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Kreuzmordrätsel

"Fahrstuhl zum Schafott" ist heutzutage genauso frisch wie damals. Ein romantischer Thriller, der altert wie ein exzellenter Rotwein. Erhaben, unterhaltsam, seiner Zeit voraus. Aus einer Epoche, in der sich Kunst und Entertainment keineswegs ausschließen. Viele Ursprünge der Nouvelle Vague, von Godard und Truffaut, sind schon überdeutlich, dennoch wirkt dieser "perfekte Mord mit unausweichlichen Hindernissen" oldschool genug um sich mit den ganz Großen von Hollywood bis Paris messen zu können. Denn er hält jedem Vergleich, jeder Kritik, jeder Analyse stand. Hätte ich eine Liste mit für mich perfekten, makellosen Filmen - diese Nacht in einem Aufzug wäre sicher enthalten. Louis Malle lernte von den Besten und deutete gleichzeitig der Jugend bzw. nächsten Generation den Weg. Europäisches Krimikino mit Klasse, Konzentration und Chuzpe. Sollte man mindestens einmal im Leben gesehen haben. Man muss die Ursprünge kennen. Ausreden lasse ich nicht gelten!

Wir folgen einem geradlinigen und gleichzeitig wendungsreichen Plot: zwei sich Liebende planen den perfekten Mord an ihrem reichen Ehemann, in dessen Büro, am helllichten Tag. Wäre da nur nicht der Aufzug, der genau im schlechtesten Moment abgeschaltet wird und ein Schachspiel der Schuld in Gang setzt, bei dem am Ende jeder auf seine Kosten kommt und Unschuld kaum noch zählbar ist... Eine desillusionierte Jeanne Moreau, edelste Schwarz-Weiß-Bilder, eine ausgeklügelte Geschichte und keine Minute zu viel auf den Rippen. Wie gesagt: wer hier nochmal Hand anlegen würde, kann es nur schlechter machen. Als Sahne auf einer kurzweiligen Torte gibt es den legendären Miles Davis-Jazz-Score, der in die verregnete pariser Nacht perfekt passt und ein einmaliges Flair verbreitet, sich mit der Stadt der (in diesem Fall fehlgeleiteten) Liebe leichtfüßig verbindet. Innovativ, lässig, gefährlich. Selbst im Angesicht des Untergangs. Zwickmühlen kommen nicht faszinierender. Und die schwarze Katze hätte eigentlich schon Warnung genug sein müssen...

Fazit: Lügen haben kurze Beine, Morde irgendwann gar keine mehr - eine Fahrt in die untersten Regale der menschlichen Melancholie, Instinkte und Wünsche. Dynamisch, aufregend, überraschend. French Film Noir in Perfektion. Oder schon Nouvelle Vague? Louis Malles Bester!

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