Review

Ein Amerikaner und eine Italienerin in Paris? Das kann ja nicht gut gehen.
Anthony Perkins und Sophia Loren liefern sich einen kleinen Ehekrieg, der durch einen Versicherungsbetrug in einer Katastrophe endet.
Der merkwürdige Titel wird durch ein Zitat von Maurice Druon erklärt:
„Die Entfernung zwischen Traum und Wirklichkeit gibt der Liebe die dritte Dimension, nämlich die des Verhängnisvollen“.

Ja, die Ehe zwischen Bob (Anthony Perkins) und Lisa (Sophia Loren) steht von Beginn an unter keinem guten Stern. Denn er ist besitzergreifend, eifersüchtig und begründet seine Existenz auf Lügen, die er mit seinem kindlichen Charme zu überspielen versucht.
Lisa will sich endlich von Bob trennen, doch dann erfolgt der Flug von Paris nach Casablanca, - die Maschine stürzt ab, alle Passagiere sterben.
Doch nicht Bob, durch einen Zufall befand er sich nicht an Bord, kehrt zu Lisa zurück, um die Prämie seiner Lebensversicherung zu kassieren.
Doch bis zur Auszahlung vergehen Wochen, in denen Bob in der gemeinsamen Wohnung untertauchen muss, die für Lisa zu einem Martyrium werden.

Um es vorweg zu nehmen: Anatole Litvak reizt die dramaturgischen Möglichkeiten nicht voll aus. Es macht zwar Spaß, den beiden Größen Hollywoods zuzuschauen, aber richtig fesselnd ist das eher selten.
Welche Möglichkeiten böte doch diese Konstellation des ungleichen, verhassten Paares für ein bewegendes Psychodrama, doch Dargebotenes gibt sich eher harmlos.

Bob betrinkt sich, wird von einem Nachbarsjungen entdeckt und will Lisa besänftigen, indem er ihr verspricht, die Versicherungssumme zu teilen, um endlich aus ihrem Leben zu verschwinden.
Lisa spielt derweil mit, sie will nur den verhassten Ehemann loswerden und unterzeichnet dafür auch eidesstattlich.

Zudem gibt es noch einen Alwin, ein Mann, der sich auffallend für die „Witwe“ interessiert und dem Lisa gewiss nicht abgeneigt ist.
Das schürt natürlich abermals die Eifersucht in Bob, doch dieser muss sich unlängst einer Ortsveränderung hingeben, da der Junge als Augenzeuge eine Gefahr für ihn darstellt.

Obgleich der Streifen durchweg unterhält, ist es schade, dass er nicht mehr Potential entfaltet.
Es wird durchaus spannend, wenn Bob droht aufzufliegen und die Musik von Mikis Theodorakis dröhnt, um die scheinbar ausweglose Situation zu verdeutlichen:
Wenn ungebetene Gäste die Wohnung betreten und sich Perkins schnell zurückziehen muss, sein Versuch von Einschüchterung gegenüber dem Jungen, der ihn verraten könnte.
Leider konzentriert sich die Handlung stark auf Loren und ihr biederes Umfeld und lässt mit ihr richtig spannende Momente weitestgehend außer Acht.
Nur das gerächte Ende erinnert an eine typische Hitchcock-Auflösung und setzt noch ein paar kleine Glanzpunkte.

Die beiden Hauptdarsteller liefern ansprechbare Leistungen ab.
Perkins gibt in routinierter Form seinen kleinen Psychopathen, während Loren in der ersten Filmhälfte sichtlich um Ausdruck bemüht ist, es aber nicht so recht hinbekommt.
Erst als psychotische Züge ihren Charakter beherrschen, zeigt sie ihr wahres Talent.
Heutzutage wäre das eine Rolle für J-Lo, gut aussehen und brauchbar performen…

Etwas befremdlich wirkt allerdings die deutsche Synchro, die sich offenbar nicht so recht einigen konnte, welche Teile der Dialoge übersetzt werden sollen und welche nicht, so dass viele Passagen in französischer Sprache erklingen, manchmal sogar während eines Dialoges mehrfach umgeschwenkt wird.

Immerhin wirkt der Streifen ansonsten wie aus einem Guss und kann über die volle Laufzeit unterhalten.
Die Grundidee, den Stoff über eine missratene Ehe und einen Versicherungsbetrug zu kombinieren, ist insgesamt durchaus ansprechend inszeniert worden und für Leute, die einen typischen „Nachtfilm aus alter Zeit“ suchen, könnte dieser die richtige Wahl sein.
7 von 10 Punkten

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