Review
von Leimbacher-Mario
Kratzbürstige Culturecollage
Animationsfilme wie Ralph Bakshi hat damals keiner gemacht. Filme wie Bakshi hat damals keiner gemacht. Macht noch immer keiner. Nichtmal ansatzweise. Rebellisch, dreckig, die fieseren Seiten Amerikas ungeschminkt aufgedeckt, comichaft überzogen und drastisch vor Augen geführt. Rau, alles andere perfekt, mit Kanten scharf wie Rasiermesser. Zwölf-Tage-Bart-Werke. „Coonskin“ von 1974 ist ein gutes Beispiel für all seine positiven wie negativen Attribute. Hier folgen wir im semi-animierten Stil und ausschließlich für Erwachsene (!) einem dunkelhäutigen Hasen/Drogendealer und seiner kleinen Gang durch Harlem - im Kampf mit der Armut, Mafia, Sex, Korruption und allgegenwärtigem Rassismus…
„Coonskin“ ist Bakshi pur. Adult Animation ohne Kompromisse und zu befürchtende Konsequenzen. Mutig und leicht masochistisch. Voller Klischees und Vorurteile ad absurdum gesteigert. Ein gesellschaftskritischer Spiegel mit einer Fratze, die Amerika damals wie heute nur äußerst ungern sehen will. Schmerzhaft, ehrlich, ugly. Da kriegt jeder sein Fett weg. Dicke italienische Mafiamonster. Skrupellose schwarze Hustler. Korrupte Cops. Betondschungel mit dem Gesetz des Stärkeren. Jeder ist sich selbst der Nächste. Natürlich erzählerisch und ästhetisch wirr, wuchernd und wahnsinnig. Die 82 Minuten sind ermüdend und wirken länger als sie sind. „American Pop“ gefällt mir beispielsweise wesentlich besser. Und dennoch hat auch „Coonskin“ drastisch und ungeniert eine Menge zu sagen. Auch Dinge, die du heute kaum noch zu sagen und zeigen wagst. Sogar Jordan Peele-Vibes gab's in mehreren Szenen. Für viele damals zwischen Messias und Untergang des Abendlandes, zwischen Kult und Krawall, zwischen Kunst und Kollaps. Noch immer ein faszinierender Trip.
Fazit: hässlich, chaotisch, anstrengend, den Finger in Wunden legend. Über Amerika, seine Farben, seine dreckigsten Ecken und den überall zu findenden Hass. Gewalt, Gemächt, Gekreuch und Gefleuch.