichte „Secret Window“ von ihm geklaut zu haben. Er verlangt nun vom ihm, den Schluß umzuschreiben. Als wenig später Raineys Hund tot vor dessen Hütte liegt, wird aus der anfänglichen Belästigung tödlicher Ernst...
Wenn Stephen King ein bevorzugtes Thema hat, dann ist es das Leben und Schaffen eines Schriftstellers und dessen Bedrohung durch Außenstehende. In „Stark“ wird ein Autor von seinem fleischgewordenen Pseudonym gejagt, und in „Misery“ wird James Caan von seinem größten Fan Kathy Bates fast zu Tode „gepflegt“. „Das geheime Fenster“ reiht sich handlungstechnisch genau hier ein. Der Film handelt von einem Schriftsteller, welcher des Diebstahls einer Geschichte beschuldigt wird, setzt sich jedoch auch zugleich mit den Problemen der Schreibtätigkeit an sich auseinander. So ist es auch kaum verwunderlich, dass der Hauptdarsteller aus „Stark“, Timothy Hutton, hier in einer Nebenrolle zu sehen ist. Jedoch setzt „Das geheime Fenster“ eher auf subtilen Grusel, als auf blutige Effekte. Das Problem des Filmes ist jedoch, dass keine rechte Spannung aufkommen will. Die Atmosphäre, sonst unverzichtbarer Bestandteil jeder besseren King – Verfilmung, fehlt hier völlig. Beim Zuschauer stellt sich nicht das Gefühl von Bedrohung ein, das Johnny Depp seinem Charakter zu verleihen versucht. Der Mangel an Spannung entsteht zu einem guten Teil auch deswegen, weil die Handlung relativ belanglos und vor allem altbacken ist. Das „Psychopath bedroht Normalo in der absoluten Wildnis“ – Schema ist bereits unzählige Male wesentlich packender verfilmt worden. Dieser Punkt wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn es am Ende eine unerwartete Wendung gegeben hätte. Allerdings bleibt diese aus; gerade Kenner des Werkes von Stephen King werden nicht sonderlich überrascht sein, viel zu früh wird klar, in welche Richtung Auflösung geht.
Diese Kritik ist besonders deshalb schade, weil sich das Team redlich bemüht, aus der Handlung das beste herauszuholen. Vor allem John Turturro kann als Shooter überzeugen, und auch Johnny Depp macht seine Sache gut, wenn er vielleicht auch nicht die Idealbesetzung des Morton Rainey darstellt. Handwerklich kann man den Machern nicht viel vorwerfen, aber unter dem Strich bleibt nur eine durchschnittliche King – Verfilmung übrig, die an akuter Überraschungs – und Spannungsarmut leidet.
4/10 Punkte