Es klang von vornherein schon gruselig – Angelina Jolie macht jetzt auf Profilerin. Ihr Erstversuch in „Der Knochenjäger“ war schon mäßig besetzt, auch wenn es sich NUR um eine talentierte Polizistin handelte, aber nun macht sie selbst die Täterprofile.
Und tatsächlich, der Film ist ein beachtlicher Schuß in den Ofen, was selbst Fans von Serienkillerjagden auffallen sollte.
La Jolie wird hier von den kanadischen Kollegen hinzugezogen, um einen Täter zu fangen, der stets in die Rollen seiner letzten Opfer schlüpft und dort eine Zeitlang lebt. Einen Verdächtigen hat man auch bald bei der Hand, der mysteriöse Künstler (Ethan Hawke) gibt den Verdächtigen und auch gleich noch den Love Interest...
Ein mieses Drehbuch und eine Reihe von Fehlbesetzungen sind das Schlimmste an „Taking Lives“, der nur sehr selten unterhalten kann.
Fraglich vor allem die Qualifikation von Miss Schwunglippe, die nie erahnen läßt, weswegen sie an den Ermittlungen überhaupt teilnimmt. Weder bringt sie irgendwelche nennenswerten Fähigkeiten mit, noch kann sie den Beamten Neues erzählen, was wir nicht schon aus 1001 Film kennen. Passend dazu läßt sie sich von dem machohaften Oliver Martinez permanent verbal zu Schnecke machen, weil der wohl seine Potenz nicht unter Kontrolle hat und drückt sich weibchen-like ständig in irgendwelche Ecken. Schließlich latscht er ihr auch mal eine, als es ihm zuviel wird und solche Sachen werden überall disziplinarisch bestraft (Marke wech), nur in Kanada gehört das wohl zum guten Ton...
Später schnuckelt sie immer ausgiebiger Ethan Hawke hinterher und landet sogar mit ihm in der Kiste, worauf sich der letzte Bezug zur Realität zur Halbzeit schon auf Nimmerwiedersehen verabschiedet. Zwischendurch schaut dann auch mal Kiefer Sutherland vorbei, der zwar an dritter Stelle der Darsteller steht, aber eigentlich nur zwei kurze Szenen hat, ehe er auf dem Obduktionstisch landet.
Da paßt es prima, daß das Drehbuch in allen Fugen ächzt und kracht. Eine lange Eröffnungssequenz macht zwar Lust auf den Killer, aber der muß sich fortan bedeckt halten (man findet nur Opfer), weil seine Enthüllung ja ein dicker Clou (haha...) sein soll. Kein Katz-und-Maus-Spiel, keine psychologische Strichführung, stattdessen dominiert polizeiliche Standardarbeit, gereicht mit ein paar netten Actionszenen, aber stets formelhaft und gestelzt, künstlich überzogen mit Düsterlook.
Nach einer Weile mit den bereits erwähnten polizeilichen Auseinandersetzungen kippt das alles dann in ein kriminalistisches Liebesdrama, um dann den dollen Twist nach einer guten Stunde in die Runde zu werden, nur leider bietet er sich schon lange vorher an, da einer komplexen Fallstruktur wohl eh kein Autor Interesse hatte.
Den Rest der Films bildet dann eine Schlußpointe, die das Verhältnis Jägerin/Täter in ein neues Licht setzen soll, den Film aber nicht wirklich retten kann. Was in der Schlußsequenz den einzigen Reiz ausmacht, der alles vor der Offensichtlichkeit schützt, ist die vorherige Unfähigkeit, aus Jolies Charakter eine nachvollziehbare Figur zu machen.
Trotzdem ist „Taking Lives“ so leer wie der Blick Jolies, wenn sie mal wieder Tatortfotos begutachtet, als wüßte sie nicht, was sie hier eigentlich soll. Aber die Bilder dokumentieren es: „Taking Lives“ nimmt uns allen kostbare Lebenszeit. (3/10)