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Horst Tappert ist Perrak, ein harter Knochen und Topmann bei der Sittenpolizei, immer auf Augenhöhe mit seinem Kiez. Als der junge Mann mit den schönsten Paraffintitten der Gegend tot auf einer hamburger Müllkippe aufgefunden wird, geht der Fall an den Kommissar, der an den Widerwärtigkeiten seines Berufs abgestumpft ist. Das Presseheft bewirbt Perrak als pulvertrockenen Sittenreißer. Ein deutscher Film tue endlich einmal das, was bei Franzosen und Italienern üblich sei: Dramaturgie und Atmosphäre würden wichtig genommen.
Alfred Vohrer, der sich seine Stammunterstützung Eva Ebner, mit der er auch an vielen Wallace-Filmen gearbeitet hatte, mitbrachte, hält der Gesellschaft keinen Spiegel vor. Eher blickt er in Perrak auf das zeitgenössische Geschehen durch ein Prisma, welches die sozialen Eigenheiten karikaturistisch zerlegt. Mit Wonne schmückt er die bunten Verheißungen des Rotlichtmilieus aus und konzentriert sich auf das Abseitige in Transenshows oder einem Konvent, dessen Besuchern die Beichte auf sehr reformistische Weise abgenommen wird.

Alle bekommen in Perrak ihr Fett ab, ob der Konflikt zwischen dem Bonzen und der Jugend oder diejenigen, die sich unter Integration vorstellen, einen Afrogermanen in schwarz-rot-güldene Farbe zu tünchen und sie trotzdem wie einen Sklaven zu behandeln. Die Dramaturgie scheint vielleicht doch eher zweitrangig, wenngleich drastisch angefacht durch die Entführung Perraks Sohnes, als der alte Haudegen in ein Wespennest gestochen zu haben scheint.
Die Atmosphäre jedoch wird großgeschrieben in diesem Liebhaberstück für Freunde des harten Sleazekrimis. Bissig, skrupellos und zynisch geht es zu auf diesem Pflaster. Perrak ist der Bluthund der deutschen Genrefilmen so oft gefehlt hat. Ein unerschütterlicher Scharfrichter, der Dirty Harry sogar vorauseilt und der seine eigenen Vorstellung der Erhaltung von Recht und Ordnung hegt.

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