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Zodiac America 3: Kickboxer from Hell ist ein Film, der als Trashauswuchs seinen eigenen kleinen Ruf erlangt hat; und auch hier kann man nur vermuten, was die Verantwortlichen von IFD Film & Arts währendessen konsumiert haben.
Natürlich haben die Damen und Herren um Joseph Lai, Betty Chan [ schon seltsam, dass die alleinige Kollektivschuld immer ihrem Mann zugeschoben wird, obwohl sie jedesmal mit den Angaben auftaucht ?! ] und Godfrey Ho hier nicht das alleinige Recht auf einen tiefen Kotau der Fans des miesen Filmes, aber sie haben zumindest den Hauptanteil daran. Wieder wird etwas aufgekauft, was sich anderweitig nie und nimmer vermarkten lässt und mit neugedrehten Material ausgeschmückt, so dass es als vermeintlich eigenständiges, neues Produkt auf die wartende Konsumgesellschaft entsendet werden kann. Die unwillkürliche Trilogie konnte mit Zodiac America: The Super Master [ aka Zombies VS Ninja ] und Zodiac America 2: Evil Destroyer hoffentlich ebenbürtig Vorleistung erweisen. Auch hier lässt sich eine klare Trennung der verschiedenen Quellen ausmachen; der Trick liegt nun dabei, dennoch eine Geschichte zu erfinden, die trotzdem etwas Ganzes ergibt und mit einigen Klebestreifen auch ineinandergefügt werden kann. Zwar nicht täuschend echt und keiner ernsthaften Prüfung standhaltend, aber den schon geringeren Qualitätsanspruch durchaus genügend und nicht bar jeder Kreativität.

Sean [ Mark Houghton ] rettet eine junge Frau vor einer Gruppe Teufelsanbeter im Jutesack. Sie ist eigentlich Nonne, aber als Agentin in die Satanisten eingeschleust worden, wo sie nach Aufdeckung ihrer wahren Identität fliehen musste. Ihre Partnerin Eileen dagegen ist ganz ausgestiegen und hat sich den Witwer Robert geangelt; nach den Flitterwochen ziehen sie in sein mondänes Grundstück ein. Dort geschieht Mysteriöses.

Der Halt zwischen den beiden komplett unterschiedlichen Begebenheiten liegt dabei natürlich nur auf der Toneben, wo die vermeintlichen Zusammenhänge als Hinweise aufgedeckt werden. Ausserdem wirft man in der selber gedrehten Episode einmal ein Blick auf das Foto der Hauptdarsteller des angekauften Materials und bringt durch ein zusammengeschnittenes „Gespräch“ jeweils beider Parteien eine weitere Nahtstelle ein. Sicherlich fällt dies dem Kundigen auf; wenn man die Sucherei nach Übergängen sein lässt oder mit der festen Überzeugung herangeht, dass Alles derselbe Stümper fabriziert hat, können einem die differenzierenden Herkünfte aber durchaus entgehen. Bei der Zusammenstellung wurde demnach schon ordentliche Arbeit geleistet; es hilft natürlich auch, dass die Bilder durchweg eine sehr blasse, farblose Gestaltung haben und die Darsteller allesamt nicht auf der Höhe der Zeit erscheinen. Ausserdem sind beide Filmschnipsel schlecht: Vielleicht nicht gleich schlecht; aber die Qualität lässt sich nur in Grauabstufungen nach unten festhalten. Das Eine ist halt kläglich. Und das Andere Nichtswürdig. Je nachdem, was für eine Sorte Film man mehr bevorzugt, kann man sich ja dann für eine Seite entscheiden.

#1 wäre gern so etwas wie Schatten der Wahrheit. Inhaltlich ist es das sogar; mehrere Eckdaten gleichen sich wie ein Ei dem Anderen.
- Ein in zweiter Ehe verheiratetes Ehepaar.
- Aus dem von Wohlstand geprägten Alltag gerissen.
- Als die Frau nach dem Umzug in ein abgelegenes Haus von Visionen und Erscheinungen heimgesucht wird.
- Die Konfrontation mit dem Übernatürlichen führt zur Lüftung eines grauenvollen Geheimnisses.
Ist alles vorhanden; da bedarf es gar keiner ausführlichen Subsumption. Der Umzug weitab ins Nirgendwo sorgt für die grösste Stärke des gemeinen chinesischen [ oder japanischen ? ] Horrorfilmes; der Schauplatz selber ist wie immer fabelhaft. Besser kann man es nicht machen, ob es nun Zufall ist oder wirklich beabsichtigt oder einfach in der Wiege der Ausstatter liegt. Oder es immer deswegen als so gelungen herausfällt, weil es der einzige Pluspunkt ist, sei mal dahingestellt.
Jedenfalls ist das alte, aber noch im guten Zustand befindliche Gemäuer inmitten der Natur eine Sehenswürdigkeit für sich. Die Umschanzung ist von Efeu bedeckt und verbindet sich in stimmiger Weise mit dem enganliegenden Wald, der wie als Schutzmantel nachgewachsen erscheint. Der weiträumige Garten mit Steinbrunnen und anderem Kokolores konserviert die Entfernung zur schnelllebigen und bevölkerungsdichten realen Welt ebenso wie auch die grosszügigen Inennräume in der Zeit stehengeblieben erscheinen. Die Dekoration ist zwar aus Grossmutters Zeit, aber noch lange nicht abgestanden; durchaus gemütlich und mit Sinn für anno dazumal Geschmack eingerichtet.
Der Vintage Print einer etwas überlebten, aber mittlerweile in allen Ehren versiegelten Eingangshalle; ein isoliertes Dasein versprechend.
Alles Andere sowohl in diesem Bereich als auch dem mit den Kickboxern from Hell ist mehr hässlich als hübsch.

Das gilt auch besonders die Handhabung der Erzählungen selber. Das ausgenutzte Original würde auch keinen Tag im Lichtspielhaus überleben; es sei denn, das Publikum bräuchte dringend Schlaf und wäre für jede Erholung dankbar. Die Geschehnisse waren nämlich schon weit vor dem Zemeckis dreimal aufgewärmter Kohl; schlimmer ist aber, dass so gar kein Tempo entsteht. Natürlich muss ein Horrorfilm nicht knallen, aber hierbei hat man ja das dumpfe Gefühl, in einer suggestiven Zeitlupe gefangenzusein. Wenn man allein mit langsamst – steifen Bewegungen, harmlosesten „Schocks“ und einer allgemein besinnungslosen Atmosphäre eine tiefer greifende Verunsicherung beim Zuschauer erreichen wollte, dann muss man den Regisseur bezüglich einer wohlwollenden Reaktion enttäuschen. Es langt doch nur für die Ausschlachtung in einer Joseph Lai – Produktion; dort allerdings macht es ehrlicherweise doch noch einen etwas besseren Eindruck.

Was aber keine Kunst vor allem im direkten Vergleich mit dem Nachgedrehten ist; dies stellt sich nämlich schnell als Heiterer Bildwitz heraus. Schlimm wieder einmal die vielen Langnasen in fürchterlichen Klamotten. Noch schlimmer ihr Laienspiel, dass nur mühsam von der zerlaufenden Theaterschminke verdeckt wird.
Mark Houghton, neben Steve Brettingham der einzig namhafte Darsteller, mag sich vielleicht als einer der wenigen Ausländer zumindest im kleinen Rahmen um den HK Film verdient gemacht haben, ist aber schauspielerisch auch eine Null und vor allem überhaupt nicht ernstzunehmend. Bei den nicht abzustreitenden Kampffähigkeiten Houghtons fällt nur sein dicker Hintern auf; und trotz der engen Zugehörigkeit zur renommierten Lau Family Hung Gar Academy und damit zu Lau Kar Leung höchstpersönlich wirkt er auf der Leinwand oft nur als grobmotorischer Klotz. Damit passt er komplett ins hiesige Sujet. Was bereits alles aussagt. Ausgerechnet hierbei die Hauptrolle abzugreifen macht sich höchstwahrscheinlich nicht besser im Lebenslauf als die zahlreichen Schergenpositionen in unzähligen B – und C – Actonflicks; eher im Gegenteil.

Viel zu tun oder gar sein vermutliches Können zu zeigen hat er dann auch nicht; die Ergänzung beläuft sich auf einige wenige Fights im Wald, die in keinem Schema auch nur irgendwie aufsehenerregend sind. Wenigstens ergibt der beigefügte Zusatz von Okkultismus, Ritualmorden, Anpreisung Luzifers und Aussprechen von Flüchen und Besessenheit zusammen mit der Chinese Ghost Story des Hauptganges eine kunterbunte Subkultur, die sich an bewährte Miniklassiker wie The Seventh Curse und Holy Virgin VS The Evil Dead anschliesst und dort regen Meinungsaustausch findet.
Derartiger Hokum funktioniert auch wesentlich besser als der Ewige Ninjamumpitz mit seinem narrativen Sterbegewand; ist in seinem eher raren Vorkommen schon mal interessanter und massgeblich am Durchhaltevermögen beteiligt. Sicherlich bedient man in seinem bewussten Bruch fast aller filmischer Regeltraditionen nur die, die wirklich alles sehen wollen, zuviel Zeit und / oder Geld haben und Abgründen nicht abgeneigt sind.

„Komm schon. Ja, komm schon ! Weisst du jetzt, was Schmerzen sind?“
Wenn nicht jetzt, wann dann.

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