Nach einer mehrjährigen Seereise kehrt Albrecht Froben nach Hamburg zurück. Dort verguckt er sich schnell in die aristokratische Octavia und macht ihr einen Heiratsantrag. Und das, obwohl er mit ihrer Familie nicht so ganz zurecht kommt. Da ist die nebenan residierende Aels eine willkommene Abwechslung und schon bald fühlt sich diese zu Albrecht hingezogen. Mit der Zeit erwachsen auch in Albrecht Gefühle für Aels.
Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Und das in knalligen Farben, die für die Entstehungszeit durchaus beachtlich sind. Gedreht in Agfacolor bietet der vom (gelinde gesagt) umstrittenen Regisseur Veit Harlan inszenierte Film einige hübsche Bilder, gerade wenn es um Außenaufnahmen geht. Gedreht in Hamburg, Berlin, auf Rügen und diversen weiteren Örtlichkeiten bekommt man so in kräftigen Anstrich getauchte Kulissen, wobei immer wieder ein leichter Sepia-Schleier mitschwingt. Dennoch ist das Bild für die Zeit bemerkenswert, an der Karnevalsszene kann man das exemplarisch festmachen. Technisch ist „Opfergang“ gelungen, wenn auch nicht ohne Makel. Zwar liefert die Kamera gelungene Bilder, manche Übergänge sind aber unrund und mitunter irritiert das Weiterführen eines Dialogs in die Abblende.
Doch bei allen technischen Vorzügen ist die Dreicksgeschichte, die hier den Kern bildet, und darin wiederum der Part zwischen Albert und Aels im Speziellen eine Schwäche. Die ach so große Liebe kommt quasi aus dem Nichts, wird rasend schnell aufgebaut, unsterblich verliebt in fünf Minuten. Und der Film vermittelt mir nicht nachvollziehbar, warum das so ist. Man muss das schlucken – oder eben nicht. Nach der Etablierung dieses Zustands verharrt der Streifen lange auf diesem Niveau, da fehlt es an Konflikt und Entwicklung. Die Chose zieht sich doch immer wieder mal spürbar und driftet gegen Ende in immer melodramatischere Gefilde ab. Und doch kann man dem Streifen eine gewisse Atmosphäre nicht absprechen, er ist durchzogen von einer Melancholie – die von Aels irgendwann überhandnehmendem Todesgeschwafel aber erdrückt wird.
Die Figurenzeichnung ist dabei recht eindeutig. Octavia ist eher reserviert und gemäß dem früheren Frauenbild schön hörig, Aels ist lebenslustig und stirbt über die Laufzeit vor sich hin, Albrecht ist der Hallodri mit (ganz leichten) Gewissensbissen. Da kann er froh sein, dass sich das „Problem“ quasi irgendwann von selbst erledigt. Zynisch, aber die Schmonzette macht einem das auch recht leicht.
Leicht ist auch der Ton. Krieg und das historische Drumherum spielen hier keine Rolle, das wird in diesem eskapistischen Ablenkungsmanöver ausgelassen. Man bleibt in der Welt der Abgesicherten, der Oberen. Party und Seidenbettwäsche. Nun muss natürlich nicht jeder Film, der zwischen 33 und 45 entstanden ist, das Offensichtliche beinhalten. Wie losgelöst und betont irreal das mitunter daherkommt, das ist allerdings auffällig.
Aus dem Ensemble sticht Kristina Söderbaum als Aels heraus, sie spielt trotz ihrer irgendwann arg ins Pathos abrutschenden Figur ansehnlich.
„Nicht jedes Betäubungsmittel nimmt den Schmerz weg.“
Regisseur Veit Harlan ist eher für andere Werke bekannt (und zurecht mindestens umstritten), „Opfergang“ ist immerhin in technischer Hinsicht recht gelungen und im Hinblick auf die Entstehungszeit sogar bisweilen eindrucksvoll. Inhaltlich ist mir das zu viel Schmonzette und Melodrama, das sich zwar vordergründig nicht seiner damaligen politischen Umwelt unterordnet, doch erkennt man in der zweiten und dritten Reihe doch imperialistische Themen (Mitbringsel), Euthanasie (Hund, Todessehnsucht) und natürlich stirbt die Eine für den Erhalt der deutschen Kleinfamilie. Dabei stammt die Vorlage von 1912. Also zu viel hineininterpretiert? Vielleicht. Es ist letztlich aber schwer, Filme aus dieser Epoche nicht im Kontext der Entstehungszeit zu betrachten.
Wie man das auch sehen mag, aufgrund der Zeit kann ich das Werk da nicht von Verbindungen zur damaligen Realität loslösen. Aber auch ohne diesen Blickwinkel ist „Opfergang“ ein zwar technisch ansehnliches, aber auch streckenweise zähes und sich immer artifiziell anfühlendes Drama mit wenig interessanten Charakteren.