Review

Manche Filme üben schon aufgrund des Titels eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus. Invasion of the Bee Girls bzw. Invasion der Bienenmädchen… Hallo? Wie cool ist das denn!? Ein Bee-Movie (sorry, das mußte einfach sein!), das auf diesen Namen hört, kann doch unmöglich schlecht sein. Oder? Um der Wahrheit gleich mal genüge zu tun: nein, der Film ist vieles, aber ganz bestimmt nicht schlecht. Mehr noch, er ist - in Ermangelung eines besseren Wortes - saugeil!
Regie bei diesem herrlich schrägen Guilty Pleasure (1 % Guilty, 99 % Pleasure) führte ein gewisser Denis Sanders, ein gänzlich unbeschriebenes Blatt in meinem Filmlexikon. Dafür klingelt es bei dem für das Drehbuch verantwortlichen Nicholas Meyer, denn dieser schickte die Enterprise in Star Trek II: The Wrath of Khan und Star Trek VI: The Undiscovered Country auf die Reise. Und auch vor der Kamera agieren keine Unbekannten. Das ehemalige The Price Is Right-Model Anitra Ford (The Big Bird Cage, Messiah of Evil) ist die leckere Bienenkönigin, während sich in der Hierarchie weiter unten unter anderem Colleen Brennan (SuperCherry aus Russ Meyers Supervixens; später avancierte sie zum Pornostar), Kathy Hilton (The Erotic Adventures of Zorro), und Teenage Sex Kitten Rene Bond, ein weiterer Soon-to-be-Pornstar, tummeln. Den Bienenmädchen die sprichwörtlichen Stachel ziehen möchten B-Movie-Star William Smith (Lonnie 'Lucky Man' Johnson in David Cronenbergs unterschätzten Fast Company) als Regierungsagent Neil Agar sowie die hübsche Bibliothekarin Julie Zorn (Victoria Vetri, When Dinosaurs Ruled the Earth), und in einer kleinen Rolle ist der "Wurmfresser" höchstpersönlich, Herb Robins, zu sehen.
Nun aber zu des Pudels Kern... was genau tun denn die heißen, summenden Babes in diesem ansonsten beschaulichen kalifornischen Kleinstädtchen? Nun, der amerikanische Werbeslogan hat darauf eine schöne Antwort parat: "They'll Love The Very Life Out Of Your Body!" Richtig, die Bienenmädchen haben ein unstillbares Verlangen nach Sex, Sex, Sex. Leider ist das starke Geschlecht mit dem Appetit der großbrüstigen Ladies heillos überfordert, so daß die Männer an Erschöpfung elendig zugrunde gehen. "They're dropping like flies!", meint der Polizeichef (Cliff Osmond) trocken.
Was genau es mit den Bienenmädchen auf sich hat, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, schließlich will ich niemandem den Spaß am Film verderben. Um keine falschen Erwartungen zu schüren: Invasion of the Bee Girls ist äußerst preiswert gemacht (es gibt weder nennenswerte Spezialeffekte noch spektakuläre Actionszenen), dafür punktet der Film mit Stil, Charme, Einfallsreichtum, und viel nackter Haut. Standing Ovations gibt es für den köstlichen Grundton des Filmes; das skurrile Geschehen wird ernst präsentiert, ist aber - natürlich - nicht ernst gemeint. Das spürt man als Zuschauer, und zwar erfreulicherweise ohne anbiederndes Augenzwinkern. "Camp" nennt man diese schwierige Kunstform, die Mario Bava mit seinem formvollendeten Diabolik (1968) perfektioniert hat.
Invasion of the Bee Girls mixt diverse Genres (Science-Fiction, Erotik, Mystery, Krimi, Exploitation, angereichert mit einem Schuß Arthouse) zu einem höchst bekömmlichen, süchtig machenden Gebräu, das zum überwiegenden Teil so lecker schmeckt wie frischer Honig. Lediglich eine Szene, in der eine Frau von drei schmierigen Typen beinahe vergewaltigt wird, hinterläßt einen etwas bitteren Geschmack, da dieser Überfall sehr realistisch und unangenehm brutal inszeniert wurde und sich inmitten des restlichen Filmes wie ein Fremdkörper anfühlt. Die heiße, sexuell aufgeladene Atmosphäre des Streifens gipfelt in eine atemberaubende, fast schon surreale "Verwandlungsszene", die auf eine perverse Weise hocherotisch ist. Das ist eines der beeindruckendsten Set-Pieces der gesamten 1970er-Jahre, wage ich zu behaupten. Die pechschwarzen Augen der Bienenmädchen (meist versteckt hinter großen Sonnenbrillen) sind ebenfalls effektiv und sehr, sehr creepy. Abgerundet wird dieser wunderbare, originelle und kultige Film durch einen herrlich groovigen Score von Charles Bernstein und einem spektakulären Einsatz von Richard Strauss' Sunrise-Fanfare von Also sprach Zarathustra am Ende. Ich bin begeistert!

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