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Sicher, "Das Omen" hat im Horror-Genre einen Ruf wie Donnerhall. Vielleicht ist das so, weil es in den 70ern nur wenige wirklich erfolgreiche Gruselfilme, zu deren Vorreitern "Omen" und "Exorzist" gehören, gab. Außerdem zog er zwei ordnungsgemäße Fortsetzungen nach sich (eine dritte hat mit Damien Thorn nur die Idee gemeinsam), was ihn noch länger im Gedächtnis bleiben läßt. Betrachtet man ihn allerdings außerhalb seines legendären Kontextes, findet man mehr Kritikpunkte als Erfreuliches.
Zu seinem Erfolg hat wohl die relative Frische des Themas beigetragen, denn die tatsächliche Existenz des Teufels war immer noch ein Novum auf der Kinoleinwand, vor allem in einem wirklich ernsthaften, nicht komödiantischen Rahmen. Hier wird gegen die Feinde des Teufelssohns mit aller gebotenen Gnadenlosigkeit vorgegangen, was bedeutet, daß der Film für die Protagonisten zu einer Entdeckungsreise/Suche wird, garniert mit möglichst vielen, kreativen, optisch einfallsreichen Toten, die die eigentlichen Höhepunkte eines vorhersehbaren Geschehens sind. Bis zum heutigen Tag wurde dieses Prinzip fortgesetzt bzw. totgeritten, doch 1976 konnte man das Publikum noch weitgehend damit beeindrucken.
So sind denn auch die Todesfälle die interessantesten Szenen dieses Streifens, der sonst nicht wirklich viel zu bieten hat. In die Todesszenen hat man die meiste Mühe investiert, besonders im Falle des Kindermädchens, des Priesters und natürlich des Fotografen Jennings. Längst hat sich die Kritikermeinung eingebürgert, die Leute hätten den Film nicht wegen seiner Story oder des Kindes angesehen, sondern wegen der Zeitlupen-Dreifach-Aufnahme von der Glasscheibe, die David Warner den Kopf abtrennt. Irgendwie stimmt das auch, denn wenn die Szene auch heutigem technischen Standard nicht mehr entsprechen kann, ist sie dennoch stimmig inszeniert, wenn auch die Plotkonstruktion, die zu diesem Tod führt, ein bißchen zu konstruiert ist, denn Thorn, vorher schon überzeugter Kindestöter, überlegt es sich gerade für eine Minute noch einmal anders, damit Jennings den Kopf verlieren kann.
Im Anschluß daran findet sich aber kein weiterer Höhepunkt mehr, denn weder der Kampf mit Mrs.Baylock noch die Kirchensequenz bieten noch Überraschungen und sind geradezu unbeholfen lustlos inszeniert.
Solche schwachen Momente gibt es einige, die jedoch im Drehbuch begründet sind, welches Gregory Peck (eh nicht Hollywoods emotionalster Schauspieler) erlaubt, mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch den Film zu kommen. Da er stets gleich aussieht, wird er nie zur Identifikationsfigur,
mit der man mitleiden könnte.
Ansonsten ist der Plot bei weitem zu holprig konstruiert, springt von einem Ereignis zum anderen und kommt so nie in den Fluß. Lee Remicks Schicksal wird so dem Zuschauer nur in Sprüngen mitgeteilt, von der glücklichen Mutter am Anfang über Besorgnis gleich weiter zu Gereiztheit und Depressionen. Anschließend fällt sie von der Balustrade und bekommt in der Klinik dann den Rest. Eine entbehrliche Figur, die benutzt, aber nie entwickelt wird. Wesentlich eindrucksvoller da schon David Warner, dessen Gesicht einem am längsten im Gedächtnis bleibt und Billie Whitelaw als die widerliche Mrs.Baylock.
Die okkulten Bestandteile, 1976 ebenfalls noch neu, sind zwar alle handelsüblich und seither vielbenutzt, doch sie werden wie mit dem Baukastensystem in die Handlung eingesetzt, ein Puzzle zum Zusammensetzen bei dem man das Endergebnis schon kennt. Allein das entscheidende Muttermal versagt schon im Voraus, da man es bei dem Priester bereits gesehen hat.
So entsteht eine Geschichte, die bewältigt werden muß, die man zwar noch erfahren, aber nicht genießen kann.
Da kann auch die Musik nichts mehr retten, die zwar taktisch geschickt mittels gepeitschter Kirchenchoräle als Todesomen eingesetzt wird, sonst aber keinen Akzent setzt, um das Mysteriöse zu fördern.
Gut dafür jedoch die Ausstattung, bzw. die Wahl der Drehorte, wenn auch die atmosphärisch dichte Sequenz auf dem etruskischen Friedhof eindeutig im Studio gedreht wurde.
So ist "Das Omen" mehr ein Zeugnis der Zeit, in der er auf ein Publikum losgelassen wurde, als ein qualitativ hochwertiger Horror-Klassiker, der die Zeit unbeschadet überdauert hat. Er weist jedoch einige horrible Szenen auf, die für längere Zeit im Gedächtnis haften bleiben und kommt doch fast ganz ohne Blut aus. In keinster Weise perfekt, doch innovativ genug, um sich über viele andere zu erheben. (7/10)

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