Einer der wenigen Horrorfilme der 70er, der als Klassiker gilt und nicht zum Slashergenre gehört, das ab 1978 mit „Halloween“ populär wurde, aber ganz perfekt ist Richard Donners Frühwerk nicht.
Botschafter Robert Thorn (Gregory Peck) erfährt, dass das Baby, welches seine Frau Katherine (Lee Remick) geboren hat, kurz nach der Geburt gestorben ist. Von einem Pfarrer lässt er sich überreden ein anderes Kind zu adoptieren ohne seiner Frau davon zu erzählen. So läuft das Leben des Paares erst sorglos bis klein Damien (Harvey Stephens) sechs Jahre alt ist. Der Zuschauer weiß natürlich schon was geht und es ist schon eine pikante Vorstellung, dass sich die Eltern bei ihrem Akt der Liebe gleich den Spross des Teufels ins Haus geholt haben. Doch mit dieser Vorstellung wird selten subtil gespielt stattdessen sind bei „Das Omen“ brachialere Töne angesagt.
So geht es los, dass das Kindermädchen ohne erkennbaren Grund Selbstmord begeht, die störrische Nachfolgerin für den Zuschauer schnell als Satansjüngerin zu erkennen ist. Langsam kommen auch die Thorns hinter das Geheimnis von Sohnemann…
„Das Omen“ mag ja seinen Klassikerstatus wegen der ungewöhnlichen Fieslingsfigur verdient haben, aber von Perfektion ist er leider etwas entfernt. Immerhin sitzt mit Richard Donner ein fähiger Mann auf dem Regiestuhl, der so gut es geht, gegen das teilweise sichtbar knappe Budget (man beachte die Sets in der Friedhofsszene) angeht. Doch man muss sagen, dass „Das Omen“ nur selten subtil ist, selten kommt Spannung auf (einer dieser Momente wäre der Unfall von Katherine).
So bleiben die Highlights die Unfälle und Selbstmorde, die Damien mit seiner übernatürlichen Kraft verursacht (ein ähnliches Konzept also wie bei den „Final Destination“-Filmen von heute). Derer gibt es nur wenig, doch wenn, dann sind sie sehr effektvoll inszeniert, vor allem die Köpfung via Glasscheibe ist ungewöhnlich abgefilmt. So richtig bedrohlich will das Ganze nur ab und zu scheinen, da Satansbraten Damien nur ganz selten zu diesem Mittel greift und das meist nur dann, wenn die Leute schon ihr Möglichstes getan zu haben, um Robert vorzuwarnen und ihm zu helfen.
Die meiste Zeit geht dann für die Ermittlungen Roberts auf, die allerdings nur noch mal bestätigen, was jeder Zuschauer schon von Anfang an weiß: Damien ist der Sohn des Teufels. Die weiteren Entdeckungen (z.B. dass alle Spuren von Damiens Vergangenheit auf die eine oder andere Weise verschwunden sind) fügen dem Puzzle wenig neue Erkenntnisse hinzu, sodass man als Zuschauer kaum mit Überraschungen konfrontiert wird.
Doch Richard Donner inszeniert immerhin mit einigem Geschick und erzeugt eine angemessene Stimmung: Im Hintergrund ertönen öfter kirchliche Klänge, zur rechten Zeit wabert dann auch der Nebel über den Friedhof und einen wahrhaft dämonisch aussehenden Köter schafft das neue Kindermädchen ins Haus. Das tröstet dann auch darüber hinweg, dass das Finale kaum vom Hocker reißt, da es a) sehr kurz ist und b) weder Damien noch das Kindermädchen Mrs. Baylock (Billie Whitelaw) Robert ernsthaft etwas entgegenzusetzen haben. Erst der (für damalige Zeiten) reichlich ungewöhnliche Ausgang und die böse Schlusspointe gewinnen dann wieder Sympathiepunkte und rechtfertigen den Klassikerstatus von „Das Omen“ zumindest teilweise.
Gregory Peck sieht zwar für einen Botschafter immer etwas zu abgewrackt, aber den Familienvater, dessen Weltbild zusammenbricht, kauft man ihm dann doch noch ganz gut ab. Lee Remicks Auftritte hingegen sind wenig prägnant, als Supportcast ist David Warner ganz ordentlich. Doch die besten Leistungen kommen hier von den Fieslingsdarstellern, namentlich Billie Whitelaw sowie Harvey Stephens als wahrhaft dämonisch dreinblickender Teufelsbub.
Alles in allem ist „Das Omen“ kein Meisterstück des Terrorfilms, doch ein solider Horrorfilm mit stimmiger Atmosphäre und plakativen, aber gut inszenierten Todesszenen ist Richard Donner trotzdem gelungen.