In einer Kleinstadt im Harz wird in einer alten Gruft die Leiche der seit fünf Jahren vermissten Lilly Hennig gefunden. Die Polizei verdächtigt Lillys Mutter Eva Hennig (Nadja Auermann), die nach dem spurlosen Verschwinden ihrer Tochter nach Berlin gezogen ist und sich dort eine neue Existenz aufgebaut hat. Jetzt kehrt sie zurück nach Königsrode und trifft dort erneut auf den hartnäckigen Hauptkommissar Schreiner (Michael Kind) und seinen Assistenten Kommissar Behnke (Jens Schäfer), die beide davon überzeugt sind, dass Eva ihre Tochter damals ermordet hat. Die frischgebackene Kriminalistin Claudia Lorenz (Katharina Wackernagel) allerdings will sich ihren beiden Kollegen nicht anschliessen und entdeckt, dass Lillys Ermordung etwas mit dem Mord an der 17-jährigen Jessica zu tun haben muss, deren Leiche zwei Tage vor dem Verschwinden von Lilly aufgefunden wurde. Eva will den Verdacht von sich lenken und beginnt auf eigene Faust Nachforschungen über den Mord an ihrer Tochter anzustellen.
Ihr geistig zurückgebliebener Cousin Ronny (Hinnerk Schönemann) scheint mehr zu wissen als er zugibt, sagt aber nichts, weil er und Lilly sich damals geschworen haben, ihr Geheimnis niemandem anzuvertrauen. Auch Evas ehemaliger, heimlicher Geliebter Andreas Brückner (Heikko Deutschmann), damals ihr Chef und jetzt Bürgermeister von Königsrode und sein alkoholkranker Schwager Sebastian Brückner (Christoph Hemrich) verhalten sich merkwürdig und scheinen ebenfalls mehr über den Fall zu wissen, als sie eigentlich dürften...
Ich war mächtig gespannt auf Nadja Auermanns Filmdebüt und muss sagen, dass mich das Topmodel nicht enttäuscht, sondern äusserst positiv überrascht hat. Zwar hat Nadja Auermann bereits Filmerfahrung in dem Kurzfilm "Who killed the Idea?" an der Seite von Harvey Keitel und Debi Mazar gesammelt, hatte dort aber einen nur sehr kurzen Auftritt, der kaum die Möglichkeit bot, ihre schauspielerischen Fähigkeiten zu bewerten. Sicherlich ist ihre Rolle als Mutter der kleinen Lilly nicht gerade die schwierigste, aber die hübsche Auermann hat diese mit Bravour gemeistert. Ihr blosses Auftreten, schön, grazil und ganz in weiss gekleidet, vor dem Hintergrund der ausgestorbenen Kleinstadt mit ihren Fachwerkhäusern, verleiht ihr beinahe etwas von einer Ausserirdischen, die sich in einer ihr total fremden Umgebung zurechtfinden muss. Vom Regisseur und dem Kamerateam wurde dieser Kontrast besonders gut umgesetzt, was neben Nadja Auermann selbst, zu den absoluten Stärken dieses TV-Psychokrimis gehört. Alle Schauspieler machen ihre Sache ordentlich, bis auf den absolut fehlbesetzten Hinnerk Schönemann, der Evas behinderten Cousin Ronny verköpert. Hier stimmt rein gar nichts... Schlechte Mimik, schlechte Dialoge und zu allem Überfluss eine Tätowierung am Arm des angeblichen Kleinkindes im Körper eines jungen Erwachsenen... Ein zwar äusserlich erwachsener, aber geistig im Kindesalter gebliebener Mann mit einem trendigen Tattoo erscheint mir relativ unglaubwürdig, so wie die ganze Rolle einfach nur mangelhaft gespielt ist. Die Handlung des Filmes bietet auch nichts wirklich Neues und an einigen Stellen macht sich sogar Langewelie breit, obwohl sie an sich nicht vorhersehbar ist. Allerdings ist man auch nicht sonderlich überrascht, als der Mörder von Lilly am Ende entlarvt wird. Man merkt dem Film deutlich an, dass es sich bei ihm um eine TV-Produktion handelt und auch die Gesichter einiger der Darsteller kennt man aus diversen TV-Krimis, wie zum Beispiel Tatort (Heikko Deutschmann und Carin C. Tietze als seine Ehefrau).
Zusammengefasst ein solider, aber ein nur durchschnittlicher TV-Krimi ohne besonders viel Spannung, der hauptsächlich von der malerischen Kulisse der Harzer Kleinstadt und der überraschenden Nadja Auermann lebt, die ihre Sache um Längen besser gemacht hat, als ihre Kolleginnen Claudia Schiffer oder Cindy Crawford und dem mittelmässigen Film immerhin noch 6/10 Punkten beschert.