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Es war einmal. Der junge Student Bond Cheng [ Vanness Wu ] belegt im Sommer einen Koreanisch – Sprachkurs bei der Lehrerin May Kim Mei – chiu [ Kim Hyun-joo ]. Eher zufällig bekommt sie mit, was ihr Schüler in der Freizeit treibt; er trainiert nämlich bei Master Lau [ Gordon Liu ] in seinem Gym Boxen, und bereitet sich so auf „Star Runner Pan Asia Martial Art Championship“ Ende Juli vor. Die beiden nähern sich behutsam an und sie unterstützt ihn auch, als er das Gym wegen zugebauter Chancen auf das Turnier verlässt und in dem alkoholkranken Bill [ Max Mok ] einen neuen Trainer findet; welcher Bonds Boxstil mit Chinese Kung Fu aufarbeitet. Doch als sie von ihrem Exlover umworben wird, und er auf den unbesiegbaren Tank Wong [ Andy On ] trifft, scheint alles nutzlos zu sein...

- „What is it ? Nostalgic fight ?“ -
Es gab zwar nur wenige Vertreter des Box / Tournament Genres im kantonesischen Kino um 2003/04 und von dem Inhalt her sind es auch alles Routineprodukte, aber die Vergleiche der Filme sowie der Umstände hinsichtlich ihrer Regisseure und Darsteller ist trotzdem interessant. Und ausserdem auch ergiebig in Bezug auf die Gesamtsituation der Filmproduktion.
Daniel Lees Star Runner ist von den fünf Kandidaten der mit dem meisten Budget dahinter, der besten Besetzung und neben Marco Maks Xanda auch der mit der logischerweise grössten Verbreitung; die anderen Boxing Hero, Boxing King und Ultimate Fight dürften nur in ihrer speziellen Klientel bekannt sein, welche sich dann schon aus B – Actionfans zusammensetzt. Wenn überhaupt.
Dabei gelten für alle Filme die gleichen Regeln [ Rocky bis Karate Kid ], einzig der Umgang damit unterscheidet sie dann ebenso wie das Können ihrer Macher.

Lee hat drei Jahre zuvor mit Andy Lau A Fighter's Blues gedreht, und allein über dessen chinesischen Titel Ah Fu [ = Tiger ] und den hier vorhandenen Young Ah Fu kann man eine weitere Verknüpfung ziehen. Auch kennt sich der Regisseur deswegen natürlich bereits mit der Materie aus, und weiss eigentlich auch abseits dessen, was in einen Film reingehört und was nicht.
Zu diesem speziellen Genre gehört natürlich die Underdog – Geschichte; von jemandem, der angesichts der ihm auferlegten oder selbst ausgesuchten Prüfungen über sich hinauswachsen und dafür erstmal ein hartes Training durchlaufen muss. Um über die Zeit seinen Fortschritt zu steigern, sich der Aufgabe stellen zu können und letztlich den personifizierten Endgegner zu besiegen. Dazu gehört auch der Gewinn der ersten grossen Liebe, der natürlich ebenso viel Schwierigkeiten in den Weg geworfen werden und dessen gemeinsames Erreichen manchmal sogar schwerer ist als das Besiegen unüberwindbarer Gegner.

- „Respect your opponent.“ -
Lee und seine beiden Co – Autoren Abe Kwong und Taures Chow wissen um die nötigen Zutaten und konzentrieren sich auf diese beiden Elemente; wobei allerdings nicht so ganz klar ist, was als Ummantelung welcher Teilgeschichte dient. Das Turnier findet erst in der zweiten Hälfte seine Austragung, wird allerdings auch vorher schon immer mal erwähnt und natürlich durch das Training bereits vorbereitet. Die Liebesgeschichte ist mittendrin verwickelt, aber nimmt auch zwischendurch immer mal seine Auszeit; letztlich ergänzen sich beide Faktoren aber eben dadurch gut, dass sie auch selbstständig nebeneinander auskommen und in der Einheit dann ein Ganzes ergeben.
Die Argumentation für die Grundgeschichte steht also auf durchweg sicheren Beinen, auch wenn das Gewicht mal verlagert wird; Schema und Konzept derartiger Filme werden beachtet und sich auch danach verhalten, kommt es jetzt nur noch darauf an, wie man sich bei der Inszenierung selber schlägt.

Dabei fängt man furchtbar an und hat auch durchgängig immer wieder einige Punkte aufgeworfen, die so gar nicht geschmackssicher ablaufen; teilweise übertreibt es Lee viel zu sehr mit seinen Attributen. Man merkt auf den ersten Blick, welches Pärchen zusammengehört und darf sich dann ewig an der Annäherung erfreuen; wobei sich beide auch sehr zaghaft verhalten und das Ganze schon etwas illusorisch abläuft. Etwas zu sehr aufs Podest gehoben. Sicherlich kann man Gefühle derartig weit nach oben positionieren, aber man bekommt hierbei die Taktik dahinter mit; da werden die Klischees benutzt, alles läuft erst zu gut nach Lehrbuch und dann kommt jemand aus der Vergangenheit und macht prompt alles wieder kaputt. Sicherlich ist das auch wahres Leben, aber trotzdem zu einfach; es wirkt einige Male nicht emotional, sondern halt nach Montageplan geschrieben. Inszeniert.
Und wenn Lee damit trotz der spürbaren Taktik teilweisen Erfolg hat, kann er sich bei seinen Schauspielern bedanken.

Die beiden Hauptdarsteller passen nämlich gut zusammen und weisen auch eine stimmige Chemie zueinander auf; ausserdem wirken beide scheu genug, damit ein solch zartes Verhalten wie hier präsentiert glaubhaft wirkt. Die Zerbrechlichkeit der Emotionen und Bindungen zu dem Partner werden gut herübergebracht; die Romanze wirkt auch am besten, wenn man sich auf die Akteure selber fokussiert und Dialoge sowie Begebenheiten drumherum weglässt. Kein peinliches „Schüler ist so müde, dass er einschläft und Lehrerin ihn sanft aufweckt“, womit gestartet wird. Keine feuchte Männerphantasie der Marke „Er verteidigt sie eindrucksvoll gegen eine Überzahl aufdringlicher Unholde“, was hier auch gleich 2x geboten wird. Ihn nicht nach dem Weg zum Bahnhof fragen, obwohl gerade ein Zug vorbeifuhr, da man 2m neben den Gleisen steht. Sondern einfach den anderen im Arm halten oder gemeinsam aufs Meer hinaus sehen, Blicke sprechen lassen. Das wirkt dann schon von ganz alleine und tut es auch hierbei in den entsprechenden ruhigen Momenten.

Das Training und das darauf aufbauende Turnier sind aber sicherlich leichter zu handhaben, da man hierbei wirklich formelhaft arbeiten kann und die entsprechende Methodik dafür auch narrensicher ist. Man sich dort auch nicht daran stört, dass es eben auch durch die Stereotypensetzung rein nach Funktionalität vorhersehbar ist und der Phantasie kaum Spielraum gelassen, sondern das Konzept einfach von A nach B nach C durchgespult wird:
Bond bekommt sofort seinen Endgegner vorgesetzt, diesmal nicht nur geistig, sondern in Form eines Pappaufstellers sogar bildlich; wobei Tank darauf schon allein durch den grimmigen, kalten Blick unter der hochgezogenen Kapuze komplett festgelegt ist, dies auch selber für sich kultiviert und dabei fast wie Darth Vader aussieht. Böser gehts ja nun nicht.
Vom Showdown ist Bond aber noch weit entfernt, selbst die Konkurrenz im eigenen Stall muss erstmal übertrumpft werden; da jeder nur 2 Teilnehmer schicken darf und Senior Hong Hoi [ Chin Kar Lok ] bereits bestimmt ist. Und als zweiter Mann empfiehlt sich Chris Young [ Shaun Tam ], der mit reichen Eltern gesegnet nicht nur dem finanziell angeschlagenen Gym mit Geld unter die Arme greifen kann, sondern auch den wütenden Bond ohne Schwierigkeiten auf die Matte legt.

Emblematisch für den klaren Fortgang wird der gesamte Film in Kapiteln unterteilt, die nacheinander alles abgreifen; die einzelnen Akte beschränken sich meist auf ein speziell bestimmtes Wort, dass in seiner Aussage den Inhalt schon fast zusammenfassen kann.
Das Training selber erweist sich ebenfalls als sehr kurz; ähnlich wie in Tony Leungs Ultimate Fight wird eine videoclipartige Collage erstellt, die den Fortschritt nur in angerissenen Eindrücken, aber dafür zeitlich schneller bebildern kann. Trotz der Vermittlung des Wing Chun durch die Pyramide der Effektivität, dem Erlernen des Hung Kuen Tiger-/Kranichstils und dem Üben an der Mak Jongg merkt man deutlich, dass das Hauptaugenmerk nicht auf der Darstellung von reinem Kampfsport liegt. Die Prägung des chinesischen Denkens durch Yin und Yang sowie die Philosophie dahinter wird nicht einmal erwähnt; man nutzt nur deren oberflächlichen Elemente für die Geschichte aus. In visueller Weise natürlich, als Hintergrund für die fotogenen Darsteller und ihren gestählten Körpern im Scheinwerferlicht. Das Gleiche gilt auch fürs Turnier selber, dass nur eine sehr geringe Zahl von Kämpfen überhaupt bebildert; der für die Handlung nebensächliche Rest wird aussen vorgelassen und mit jeweils eins, zwei Szenen abgestempelt.
Wichtig und dementsprechend ausführlich behandelt wird natürlich, dass Bond wieder an Chris ran muss und ebenso logisch wird Hoi Hong gegen Tank gesetzt. Und natürlich das Finale, dass sich auch entsprechend seine Zeit nimmt und dann auch mal etwas überschaubarer in seinen Stilmitteln reduziert wird und gleichzeitig rabiater in seiner Wirksamkeit ist.

- „It's not about the losing or the winning, its the process that is the most important." -
Natürlich stellt sich hier nicht wirklich die Frage, wer denn nun gewinnt, sondern er ob das Mädchen bekommt. Wen das bis jetzt noch interessiert, wird sicherlich sehr gut mit dem Film bedient; alle anderen dann weniger.
Lee scheint nämlich ebenfalls wie in seinem Nachfolger Dragon Squad wieder viel zu viel zu wollen; so werden mittig Bilder vom Krieg plus einer Liebesgeschichte von Bonds Grossvater [ David Chiang ] und einer Krankenschwester als Gleichnis zur Jetztzeit gesetzt und auch jeder anderen Partei eine Vorgeschichte geschrieben; oder zumindest so getan als ob. Ausserdem führt man einige mythische Figuren ein, die Trainer von Bond – u.a. ein kaukasischer Priester - erscheinen wie phantasiert.
Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart könnte dabei auch gut ohne diesen Pathos gelingen, allein durch die Besetzung erschafft man ja schon einen nostalgischen Brückenschlag: Die drei Shaw Brothers Altstars Ti Lung, David Chiang und Gordon Liu stehen für die 70er. Ken Lo, Max Mok und Chin Kar Lok stellvertretend für das Actionkino von 1985 – 1995. Vanness Wu, Andy On und Shaun Tam [ Spross von Ti Lung ] für das Präsens; und je nach Standpunkt mit Glück / Pech für die Zukunft.

Wenn man sich das Ganze von der Warte aus betrachtet, kommen die Mittleren hier am besten weg. Die Älteren sehen schon zu alt aus, besonders wenn man auch noch Fotos von ihren Jugendjahren herumreicht. Und die Jungen sind noch nicht ganz soweit. Also zurück in die Vergangenheit der 80er Jahre, wo derartige Geschichten noch nicht so ausgehöhlt waren und sich die Action auch weitaus knackiger darstellte. Leider waren die Liebespärchen da nicht so hübsch, aber darauf hat man sowieso weniger geachtet.

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