Mit „Star Wars-Krieg der Sterne“ wurde 1977 das Kino in seiner Form revolutioniert. Nicht das althergebrachte Autorenkino war mehr gefragt, sondern es wurde das Zeitalter des Popcorn-Kinos eingeläutet, was bis heute anhält. Vor 1977 entstand auch „Das Omen“, weswegen bei diesem Film auf geschliffene Dialoge und Suspense statt auf plakative Schockeffekte gesetzt wurde. Dennoch war „Das Omen“ bis ins Jahr 2001 in Deutschland unverständlicherweise indiziert. Zum 25-jährigen Jubiläum wurde dann zum DVD-Start die Indizierung der drei Teile der Reihe aufgehoben. Die FSK war lange der Meinung, dass das kreative Töten – welches durch „Das Omen“ praktisch „erfunden“ (und später durch jeden Teil der "Freitag, der 13."-Reihe und andere Slasherfilme regelrecht zelebriert) wurde – stark jugendgefährdend sei, obwohl entsprechende Szenen heutzutage in jedem zweiten Fernsehfilm vorkommen. Der Blutgehalt und die Brutalität – bei einer Enthauptung, einer Hängung und einer Blitzableiter-Durchbohrung – halten sich auch in Grenzen und rechtfertigen meiner Meinung nach eine Indizierung nicht. Genug des Vorlaufs.
Zur Story: Botschafter Thorn (Edel-Mime Gregory Peck) adoptiert am 6. Juni, als sein leiblicher Sohn stirbt ein fremdes Kind namens Damien. Nach Damiens 5. Geburtstag häufen sich mysteriöse Todesfälle in seiner Umgebung und Thorn stellt sich langsam aber sicher die Frage, ob sein sich in letzter Zeit sehr veränderter Sohn etwas damit zu tun hat. Ist sein Adoptivkind der Sohn des Teufels?
„Superman“-Regisseur Richard Donner schuf mit dem „Omen“ ein Klassiker des Gruselkinos und ein hochspannendes Stück Mystery-Kino. Die düstere und bedrohlich-aufgeheizte Atmosphäre des Films überzeugen ebenso wie Jerry Goldsmiths oscarprämierte stimmungsvolle Musik. Das einzige etwas größere Manko des Films ist, dass er nun einmal dem Autorenkino angehört und sich einige Längen und Logiklöcher gönnt. Hätte man das Drehbuch etwas gestrafft und den Film um etwa eine Viertelstunde verkürzt hätte ein schnörkelloser, nahezu perfekter Thriller mit Mystery-Touch draus werden können. Ein Horrorfilm – ob der Okkult-Thematik und des „Bodycounts“ – ist „Das Omen“ ohnehin nicht. Wohl aber ein Klassiker des Spannungskinos, auch wenn ich nicht so begeistert war, da das Potenzial des Plots nicht ganz ausgereizt wurde und das Ende sowohl diabolisch als auch etwas enttäuschend geraten ist.
Für Liebhaber des gepflegten und atmosphärischen Spannungskinos der 70er Jahre durchaus ansprechend, für Gothic- und Satansjünger sowieso Pflichtprogramm. Auch wenn der Film mittlerweile als Klassiker des Horror- und Okkultkinos gilt, werden Cineasten angesichts einiger Längen, der zeitweise vorherrschenden Langeweile und des schwachen Endes einer verpassten Gelegenheit nachtrauern, endlich einmal seriös der Problematik des Satan-Sohnes auf Erden gerecht zu werden. Der Film nutzt sein Potenzial nicht und das Drehbuch hätte durchaus ein paar Schockeffekte mehr hergegeben, obwohl (wenige) selbige heute etwas angegraut wirken. Splatterfans werden ohnehin enttäuscht sein, denn bis auf die zugegebenermaßen „nette“ Enthauptungsszene des Fotografen gegen Ende herrscht in dieser Hinsicht (ob der früheren Indizierung) tote Hose...
...Und bei dem geringen Blutspiegel fragt man sich wirklich, ob die FSK auch irgendwann mal ein objektives Urteil fällen kann und das auch von vornherein und nicht erst nach 25 Jahren.