Review

Während Bauarbeiten im kanadischen Montreal wird eine Leiche ausgegraben. Die begabte FBI Agentin Illeana Scott (Angelina Jolie) ermittelt zusammen mit der örtlichen Polizei und muss schnell herausfinden, dass der Täter ein Serienmörder ist, der durch Nordamerika reist. Nachdem er seine Opfer getötet hat, nimmt er ihre Identität an und lebt ihr Leben. Der erste Verdächtige ist schnell gefunden: ein Maler namens Costa (Ethan Hawke). Zur Enttäuschung der Polizei stellt man nach gründlichen Untersuchungen allerdings fest, dass dieser unschuldig ist. Doch von nun an unterstützt er Agentin Scott bei den Ermittlungen und beginnt sogar eine Affäre mit ihr. Inzwischen tauchen weitere Indizien auf und die Gesetzeshüter kommen dem Killer scheinbar immer näher.
Französisches Produktionsteam, Script nach Romanvorlage, brauchbarer Cast und nette Ausgangsidee - das ist das Handwerkszeug, das man Regisseur D.J. Caruso für diesen Film mit auf den Weg gegeben hat. Die Idee um einen wahnwitzigen, skrupellosen Killer, der die Identität seiner Opfer annimmt, klingt recht verlockend, doch ein Blick auf das Endprodukt ist erschreckend traurig. Zwar bemühte sich die Crew von "Taking Lives" deutlich um die passende Atmosphäre, indem sie ordentlich düstere Sets schuf und auch viel bei Nacht filmte, aber so richtig rüber kommt das Ganze leider nicht. Technisch gesehen werden einem hier nur die üblichen, abgedroschenen Kameraeinstellungen präsentiert, die inzwischen jeder TV-Filmstudent genauso hinbekommt. Die schwache Bildkomposition tut absolut nichts für die Spannung - und gerade die hat man doch bei einem Streifen wie "Taking Lives" erwartet. Dass das Rätselraten um den Mörder so unglaublich langweilig ist, verdankt der Zuschauer auch dem schwachen Script, dass wirklich keine Gelegenheit auslässt, all das offen zu legen, was bis zum Ende lieber hätte verborgen bleiben sollen. Bereits die Anfangsszene, die übrigens äußerst übel gemacht ist und einen denken läßt, man ist im falschen Saal und bei einer Teeniekomödie gelandet, verrät die komplette Vorgehensweise des Killers. Die Spannung ist somit gleich von Beginn an komplett weg. Man muss schon wirklich benebelt oder blind sein, wenn man die ungewollten Hinweise auf den wahren Täter, die alle paar Minuten im Film auftauchen, übersieht. Eigentlich sollte jedem bereits nach einer guten halben Stunde klar sein, wer sich hinter den Morden verbirgt - und die restliche Stunde darf man sich dann so richtig langweilen. Hollywood hat es wieder einmal geschafft, eine Thriller-Banalproduktion zu erschaffen, die wirklich an keiner Stelle irgendwie originell oder spannend ist. Allein am Ende dürfte das traurige Stück Möchtegern-Kinofilm den Zuschauer etwas täuschen, allerdings nicht für allzu lange. Irgendwie wäre es ähnlich lächerlich, wenn man gleich zu Beginn des Tatorts ein Closeup vom Gesicht des Mörders zeigt, der gerade frisch am Werk ist, und dann die Zuschauer für so dumm hält, dass sie in der nächsten kompletten Stunde nicht wissen, wer die böse Tat begangen hat. Vorhersehbare Thriller sind nun mal vernachlässigbare Abfallware, und da macht "Taking Lives" leider keine Ausnahme.
Natürlich sind die Charaktere des Films ordentlich klischeebetont. Es fängt schon an bei einer Jolie, die so etwas wie die Wonderwoman der modernen Polizeiarbeit verkörpert. Die hat natürlich Sinn für das kleinste Detail, sieht Dinge an der Wand hängen, die andere nicht mal mit dem Elektronenmikroskop bemerken würden und kombiniert zielsicherer und schneller als Einstein persönlich. Eben eine dieser toughen Frauenrollen, die schon wieder lächerlich wirken. Ansonsten gibt’s da den französischen Machopolizisten mit Akzent und den knilchigen Milchbubi als Täter. Sein langweiliges und ausgelutschtes Mordmotiv tut den Rest. Die Hauptrollen des Films sind für mich durch die Bank fehlbesetzt und mit erschreckender Halbherzigkeit gespielt. Nicht einer der Darsteller schafft es, seinen Charakter besonders innovativ oder lebendig darzustellen, auch wenn sie an sich nicht schlecht schauspielern.
Nun, so ein übles und armes Thriller-Drehbuch ohne jegliche Spannung gab es selbst auf dem Dutzendmarkt Hollywood schon lange nicht mehr. Der Film ist ein ausgehöhlter Torso, der nicht einen guten Aspekt aufweisen kann und deshalb mit all seiner Eintönigkeit sich sein eigenes Grab schaufelt. Die Rollen sind falsch besetzt, das Kamerawerk zwar nicht schlecht aber sehr obligatorisch, die Story geklaut und berechenbar und irgendwelche fiesen Mordszenen gibt's auch nicht. Das mit Klischees getränkte Werk wirkt leider in jeder Szene übertrieben-konstruiert und plastisch-falsch. Genau diese hölzerne Falschheit zieht sich durch den Streifen wie ein frisch ausgespuckter Kaugummi und sorgt dafür, dass man pausenlos den Eindruck hat, dass das Geschehen gar nicht real dargestellt werden sollte.
Der Film stiehlt somit eigentlich nur eins... und zwar dem gutgläubigen Zuschauer die kostbare Zeit. Hinter "Taking Lives" verbirgt sich ein rundum platter, ausgelutschter und langatmiger Psychothriller auf TV-Niveau, der leider ohne irgendwelche Höhen auskommt und so zäh dahindümpelt, dass in jedem Genrefan der Zorn aufkommt. Hauptsache Angelina Jolie darf mal wieder ihre blanken Brüste ins Bild halten...und selbst das ist inzwischen schon langweilig. Grottig, grottiger, "Taking Lives" - lieber nochmal "The Watcher" schauen, denn der war auch nicht schlechter...

Details
Ähnliche Filme