Review

In Anne Fontaine's eindringlichem Beziehungs-Drama über die allgegenwärtige Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen spielt Fanny Ardant die in die Jahre gekommene Catherine, die von ihr ihrem Mann Bernard (Gerard Depardieu) erfährt, dass er sich auf einen Seitensprung eingelassen hat. Dennoch seine Liebe zu ihr betörend will sie der Frage nachgehen, welche Motive ihr Mann für diese amourösen Beziehungen haben könnte. Aus diesem Grund engagiert sie die eine Prostituierte (Emmanuelle Beart), die als Nathalie die verborgenen Sehnsüchte und Phantasien ihres Mannes erforschen soll. Anfänglich schüchtern, später fast besessen lauscht sie fortan ihren Schilderungen der gemeinsamen Liebesspiele.

Wer ein erotisches Dreiecks-Drama erwartet hat, wird nach kurzer Zeit enttäuscht sein, denn die Erotik spielt sich in diesem Streifen nur verbal ab, dafür aber sehr direkt und anschaulich von der betörenden Emmanuelle Beart dargeboten, die mit 38 Jahren in ihrer erotischsten und attraktivsten Rolle überhaupt agiert. Mit ihrem verträumten Blick, Schmollmund und riesigen Augen wird sie nicht nur für Bernard zum fleischgewordenen Traum der schlaflosen Nächte.


Der Film wird besonders durch das Aufeinandertreffen zweier vollkommen verschiedener Welten interessant: Eine junge, in der Welt von Sex und Erotik verlorene Frau, die durch ihren Beruf als Prostituierte sich insgeheim nach Liebe und Zuwendung sehnt, sodass sie in der Lage ist, ein Lügennetz zu spinnen. Als Gegenspielerin stellt Catherine die andere Seite der Gesellschaft dar, namentlich die gut situierte, abgesicherte und gutbürgerliche Welt, die in ihren Träumen und Sehnsüchten aber gerne mal ausbrechen und Leidenschaft entdecken möchte. Diese verborgenen Tiefen und verborgenen Abgründe der Seele lotet der Film geschickt aus und bietet großes französisches Schauspielkino der allerersten Güteklasse. Das fantastische Schauspieler-Trio trägt den Streifen locker über die knapp 100 Minuten und lasst keine Langeweile aufkommen.

Ein derart subtiler und ergreifender Streifen, der die Grenzen der im Kopf unterdrückten Wünsche aufzeigt, kann eigentlich nur aus Frankreich kommen. Dort versteht man, wie großes Kino auch mit leisen Mitteln gemacht wird!

(8 / 10)

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