Review
von Leimbacher-Mario
Liebe geht durch den Magen
Paul Bartel als Regisseur, Hauptdarsteller und Drehbuchautor in Personalunion - das kann doch nur gut werden, oder?! „Eating Raoul“ erzählt von einem etwas prüden Ehepaar, das notgeile Swinger zu sich lockt und ermordet und beraubt. Alles für den guten Zweck und den Traum vom eigenen Restaurant. Eindeutig Bartels Magnus Opus! „Eating Raoul“ ist knackig kurz, unverschämt frech, sehr sympathisch und unheimlich unterhaltsam. Das kann man nicht laut genug in die Welt schreien, da die schwarze Komödie trotz Eintragung in die ruhmreiche Criterion Collection noch immer viel zu unbekannt auf der Welt ist. Das muss sich doch endlich ändern! Doch darüber haben sich vor mir schon ganz andere aufgeregt...
„Eating Raoul“ hat keinerlei Längen und ist noch immer so bissig wie zu seinem Release. Zudem passender, akuter und scheinbar zeitloser denn je. Trotz herrlichem 80er-Cheese. Eine krachende Ohrfeige von Hollywood bis Woodstock. Bartel weiß genau was er tut und scheut keine Tabus. Wenn er einen Fön in einen Whirlpool voller nackter Swinger wirft, dann muss ich jedes Mal wieder so laut lachen, dass ich kurz davor bin mich bei meinen Nachbarn zu entschuldigen. Und von diesem Kaliber gibt es einige Momente. Von vorne bis hinten. Obendrauf gibt es scharfzüngige Kommentare auf die schwanzgesteuerte Männerwelt, eine verrohende Gesellschaft und Ehen mit eingeschlafenen Füßen. Und die bezaubernde Mary Woronov (nicht umsonst eine von Andy Warhols Musen!) ist die Kirsche auf eine makabren Torte voller Sahne und Körperflüssigkeiten. Bon Apetit!
Fazit: dunkelster Humor, knackige Laufzeit, noch knackigere Miss Woronov - „Eating Raoul“ ist ein abseitiger Schmankerl mit ausgezeichnetem Geschmack. Ein genial-augenzwinkernder Endpunkt der Swingin’ Sixties. Besser spät als nie?! Neben der Spur und ganz in meinem Element. Fein!